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Wohnen wird teurer: Auch in Hann. Münden mangelt es an preiswertem Wohnraum

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Von: Clara Veiga Pinto

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Der Bauverein versucht, die aktuell hohen Nebenkosten niedrig zu halten, indem er schon früh energetisch saniert und dabei auch auf nachhaltige Rohstoffe setzt.  Hier ein Beispiel: die Pelletanlage.
Der Bauverein versucht, die aktuell hohen Nebenkosten niedrig zu halten, indem er schon früh energetisch saniert und dabei auch auf nachhaltige Rohstoffe setzt.  Hier ein Beispiel: die Pelletanlage. © Clara Pinto

Wohnen wird immer teurer. Vielerorts steigen die Mieten, und die Nebenkosten schießen in die Höhe. Auch im Altkreis leiden Mieter unter dieser Entwicklung.

Altkreis Münden – Steigende Mieten und Nebenkosten beschäftigen auch die Menschen im Altkreis Münden. „Die Wohnungsknappheit und die steigenden Mieten waren zunächst nur ein Problem der Metropolen und Universitätsstädte“, berichtet Cornelius Blessin, Vorstandsmitglied des Mietervereins Göttingen.

Mittlerweile seien aber auch das Umland und mittelgroße Städte betroffen. „Bei uns betrifft dies auch Hann. Münden und Dransfeld. Diese Entwicklung beobachten wir seit etwa fünf bis acht Jahren“, beschreibt er. Konkrete Zahlen hierzu seien nicht bekannt.

Große Unterschiede zwischen Vermietern

Bei den Mieten gebe es allerdings große Unterschiede zwischen kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Vermietern. Genossenschaftliche Vermieter seien aufgrund ihrer Satzung verpflichtet, preiswerten Wohnraum zu bieten, bei kommunalen sei es der politische Auftrag, so Blessin. Private Vermieter handeln im Gegensatz dazu meist rendite-orientiert.

„Zu beachten ist aber, dass es in Hann.Münden im Gegensatz zu Göttingen noch viele natürliche Personen als Vermieter gibt. Diese haben teils auch andere Interessen, beispielsweise ruhige Mieter oder langfristige Mietverhältnisse.“ Nicht nur bei den Mieten, sondern auch bei den Nebenkosten erwartet der Mietverein eine Steigerung.

Nebenkosten steigen weiter

„Die Kommunen erhöhen die Grundsteuer. Sie wird dann auf die Mieter umgelegt“, so Blessin. Auch bei den Heizkosten werde es Nachzahlungen geben. „Besonders betroffen sein dürften Gasheizungen.“

Moderat gestiegen seien die Mieten beim Gemeinnützigen Bauverein Münden, berichtet Geschäftsführer Jörg Wieland. Der Verein erhöhte erstmals seit drei Jahren seine Kaltmiete zum 1. Januar um 16 Cent pro Quadratmeter.

Wieland kritisiert die Wohnungsknappheit in Hann. Münden. Gerade für Ältere, Alleinerziehende und junge Menschen sei das ein großes Problem. Der Bauverein versuche, die aktuell hohen Nebenkosten niedrig zu halten, indem er schon früh energetisch saniert und dabei auch auf nachhaltige Rohstoffe setzt.

Mieten sind weniger bezahlbar

Haus & Grund, der Verband der Deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, hat mit einer Studie herausgefunden, dass Mieten im Landkreis Göttingen weniger bezahlbar wurden. Verglichen wurden die Bruttolöhne von Vollzeitbeschäftigten, für den Zeitraum 2015 bis 2020, sowie die Nettokaltmieten. Heraus kam, dass ein durchschnittlicher Beschäftigter im Landkreis für die gleiche Wohnung im Jahr 2020 einen höheren Anteil des Lohns aufwenden musste als 2015.

Günstig für die Mieter: Bauverein-Wohnungen wurden energetisch saniert

Nicht nur nachhaltig, sondern vergleichsweise preiswert ist ein Konzept des Gemeinnützigen Bauvereins Hann. Münden. Schon früh sanierte er seine Wohnungen energetisch. Das macht sich jetzt bezahlt: Die Mieter müssen keine stark gestiegenen Heizkosten verkraften.

Am Wiershäuser Weg in Hann. Münden, wo der Bauverein einige Immobilien hat, werden 50 Wohnungen in drei Gebäuden mithilfe von drei Energiequellen versorgt. Solarthermie, Holzpellets und Gas werden zur Wärmeerzeugung und fürs Warmwasser kombiniert.

Erzeugt wird die Energie im und auf dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Bauvereins in der Wiershäuser Straße. Auf dem Dach befinden sich Röhrenkollektoren. Sie fangen die Sonnenstrahlen ein, erwärmen Wasser und versorgen die 50 Wohnungen, so lange es geht. Im Winter oder an dunklen Tagen reicht die Solarthermie allerdings nicht aus.

Solarenergie, Holzpelletanlage und Gasbrennwertkessel

Deswegen gibt es noch eine zweite Energiequelle: die Holzpelletanlage. Der Vorteil: Pellets sind gegenüber Öl und Gas vergleichsweise preiswert und ein verlässlicher Energieträger mit hoher Verfügbarkeit.

„In den Pelletspeicher gehen 22 Tonnen Holzpellets. Er wird zwei bis dreimal im Jahr aufgefüllt“, erklärt der Planer und zuständige Ingenieur Karl Emde. Mit seiner Firma Innovatec begleitet er das Projekt nun seit 18 Jahren.

Im Pelletspeicher befördert die Förderschnecke die Pellets in den Fallschacht und damit in den Brenner. Dabei verhindert die Rückbrandklappe, dass Flammen ins Pelletlager geraten und ein Feuer entsteht. Der Kessel wird automatisch mit Pellets versorgt. Anschließend wird der Brennstoff auf einem Rost bei circa 300 Grad verbrannt. „Die Anlage kann sowohl mit Pellets, als auch mit Holzhackschnitzeln bestückt werden“, sagt Emde.

Der Pelletspeicher ist aktuell fast leer. Er wird zwei bis dreimal im Jahr aufgefüllt.
Der Pelletspeicher ist aktuell fast leer. Er wird zwei bis dreimal im Jahr aufgefüllt. © Clara Pinto

Erst wenn die Solarthermie und der Holzpelletkessel die notwendige Energie nicht mehr erzeugen können, kommt die dritte Energiequelle ins Spiel. Der Gasbrennwertkessel produziert dann die restliche notwendige Wärme. Würde eine der Energiequellen ausfallen, würde die Anlage trotzdem mit 80 Prozent weiterlaufen. „Das ist dann aber kaum spürbar für die Mieter“, betont Ingenieur Emde.

Das System war der Abschluss eines bundesweiten Forschungsprojekts: Solarthermie 2000 plus. Zahlreiche Partner waren an Entwicklung und Bau beteiligt.

Vorteil für Mieter: wirtschaftliches Wohnen

„Der Bauverein hatte damals schon Vertrauen in die Innovation. Das, was wir vor 18 Jahren angefangen haben, hat sich als moderne und machbare Lösung herausgestellt“, sagt Emde. Der Vorteil für die Mieter sei groß. „Zuvor hatte jede Partei seine eigene Gasanlage. Da fielen Schornsteinfegerkosten, Reparaturen und Gasleitungsprüfungen an.“

Auf lange Sicht führe dieses Projekt zu einem wirtschaftlicheren Wohnen. Das liege auch daran, dass der Bauverein seine Wohnungen „ganzheitlich saniert“ hat. Fenster und Wärmedämmungen wurden erneuert. „87 Prozent des Gesamtbestandes unserer Wohnungen wurden komplett saniert und modernisiert“, betont Bauverein-Geschäftsführer Jörg Wieland. (Clara Pinto)

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