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Dürre im Raum Münden: „Wir brauchen noch mehr Regen“

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Immer das Wetter im Blick: Prof. Dr. Kai Neumann vor seiner Wetterstation, mit der er seit Jahren Daten über Sonne, Wind und Niederschläge sammelt.
Immer das Wetter im Blick: Prof. Dr. Kai Neumann vor seiner Wetterstation, mit der er seit Jahren Daten über Sonne, Wind und Niederschläge sammelt. © Familie Kai Neumann

Südniedersachsen gehört mit zu den Regionen, in denen es in den vergangenen Monaten am wenigsten geregnet hat. Begonnen hat die andauernde Trockenperiode aber schon 2018.

Altkreis Münden – Der Regen der vergangenen Tage hat viele Gartenbesitzer aufatmen lassen. Aber um die Folgen der seit Monaten anhaltenden Dürre spürbar abzumildern, ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir brauchen lang anhaltenden ergiebigen Regen“, sagt Prof. Dr. Kai Neumann, begeisterter Hobbymeteorologe aus Staufenberg und Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule in Wismar.

Der 56-Jährige betreibt seit 1997 eine Wetterstation in Landwehrhagen, die Daten für einen privaten Wetterdienst erhebt, der auch für die ARD arbeitet.

Es müsste monatelang durchregnen, um die Defizite, der vergangenen Jahre auszugleichen, so Neumann. Bis Freitag früh sind nach den Daten seiner Station im September in Landwehrhagen 36,6 Liter pro Quadratmeter (Liter/qm) gefallen, die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den gesamten Monat liege bei 56,6 Liter/qm. Das werde nach den Prognosen wohl erreicht, aber ein wirklich nasser September, der irgendwelche Lücken schließen könnte, sei das auf jeden Fall nicht, sagte Neumann.

Begonnen habe die andauernde Trockenperiode in der Region im Jahr 2018. Sie ist aber nur Teil einer längeren Entwicklung. Nach Neumanns Aufzeichnungen verliert die Region bereits seit 1998 im Durchschnitt je Jahr knapp sieben Liter pro Quadratmeter. „Bei einem 25-jährigen Zeitraum ist das erheblich“, so Neumann. Seit 2018 wiederum sei im Durchschnitt in jedem Jahr etwa 20 Prozent weniger Niederschlag als normal gefallen. Ende dieses Jahres fehle damit etwa der Niederschlag eines ganzen Jahres. „Und das ist ausgesprochen ungewöhnlich.“

Bis einschließlich 2017 habe der Mittelwert für die zwanzig Jahre seit Aufbau der Wetterstation bei gut 655 Liter/qm gelegen, in den darauffolgenden fünf Jahren (2018 bis 2022) nur noch bei 520 Liter/qm. Damit weist die Region in diesen fünf Jahren ein Niederschlagsdefizit von 677 Liter/qm Defizit aus. „Das entspricht der Menge eines Jahres.“ Auch vor 2018 habe es immer mal wieder trockene Jahre gegen, aber die seien durch regenreichere ausgeglichen worden. Das sei seit 2018 nicht mehr der Fall.

2018 habe zu den trockensten Jahren der vergangenen tausend Jahre gehört. Das lasse sich anhand von Überlieferungen belegen. Laut Neumann gehören Südniedersachsen und Nordhessen zu einem Streifen in der Mitte Deutschlands, der in diesem Jahr mit den wenigsten Niederschlag erhalten hat. Nördlich und südlicher sei es nicht so trocken und damit deutlich entspannter gewesen. Die Zone reicht von der Mitte Deutschlands bis in den Berlin/Brandenburger Raum.

Der Klimawandel zeige sich in der Region mit zunehmender Trockenheit und wärmeren Jahren. Auch ihm bereite dies Sorgen, zugleich glaube er an die menschlichen Fähigkeiten, „den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu reduzieren, dass wir den Pfad der Klimaerwärmung wieder verlassen.“ Aber, und da spricht der Wirtschaftswissenschaftler aus ihm, müsse es auch deutlich spürbare Anreize geben, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu vermeiden. „Und in einem marktwirtschaftlichen System sind das die Kosten.“ Wenn dies gelinge, dann könne es sein, dass das System sehr schnell reagieren werde. (Von Ekkehard Maass)

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