„Oberweser hochstufen“

Ziel: Renaturierung der Weser im Einklang mit wirtschaflicher Nutzung

+
Die Schifffahrt soll im Einklang mit der Renaturierung des Flusses stehen. 

Die Hann. Mündener Stadtverwaltung macht sich dafür stark, dass das Bundesprogramm „Blaues Band“ zur Renaturierung der Flüsse in Einklang mit der Passagier- und Güterschifffahrt in der Region umgesetzt wird.

Diese Forderung unterscheidet sich von den Zielen der Anrainer im Bereich Oberweser – dort will man Naturtourismus statt Schifffahrt.

Aufgrund der Klassifizierung als „Wasserstraße außerhalb des Kernnetzes“ genieße die Oberweser „im günstigsten Fall lediglich Instandhaltung nach Status Quo“, teilt Bürgermeister Harald Wegener mit. Die Edertalsperre solle den Pegel während der Schifffahrtssaison auf über 1,20 Meter halten – in den letzten Jahren mussten die Linienfahrten mangels Wasser aber im Spätsommer eingestellt werden.

Die aktuell bestehenden Rahmenbedingungen seien aber eine Gefahr. „Sie gefährden sowohl die Existenz einer Fahrgastschifffahrt, die nicht mehr planbar ist, als auch die der Kiesbauunternehmen, die bis 2040 zur landesweiten Bedarfsdeckung von Sand und Kies beitragen sollen“, so der Bürgermeister.

Die Oberweser sei aber mehr als eine Nebenwasserstraße oder ein Renaturierungsprojekt. Sie ziehe als Attraktion Tagestouristen und Reisegruppen an, die die Übernachtungszahlen steigen lassen. Damit sei die Weser ein Wirtschaftsfaktor, sagt Wegener – „für uns sogar ein existenzieller.“

Bürgermeister Harald Wegener

Bürgermeister Harald Wegener betont die Notwendigkeit, die Oberweser in die Bundeswasserstraßenkategorie C hochzustufen, um die Passagier- und Güterschifffahrt auf der Oberweser sicherzustellen und die touristische Wertschätzung in der Urlaubsregion an den drei Flüssen nicht zu gefährden.

Dafür sei es erforderlich, dass auch bei Niedrigwasser ausreichend Wasser in der Fahrrinne verfügbar ist. Gegebenenfalls ist es dafür auch notwendig, die Fahrrinne in Engpassbereichen zu vertiefen „und zumindest temporär vermehrt Wasser im Edersee vorzuhalten und bei Bedarf in die Eder/Fulda/Weser abzugeben“, betont Bürgermeister Harald Wegener gegenüber der HNA.

Das Projekt „Blaues Band“

In Mitteleuropa gehören natürliche Flussniederungen zu den artenreichsten Lebensräumen. Allerdings sind sie stark gefährdet. Die Bundesregierung will mit ihrem Programm „Blaues Band Deutschland“ die Renaturierung von Fließgewässern und Auen in Deutschland fördern. Vor allem Flüsse, auf denen kaum noch Güterverkehr stattfindet, sollen mit dem Programm ökologisch entwickelt und gleichzeitig für Freizeit und Erholung aufgewertet werden.

„Weseranrainer müssen im Gespräch bleiben“

Harald Wegener ist es wichtig, bei der Konzeption von Renaturierungsmaßnahmen etwa durch eine Reaktivierung von Altarmen oder einer Wiedervernässung ehemaliger Auenbereichen sicherzustellen, dass bei Niedrigwasserzeiten das Wasser in der Weser vorrangig in der Fahrrinne verbleibt. 

„Hier wird empfohlen die Renaturierungsmaßnahmen so auszugestalten, dass die wechselfeuchten Flussbereiche nur einer temporären Zuleitung von Weserwasser bedürfen“, so Wegener. Ebenso wichtig sei es mit Blick auf die Starkregenereignisse in den zurückliegenden Jahren den Hochwasserschutz für die ufernahe Besiedlung im Auge zu haben, denn bei Hochwasser ist die Aufgabe/Funktion der ehemaligen Altarme/Auenbereiche eine Schutzfunktion. „In diesen Fällen müssten die Vorländer der Weser verstärkt als Retentionsraum ertüchtigt werden, das heißt, die Renaturierungsmaßnahmen sollten so ausgebildet werden, dass die Altarme/Auenbereiche das Hochwasser besser abpuffern können.“ 

Die Stadt Hann. Münden befürworte die Ziele im Programm „Blaues Band“. Diese sind für Hann.Münden unbedenklich in der Umsetzung, wenn Renaturierungmaßnahmen an den Zuflüssen der Weser durchgeführt werden. Beispiele seien der Weserzufluss der Nieme in Bursfelde und die Ballertasche als Rückzugsgebiet der Gelbbauchunke. 

Wichtig ist, so die Meinung von Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener, dass eine Vereinbarkeit der vielfältigen Interessen der Weseranrainer in drei Bundesländern im Gespräch ist und bleibt. „Dazu gehören die Bereiche Naherholung, Befahrbarkeit der Oberweser zu jeder Jahreszeit für Frachtschifffahrt und Personenschifffahrt, Freizeitmöglichkeiten auf und entlang der Oberweser, verbunden mit einer Förderung des Fremdenverkehrs und der Kultur unter Berücksichtigung der Ökologie und des Landschaftsbildes.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.