Schätze im Museum

Wundersame Mischwesen: Der Wolpertinger bei Dr. Wolf in Hann. Münden

Fabelwesen: Die Wolpertinger sind Mischwesen, wie auf dem Bild. Ein Hase, der ein Geweih trägt. Ihr Ursprung soll im Schwarzwald liegen.
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Fabelwesen: Die Wolpertinger sind Mischwesen, wie auf dem Bild. Ein Hase, der ein Geweih trägt. Ihr Ursprung soll im Schwarzwald liegen.

Ein Wolpertinger ist ein Mischwesen. Diese Sagengestalten stammen angeblich aus dem Schwarzwald. Einer hat seinen Platz in Hann. Münden gefunden, in Dr. Wolfs Wunderkammer.

Hann. Münden – In Dr. Wolfs Wunderkammer in den „Denkräumen für Kulturgeschichte(n)“ in Hann. Münden darf die künstlerische Darstellung eines Wolfes natürlich nicht fehlen.

Das Museum in der Radbrunnenstraße 17 im Stil einer Wunderkammer zeigt darüber hinaus ein Exponat, das Rätsel aufgibt. Der präparierte Feldhase scheint echt zu sein, trägt jedoch ein kleines Geweih. „Das sorgt für Gesprächsstoff“, erläutert Sarah Wolf, die das Museum mit ihrem Mann Daniel R. Wolf führt. „Der Hase stammt aus der ehemaligen DDR und wurde als schulisches Lehrmittel eingesetzt. Heute sind solche Tierpräparate meist aus dem Unterricht verschwunden, sie wurden entsorgt oder verstauben im Keller“, sagt sie.

Ein Hase mit einem Geweih in Hann. Münden

„Das Geweih hat der Feldhase erst bei uns erhalten. Im Rahmen der Forschungsarbeit bezüglich seiner Dissertation ist mein Mann in den Inventaren der landgräflichen Sammlungen in Kassel auf Nachweise gehörnter Hasenschädel gestoßen, die dort bis ins 18. Jahrhundert noch als authentisch geführt wurden. Neben historischen Abbildungen hat uns dies zu unserem eigenen gehörnten Hasen inspiriert, der dann in unserer Museumswerkstatt entstanden ist“, berichtet Sarah Wolf. „Woher die Überzeugung, es gäbe geweihbewehrte Hasen, ursprünglich stammt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen“, ergänzt Daniel R. Wolf. „Eine Vermutung gibt es jedoch: 1932 wurde ein Virus nachgewiesen, das bei Tieren die Entstehung hornartiger Auswüchse zur Folge hat. Wenn diese in der Nähe der Ohren wachsen, haben sie tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Geweih. Bei Sichtung betroffener Tiere konnte man daher auf die Idee kommen, es handele sich um eine seltene natürlich vorkommende Tierart.“

Der Hase, der in der Wunderkammer zu sehen ist, trägt das Geweih eines Rehbocks und ist dadurch ein Mischwesen, das auch als Wolpertinger bekannt ist. Wolpertinger sind Wesen aus verschiedenen Tieren, die seit dem 19. Jahrhundert von kreativen Präparatoren geschaffen wurden. Wahrscheinlich geht ihr Name auf die Ortschaften Wolterdingen und Wolpadingen im Schwarzwald zurück.

Auch in der Literatur tauchten die Wolpertinger auf

Ein Wolpertinger kann ein Biber oder ein Hase sein, der Hörner, Flügel und Entenfüße hat. Es gibt aber auch Eichhörnchen mit Entenschnäbeln.

Solche Mischwesen tauchen sogar in der Literatur auf: Der bayerische Heimatschriftsteller Ludwig Ganghofer (1855 - 1920) hat beispielsweise über eine „Hirschbockbirkfuchsauergams“ geschrieben. Das kleine Museum in Hann. Mündens Innenstadt, das aufgrund des allgemeinen Lockdowns derzeit geschlossen ist, kann durch einen Gutscheinkauf für Führungen oder die Mitgliedschaft beim Trägerverein unterstützt werden. Der neue Museums-Kalender und zahlreiche Exponate können über den Online-Museumsshop erworben werden. (Bettina Winecke)

Kontakt

Dr. Wolfs Wunderkammer in den Denkräumen für Kulturgeschichte(n), Radbrunnenstraße 17 (Ecke Ziegelstraße) in Hann. Münden, Tel. 0 15 90 / 8 30 63 66 und dr-wolfs-wunderkammer.de/corona-hilfe

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