Mündener Ansichten

Wochenmarkt in Hann. Münden im Wandel

Der Wochenmarkt Hann. Münden kam mit verhältnismäßig wenig Platz aus. Neben der Selbstversorgung aus dem eigenen Garten gab es laut Gewerbeverzeichnis des Jahres 1903 19 Bäckereien, 14 Schlachter und 29 Lebensmittelgeschäfte in der Stadt. Die Ansichtskarte des Verlags Hans Augustin stammt etwa aus dem Jahr 1905.  
Repro Stefan Schäfer
+
Der Wochenmarkt Hann. Münden kam mit verhältnismäßig wenig Platz aus. Neben der Selbstversorgung aus dem eigenen Garten gab es laut Gewerbeverzeichnis des Jahres 1903 19 Bäckereien, 14 Schlachter und 29 Lebensmittelgeschäfte in der Stadt. Die Ansichtskarte des Verlags Hans Augustin stammt etwa aus dem Jahr 1905. (Repro Stefan Schäfer)

Historische Bilder zeigen uns die Welt in der Vergangenheit. In Hann. Münden gibt es seit langer Zeit einen Wochemarkt. Dieser war für die Menschen von großer Bedeutung

Hann. Münden – Der Mündener Wochenmarkt ist aus der Mitte der Stadt kaum wegzudenken. Bei Betrachtung des Fotos, das um 1905 entstand, kommen wir vielleicht in romantisches Schwärmen. Es sind Marktfrauen zu sehen, deren Kiepen und Körbe sowie ein paar Handwagen offenbaren, dass sie die gesamte Ware zu Fuß herangetragen haben. Zumeist saisonales Gemüse und Obst aus eigenem Anbau.

Hann. Münden war auf Nahrung aus dem Umland angewiesen

Die Stadt war seit Alters her darauf angewiesen, dass Nahrung aus dem Umland eingeführt wurde. Eine ertragreiche Landwirtschaft hatte im Mündener Talkessel nie Platz. Aber zu fast jedem Haus gehörte irgendwo ein Garten oder Grabeland. Die lehmigen Aueböden waren dafür besonders geeignet. An den Hängen gedeihten Obstbäume.

Um 1900 hatte die Stadt ein halbes Jahrhundert außerordentlichen Wachstums hinter sich. Die Bevölkerung stieg von etwa 5 000 auf über 10 000 Personen an. Siedlungen, Industrieanlagen, Verkehrswege entstanden jenseits der Stadtmauern auf zuvor zur Eigenversorgung genutzten Flächen.

Hann. Münden: Bevölkerung verdoppelte sich

Eine verdoppelte Bevölkerung hatte doppelten Hunger. Warenströme vervielfachten sich. Vor allem die Eisenbahn war der Verkehrsträger, der landwirtschaftliche Gebiete, etwa Pommern, mit Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet vernetzte.

Aus einem Umkreis von etwa zehn Kilometern kamen die Marktfrauen auf den Wochenmarkt mit all dem, was sie tragen und ziehen konnten. Das hieß: Lange vor dem ersten Hahnenkrähen aufstehen, die Waren zusammenpacken und ein über zweistündiger Gepäckmarsch. Mit ein paar Brettern und Böcken, die im Packhof deponiert wurden, konnten Verkaufsstände gebaut werden.

Die Hoffnung der Marktfrauen basierte darauf, möglichst viel zu verkaufen und ein paar Groschen nach Hause zu bringen. Gegen Ende des Marktes versuchten weniger finanzkräftigere Käuferinnen oder Schnäppchenjäger ein paar Pfennige durch Handeln zu sparen.

Geschichte des Wochenmarktes in Münden: Markt war Frauensache

Der Markt war in der Regel Frauensache, der Erlös wichtig für die ganze Familie. Die Marktfrauen, die bei Wind und Wetter, mit schlechtem Schuhwerk und teilweise im Stockfinsteren, etwa aus Bühren kommend, auf der „Langen Bahn“ des Bramwaldes erst nach Gimte und dann Münden zustrebten, mögen ihr Tun kaum als idyllisch empfunden haben. Immerhin bot ein Markttag Abwechslung, sie konnten sich untereinander austauschen und so die neuesten Geschichten aus der Stadt in das Dorf bringen. Die zumeist auf kleinen und kleinsten Parzellen wirtschaftenden Landwirte sahen sich mehr und mehr dem Druck der Rentabilität ausgesetzt und gaben zunehmend auf. Modernere und ertragreichere Bewirtschaftungsmethoden waren und sind kapitalintensiv, schufen aber die Voraussetzungen für die Ernährung einer wachsenden Bevölkerung. Die Grundlagen für ein weltumspannendes Handelsnetz waren bereits angelegt und die Abhängigkeiten von Lebensmittel- und Rohstoffimporten nahmen mit dem Ausbau der Transportkapazitäten zu.

Rückbesinnung auf regionale Ware

In den Ernährungskrisen zweier Weltkriege, besonders im Ersten Weltkrieg, stieg die Bedeutung der Nahversorgung kurzfristig sprunghaft an, um in den Jahren des Wohlstandes in immer kleinere Nischen verdrängt zu werden. Eine spürbare Entfremdung zwischen Nahrungsmittelproduzenten und Verbrauchern hat stattgefunden. Zumindest in Ansätzen ist eine Trendwende erkennbar. Wer auf regionale Produkte setzt, kann diese kaufen – auch und vor allem auf dem Wochenmarkt. (Von Stefan Schäfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.