Schuhe und Geschichten:

Wilhelm Hübener: Ein Schuster mit poetischer Ader

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Die Zeichnung zeigt Wilhelm Hübener. 

Hedemünden.  Zur 1000-Jahrfeier Hedemündens taucht einer auf, der sich schon früher für die Geschichte des Dorfes interessierte: Schuster Wilhelm Hübner.

Elfriede Jendraschak (79) war auf den alten Hedemündener gestoßen. Sie sammelt Schriften von Hübener, der von 1839 bis 1919 in dem Ort gelebt und als Schuhmacher gearbeitet hat.

Seine Werkstatt war dort, wo sich heute das Schuhgeschäft Stede (Rathausstraße 11) befindet und die Familie in der vierten Generation das Unternehmen in erweiterter Form weiter führt - mit Schuhreparaturen, Orthopädie-Schuhtechnik sowie dem  Verkauf von modischen und bequemen Schuhen sowie  Handtaschen.

Elfriede Jendraschak berichtet, dass Wilhelm Hübener sich sehr  für den Ort engagiert habe. Er war im damaligen Gemeinderat, als Kirchenvorsteher und Schulvorsteher tätig und hat jede Menge geschrieben. Das waren Gedichte und Geschichten, auch in Platt. Über 50 davon sind in der Tageszeitung, „Mündensche Nachrichten“ veröffentlicht worden. Unter anderem die Gedichte „Wie ist die Welt so trübe“, „wo bist du Frühling“ und „wo bleibt die Liebe“. Er hat sehr viele Abhandlungen geschrieben, beispielsweise über den Bau der Wasserleitung in Hedemünden. Außer  ihm waren auch viele andere Menschen des Ortes damals gegen dieses Projekt.    

„Ich habe damals, als Oberodes Ortsheimatpfleger Heinrich Hampe eine Chronik zur 975-Jahr-Feier von Hedemünden zusammen getragen hat, geholfen, Informationen über Hübener zu finden“, erzählt Elfriede Jendraschak. „Sein Wirken hat mich so fasziniert, dass ich mich intensiv damit auseinandergesetzt habe“. So habe  sie sehr viel über den Mann im Mündener Stadtarchiv gefunden, fertigte Kopien an und hatte diese  kürzlich  zur Ausstellung der Hedemündener Künstler zusammen mit alten Fotografien, Urkunden und Postkarten ausgelegt. (zpy)

Ein Gedicht von Wilhelm Hübener:

Was mir die Werra erzählt

Ich schau seit grauen Zeiten, seitdem mein Lauf begann, ganz nah und auch von weitem
der Menschen Treiben an

Ich sah schon manch Schlechtes
Entstehen und vergehen.
Ich sah auch viele Rechte verschwinden und verdrehen

Ich sah auch sehr viel Gutes, sah manche schöne Tat.
Dann strömt ich frohen Mutes hinab auf meinen Pfad

So war seit Adams Zeiten, durch Freuden und durch Leid.
Soll sich der Mensch bereiten zur schönen Ewigkeit.

Selbst ich werd bald verschwinden,
vollenden meinen Lauf.
Denn ich fließ nur hin, bis Münden,
da nimmt die größ´re Weser, mich kleine Werra auf.

Kommentare

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