Beim Bau ist großes Improvisationstalent nötig

Wohnungen für den „fliegenden Edelstein" im Altkreis Münden

Geschickter Fischer: Der Eisvogel stürzt sich kopfüber ins Wasser, wenn er einen Fisch erspäht hat. Foto: Nabu/Mahlke/nh

Altkreis Münden. Der Eisvogel, auch „fliegender Edelstein“ genannt, ist sehr selten. Im Altkreis Münden sind nur fünf Paare bekannt. Naturschützer bauen nun Nisthilfen.

Er ist deutlich kleiner als eine Amsel, farbenfroh und wirkt beinahe exotisch: der Eisvogel. Auch, wenn er im Landkreis Göttingen nur selten zu beobachten ist, wurden dort in den vergangenen Jahren immerhin 20 Brutpaare gezählt - fünf davon im Altkreis Münden an der Schede und an der Nieme.

Mit großem Aufwand versucht die Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) der Samtgemeinde Dransfeld nun, die Lebensbedingungen des Eisvogels durch den Bau von Nisthilfen zu verbessern.

Bereit für den Einzug des Vogels: Nabu-Vorsitzender Dr. Jürgen Endres an einer Nistwand für den Eisvogel. Foto: Schröter

„Wenngleich der Aufwand immens und im Vergleich zu Schutzmaßnahmen für andere Vogelarten um ein Vielfaches höher ist, versuchen wir, der weithin verbreiteten Wohnungsnot des Eisvogels gezielt entgegenzuwirken“, sagt der Nabu-Vorsitzende Dr. Jürgen Endres. Nachdem an der Papiermühle bei Eberhausen bereits im Sommer 2012 ein erster Prototyp angefertigt wurde, entsteht derzeit ebenfalls an der Auschnippe zwischen Eberhausen und Adelebsen eine zweite Eisvogelnistwand. „Dabei ist von den vielen ehrenamtlichen Helfern großes Organisations- und Improvisationstalent gefragt, da ein Großteil des Materials aus der Natur selbst beschafft werden muss“, so Endres.

Das reiche von Baumstämmen, die als massives Fundament für den fast mannshohen Nistwandkomplex dienen, bis zu einem geeigneten Bodensubstrat, mit dem die Rahmenkonstruktion ausgefüllt wird und in das der Eisvogel seine Nisthöhle und den etwa einen Meter langen Zugang hinein grabe.

„Dieses Substrat muss einerseits fein und weich genug sein, dass sich der Vogel eingraben kann, zum anderen aber auch ein hohes Maß an Formstabilität aufweisen, damit die Nisthöhle später nicht wie eine trockene Sandburg in sich zusammenfällt oder durch Trockenrisse Regenwasser ins Nest eindringen kann“, sagt Endres.

Die Lösung hierfür fand sich auf der Baustelle des ersten Hochwasserrückhaltebeckens bei Varlosen, für dessen Verwirklichung der Nabu vereinseigene Grundstücke zur Verfügung gestellt hatte. „Dort wurden größere Mengen an Lössboden bewegt, der dem gesuchten Ideal relativ nahe kam“, so Endres.

Auch, wenn bislang im dem bereits fertigen Nistkasten an der Papiermühle noch kein Eisvogel gebrütet habe, bleibe er guter Dinge. „Manchmal braucht es einfach einige Zeit, bis solche Projekte von Erfolg gekrönt werden“, sagt Endres.

Von Per Schröter

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