Ladenbetreiber verärgert über Abmahnung

Wieder Ärger um Sonnenschirme in Münden

„Icke“ Kirbach und Katharina Junge mit Sonnenschirm
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Sie dürfen ihre Sonnenschirme nicht vor ihren Geschäften aufstellen: „Icke“ Kirbach und Katharina Junge (hier vor Junges Modegeschäft) haben ihre Läden in Mündens Marktstraße.

Zwei Ladenbetreiber wollen ihre Ware im Schaufenster mit Sonnenschirmen vor dem Ausbleichen schützen. Doch das Aufstellen von Schirmen in der Mündener Innenstadt ist nur Gastronomen gestattet. Nun wurden sie zum zweiten Mal vom Ordnungsamt abgemahnt.

Hann. Münden – Sie sind aufgebracht: Modegeschäft-Betreiberin Katharina Junge und Plattenladen-Urgestein „Icke“, der mit bürgerlichem Namen Klaus-Werner Kirbach heißt, haben den zweiten Sommer in Folge Post vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadt Hann. Münden bekommen. Grund dafür sind Sonnenschirme, die sie zum Schutz ihrer Ware vor den Geschäften in der Marktstraße aufgestellt haben.

Ärger um Sonnenschirme: Nicht die erste Abmahnung

Bereits vorigen Sommer forderte das Ordnungsamt die beiden Ladenbetreiber auf, ihre Sonnenschirme abzubauen, da das Aufstellen eben dieser nicht erlaubt ist. Vergangene Woche erhielten sie die nun zweite und laut Schreiben letzte Aufforderung der Stadt, die Schirme vom Bürgersteig zu entfernen.

Bei den Ladenbetreibern herrscht Unverständnis, denn sowohl Kleiderständer als auch CD-Auslage dürfen sie auf dem Bürgersteig aufstellen. Die Sonnenschirme hingegen nicht: „Ohne den Schirm verblasst nicht nur die Kleidung auf dem Kleiderständer, sondern auch die im Schaufenster“, sagt Junge verärgert. Die Ware könne sie dann wegwerfen.

Die Stadt habe ihr empfohlen, die Kleiderstange mit einem Baldachin zu versehen, das reiche aber nicht aus, sagt sie. Sie habe extra einen Schirm gekauft, der farblich zur Fassade des Hauses passt: „Außerdem steht er nah am Haus und ist in der Mindesthöhe von 2,20 Meter aufgespannt.“

Markise statt Sonnenschirm keine Lösung für Ladenbetreiber

Junge ist enttäuscht von der Stadt, hätte sich während der Pandemie mehr Verständnis und Unterstützung gewünscht: „Wir mussten fünf Wochen Corona-Pause machen und auch jetzt haben wir weniger Kunden – da fehlen die Einnahmen“, erklärt sie. Sie wünscht sich mehr Verständnis.

Die Stadt hat Junge und Kirbach bereits 2019 vorgeschlagen, eine Markise zum Schutz der Ware am Haus zu montieren. „Das ist durch die Beschaffenheit der Hausfront bei mir aber nicht möglich“, sagt die Modegeschäft-Betreiberin. Außerdem würde der Schutz einer Markise nicht ausreichen. Aus Angst vor einer Geldstrafe will Katharina Junge ihren Sonnenschirm künftig aber nicht mehr aufstellen.

Wenn unsere drei Schirme das Stadtbild so sehr stören, dann müssten alle Sonnenschirme in Hann. Münden dem Erdboden gleich gemacht werden

„Icke" Kirbach

Sonnenschirm-Verbot: Unverständnis über Abmahnung

Ihr Nachbar „Icke“ ist wütend. Und das, obwohl sein Vermieter auf das erste Schreiben der Stadt reagierte und eine Markise am Haus montierte. „Icke“ reicht der dadurch gebotene Schatten aber nicht aus. Laut eigener Aussage habe er vor seinem Geschäft bereits seit 40 Jahren Schirme stehen, doch erst seit vorigem Jahr würde sich die Stadt Hann. Münden darüber beschweren.

Er verstehe nicht, wieso das erst jetzt zum Problem geworden sei. Aufgebracht sagt er: „Wenn unsere drei Schirme das Stadtbild so sehr stören, dann müssten alle Sonnenschirme in Hann. Münden dem Erdboden gleich gemacht werden“.

Damit meine er die Sonnenschirme, die die Gastronomen vor ihren Läden aufgestellt haben. Ihnen ist das Aufstellen der Schirme allerdings laut Ordnungsamt gestattet.

Das sagt das Ordnungsamt:

Das Stadtbild soll erhalten bleiben, sagt Jörg Golde, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. Deshalb gebe es Gestaltungsrichtlinien, an die sich alle zu halten haben. Er erklärt: „Münden wirbt damit, Fachwerkstadt zu sein, da müssen die Fassaden dazu passen.“ Andere Einzelhändler hätten sich bereits bei ihm beschwert, dass Junge und „Icke“ sich nicht an diese Richtlinien halten. „Werden die Schirme nicht entfernt, fällt eine Geldstrafe an. Notfalls räumt die Stadt die Schirme selbst weg“, so Golde. Gastronomen dürfen Schirme aufstellen, da ihre Gäste längerfristig verweilen, erklärt er.

Auch im letzten Jahr gab es schon Streit zwischen den Geschäftsinhabern und der Stadt Münden wegen der aufgestellten Sonnenschirme.

Von Theresa Lippe/tli

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