Kita-Leitung: „Kinder brauchen körperliche Nähe“

Neuer Corona-Alltag in Kindertagesstätten im Altkreis Münden

Drei Kinderhände liegen auf einem Tisch um einen Stempel. Auf den Händen ist ein Coronavirus-Stempel zu sehen.
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So wird Händewaschen zum Spiel: Am Anfang des Tages können die Kinder in der AWO-Kita am Schloss in Hann. Münden einen Coronastempel auf die Hand erhalten. Am Ende des Tages soll er möglichst nicht mehr zu sehen sein.

Durch die Corona-Pandemie ist die Kinderbetreuung ins öffentliche Interesse gerückt. Mit den Corona-Auflagen hat sich der Alltag in den Kindertagesstätten im Altkreis Münden verändert. Kita-Leiterinnen verschiedener Träger berichten von ihren Erfahrungen.

„Das Wort Regelbetrieb sagt, es ist alles wieder normal, aber das ist es nicht“, sagt Reinhild Mönnikes-Meng. Sie leitet die DRK-Kita in Bühren mit 20 Kindern in einer Gruppe. Alle Kinder kommen wieder in die Kita, berichtet sie. Aber Externe dürften das Gebäude nicht betreten, weder Eltern, noch Caterer oder Vorleser. Veranstaltungen seien abgesagt. Die Oberflächen und Materialien würden mehrmals täglich desinfiziert. Auf Zähneputzen werde aus hygienischen Gründen verzichtet. „Ansonsten versuchen wir, alles möglich zu machen. Wir müssen kreativ werden.“

Die Teilhabe der Eltern sei sehr eingeschränkt. Viele vermissten es, in die Kita zu kommen und erhielten jeden Freitag eine Wochenendpost, mit dem Speiseplan und Informationen für die kommende Woche.

Eine Kollegin sei über 60 Jahre alt, eine andere habe einen Mann, der einer Risikogruppe angehöre. Beide Frauen kämen täglich zur Arbeit und machten einen tollen Job. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Reinhild Mönnikes-Meng.

Die Mitarbeiterinnen der DRK-Kita tragen keinen Mundschutz und halten auch zu den Kindern keinen Abstand. „Wenn ein Kind weint oder sich stößt, müssen wir es trösten“, sagt Reinhild Mönnikes-Meng. Abstandhalten sei auch beim Spielen und Wickeln nicht realistisch.

So halten es auch die sieben Mitarbeiter in der AWO-Kita am Schloss in Hann. Münden. Dort gibt es zwei Kitagruppen mit 25 Kindern und eine Krippengruppe mit 15 Kindern. „Kinder brauchen körperliche Nähe“, sagt die Leiterin Katharina Schüßler. Es sei nicht möglich 1-Jährige mit Masken zu betreuen, denn sie seien auf Gestik und Mimik angewiesen.

Die Kita habe nun einen getrennten Ein- und Ausgang. Jede Gruppe habe ihren eigenen Waschraum. Das Mittagessen werde geliefert und in den Gruppenräumen getrennten verzehrt. Die Mitarbeiter verteilen nun das Essen, vorher hätten sich die Kinder selbst bedient. „Da geht Selbstständigkeit verloren“, sagt Katharina Schüßler. Die Angst sei bei den Eltern groß, dass sich die Kinder infizierten. „Wir gehen damit ganz offen um“, sagt Schüßler. Auch die Mitarbeiter tauschten sich bei Dienstbesprechungen über ihre Sorgen aus. Die Kinder gingen selbstverständlich damit um.

ASB-Kita in Lutterberg: Eltern bringen Kinder bis zur Tür

Das bestätigt auch Olivia Curth, Leiterin der ASB-Kita in Lutterberg. „Die Kinder machen das total super. Sie haben sich schnell damit arrangiert, was sie dürfen und nicht dürfen“. Händewaschen und lüften gehöre für sie zum Alltag. Auch die Eltern verhielten sich „vernünftig“ und behielten ihre Kinder bei Erkältungssymptomen zu Hause.

Die drei Kitagruppen mit insgesamt 67 Kindern und eine Krippengruppe mit 14 Kindern nutzten getrennte Wasch- und Essräume. Der Früh- und der Spätdienst arbeiteten gruppenübergreifend und die Schulabgänger träfen sich zweimal die Woche. Seit Montag gelten in der ASB-Kita Lutterberg strengere Regeln: Die Eltern und auch die Musikschule dürfen das Haus nicht mehr betreten.

Drei Szenarien für den Kitabetrieb

Das Niedersächsische Kultusministerium hat für Kindertagesstätten einen Leitfaden ausgearbeitet. Darin werden drei Szenarien vorgestellt, anhand derer die Kitaleitungen beziehungsweise Träger ihren Betrieb entsprechend des Infektionsgeschehens organisieren können. Ein Wechsel zwischen den Szenarien wird landesweit durch das Sozialministerium oder regional durch das Gesundheitsamt festgelegt.

Das Szenario A bedeutet Regelbetrieb. Die Betreuungszeiten und das -personal entspricht den Vereinbarungen und Vorgaben vor Corona. Generell dürfen sich die Gruppen untereinander treffen und auch offene Konzepte angeboten sowie Gemeinschaftsräume genutzt werden. Das Betreten der Kitas durch Externe ist auf ein Minimum zu reduzieren. Ausflüge sind möglich, aber Menschenansammlung und der ÖPNV sind zu vermeiden.

Szenario B entspricht dem eingeschränkten Betrieb. Auch hier soll das Betreuungsangebot für alle Kinder ermöglicht werden, bezüglich des zeitlichen Umfangs kann es zu Einschränkungen kommen. Der Kontakt unter Gruppen und offene Konzepte sind untersagt. Jeder Gruppe wird ein Raum zugeteilt. Die Nutzung von Gemeinschaftsräumen wird zeitlich getrennt organisiert. Angestellte, die einer Risikogruppe angehören, können auf eigenen Wunsch von zu Hause aus arbeiten. Kinder, die Kontakt zu Personen haben, die einer Risikogruppe angehören, wird empfohlen zu Hause zu bleiben. Jede Gruppe soll durch zwei Personen betreut werden, dabei soll mindestens eine Fachkraft anwesend sein. Bei Personalmangel können andere geeignete Personen einspringen.

Szenario C ist die Notbetreuung. In diesem Fall wird eine Betreuung für Kinder von Erziehungsberechtigten mit systemrelevanten Berufen sowie für Härtefälle angeboten. Währenddessen soll der Kontakt zwischen Eltern, Kindern und Betreuern aufrecht erhalten werden.

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