Sanierung bleibt Daueraufgabe, aber sie lohnt sich

Wohnen in Mündens Altstadt ist gefragt

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Engagiert für Altstadt: Von links Friedhelm Meyer, Burkhard Klapp und Reiner Cohrs bei der Diskussion in der Rathaushalle.

Hann. Münden.  Für die Sanierung der historischen Altstadt Hann.Mündens mit ihren mehr als 500 Gebäuden, darunter 420 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten, ist auch 50 Jahre nach ihrem Beginn kein Ende abzusehen.

Sie wird eine Daueraufgabe bleiben. Diese Einschätzung äußerte der frühere Baudirektor von Münden, Friedhelm Meyer, anlässlich des Tages der Städtebauförderung   vor rund 40 Zuhörern in der unteren Rathaushalle. Der Experte stand 21 Jahre lang an der Spitze der Bauverwaltung, 2012 ging er in den Ruhestand und auch heute noch engagiert er sich für den Erhalt der wertvollen historischen Substanz. Nach Meyers Angaben stehen von den rund 500 Gebäuden in der Altstadt nur 25 leer. „Das sind weniger als fünf Prozent.“ Positiv für Münden: In der Stadt ist Nachfrage nach Wohnraum in der Innenstadt vorhanden. Die Planungen für die Erneuerung der Altstadt liefen 1967/68 an. Allerdings unter anderen Vorzeichen: „1970 wurden noch 50 Prozent der Häuser als abrissbedürftig eingestuft“, sagte Meyer: „Es gab keinen Aufschrei.“ Vielmehr habe die Meinung geherrscht: „Weg mit dem Gelumpe.“ Doch die Stadt besann sich glücklicherweise eines Besseren. Sie wurde 1969 von der Landesregierung als „Studien- und Modellvorhaben zur Erneuerung von Städten und Dörfern“ anerkannt. Dabei ging es nicht nur um die Erhaltung von Bausubstanz und die Verbesserung der Wohnsituation mit Millionenaufwand, sondern auch um Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, mit dem Ziel, die Lebensverhältnisse nachhaltig zu verbessern. Jüngstes Beispiel ist die Uferpromenade Dielengraben, die an der Werra zum Schlendern und Ausruhen einlädt. Hann.Mündens Bürgermeister Harald Wegener lobte, es sei schon viel auf den Weg gebracht worden, aber die Stadtsanierung müsse weiter vorangetrieben werden. „Wir wollen dabei die Anlieger mitnehmen.“  

Im Mittelpunkt des Sanierungsgebiets Altstadt IV werden im öffentlichen Bereich unter anderem die Schlagden zur Aufwertung der Uferbereiche an Werra und Fulda stehen, die Lange Straße und die Marktstraße, der Schlossplatz sowie der Bereich Rathaus/Kirche stehen. 

Alle Maßnahmen stehen dabei unter dem Vorbehalt der Finanzierung, die durch die chronisch klamme Stadt alleine nicht zu leisten ist. Sorgenkind ist dabei insbesondere das historische Rathaus. „Das Sozialministerium sagt, dass das Rathaus nicht aus Städtebauförderungsmitteln bezuschusst werden kann“, sagte Reiner Cohrs, in der Stadtverwaltung für Sanierungsfragen zuständig. Das gelte auch für Kirchen. Der frühere Stadtbaudirektor Friedhelm Meyer: „Das ist bitter, aber das ist so.“

Nicht immer klappe alles, so Meyer: Über Modernisierungsgutachten seien bei acht Gebäuden insgesamt ein Investitionsbedarf von rund sechs Millionen Euro ermittelt worden. Die Eigentümer hätten sich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht zur Umsetzung einer Sanierungsmaßnahme entschließen können.

Dabei ist für Eigentümer die Sanierung ihrer denkmalgeschützten Häuser nicht nur wegen der möglichen öffentlichen Zuschüsse interessant, auch die steuerliche Abschreibung über zwölf Jahre, so Reiner Cohrs, sei attraktiv. Im Sanierungsgebiet Altstadt II beispielsweise hat etwa jeder fünfte Eigentümer diese Investitionschance genutzt mit einem Baukosten-Volumen von über 14 Millionen Euro.

Historische Altstadt bedeute auch immer, dass ohne die Denkmalpflege, in der Stadt vertreten durch Burkhard Klapp, nichts laufe. Meyer: „Es ist erstaunlich, welches Potential Fachwerkhäuser bieten, alt und neu in Einklang zu bringen mit dem Denkmal- und Brandschutz. Da ist ganz, ganz viel machbar.“ (zhp) 

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