Olympia

Zeitzeugin aus Hann. Münden: Olympia-Ergebnisse 1964 aus Tokio am Telefon

Die Erdfunkanlage in Raisting bei Müchen im Sommer 2018.
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Die Erdfunkanlage in Raisting im Sommer 2018. Solche Anlagen ermöglichten die interkontinentale Übertragung von Fernsehsignalen und machten langsam aber sicher Telefonansagen überflüssig.

1964 fanden die Olympischen-Spiele in Tokio statt. Die Ergebnisse konnte man bei der Bundespost via Telefon abrufen. Eine Zeitzeugin aus Hann. Münden erinnert sich.

Hann. Münden/Göttingen – Die Olympischen Sommerspiele in Japan haben begonnen. Seit dem 23. Juli treten Athleten aus aller Welt gegeneinander an. Wie die einzelnen Wettbewerbe ausgegangen sind, bekommt man heute in Echtzeit mitgeteilt. Über das Internet, auf Smartphone und Laptop. 1964, zu den damaligen Spielen in Tokio, sah es ganz anders aus.

1964: Ergebnisse wurden von Frau aus Hann. Münden eingesprochen

Wer das Sportereignis nicht im Fernsehen oder per Radioübertragung verfolgen konnten, konnte sich über eine Telefonansage die Ergebnisse durchsagen lassen.

Christiane Statkus aus Hann. Münden auf einem Bild aus dem Oktober 1964 bei der Arbeit in Göttingen. (Repro)

Eine Zeitzeugin und damalige Mitarbeiterin der Bundespost ist Christiane Statkus, geborene Schenck, aus Hann. Münden. Sie arbeitete 1964 bei der Verstärkerstelle des Fernemeldeamts, die sich im Postamt am Bahnhof in Göttingen befand. Dort wurden die Ergebnisse vier Mal täglich aktualisiert durchgegeben. Unter der Nummer 11 66 und 0 11 66, für Leute außerhalb des Göttinger Ortsnetzes, erreichte man die Hotline. Zusammen mit ihrer Kollegin Waltraud Haufe empfing Christiane Statkus die Nachrichten per Fernschreiber aus der zentralen Nachrichtensammelstelle der Bundespost in Hamburg, dem Funkamt. Die beiden Frauen sprachen die Ergebnisse dann ein, diese wurden auf wiederbeschreibbaren Magnetplatten gespeichert. Diese nannte man scherzhaft „Eiserne Minna“ oder auch „Eiserne Jungfrau“.

Weitere Telefonansagen: Börsenkurse, Theaterspielpläne, das Kinoprogramm und das Wetter

Christiane Statkus aus Hann. Münden im Jahr 2021.

Die Stimme von Frauen soll besser geeignet gewesen sein für die Ansagen, sagt Christiane Statkus’ Mann Rudolf, der ebenfalls bei der Bundespost arbeitete. „Wir wurden etwa ein viertel Jahr lang ausgebildet, technisch und sprachlich“, berichtet Christiane Statkus. Täglich, vom 10. bis zum 24. Oktober 1964, wurden die Ansagen um 7.30, 10, 13 und 17 Uhr erneuert. Sie kamen vom Sportinformationsdienst in Düsseldorf.

Dort kamen sie via Funk aus der japanischen Hauptstadt Tokio an. Sie habe noch zahlreiche andere Aufgaben in der Verstärkerstelle gehabt, berichtet Statkus. „Das Einsprechen nahm nur ein paar Stunden pro Tag in Anspruch.“ Neben den Ergebnissen der Olympischen Wettbewerben gab es weitere Ansagedienste über die „Eiserne Minna“. Dazu gehörten Börsenkurse, Theaterspielpläne, das Kinoprogramm und das Wetter.

Neue Technik machte die Telefonsagen dann überflüssig

Telefonische Infos: Auch die HNA bot 1964 eine Hotline an. Dort konnten Sportinteressierte die Ergebnisse abrufen. (Repro)

Auch eine Zeitansage gab es. Die Bundespost ließ sich diesen Service natürlich bezahlen, die Anrufer bezahlten die Gebühr eines Ortsgesprächs. Anhand von Zählern konnten die Mitarbeiter in Göttingen sehen, wie viele Anrufer es gab. An eine genaue Zahl kann sich Christiane Statkus nicht erinnern, aber „es waren viele“. Für die Bundespost sei es ein „wirtschaftlicher Faktor“ gewesen. Nicht jeder hatte einen Fernseher zu Hause, um die Spiele zu verfolgen. „Die Leute standen vor den Schaufenstern der Elektrofachhändler und schauten die Wettbewerbe“, sagt Rudolf Statkus. Auch die Mündener Allgemeine berichtete täglich mit Sonderseiten über die Spiele. Es wurde eine Hotline geschaltet, diese wurde in der gedruckten Zeitung beworben. Von 7 bis 18 Uhr war die Hotline unter 1 68 27 und 1 68 37 erreichbar.

Eine weitere Besonderheit der Sommerspiele in Tokio stellte die erste interkontinentale Fernsehübertragung dar, die durch den Nachrichtensatellit Syncom 3 und die Erdfunkstelle der Bundespost in Raisting bei München möglich wurde. Nach und nach verdrängte der Fernsehapparat die telefonischen Nachrichten. (Jens Döll)

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