500 mal Ja zur Artenvielfalt

Zwischenbilanz zum Volksbegehren im Altkreis Münden

Ein Waldweg im Naturpark Münden
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Volksbegehren fordert Vorrang für Natur- und Klimaschutz in den landeseigenen Wäldern, wie hier im Naturpark Münden

Im Raum Hann. Münden haben bisher rund 500 Menschen das Volksbegehren „Artenvielfalt“ unterschrieben. Diese Zwischenbilanz zogen jetzt Stefan Schäfer, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Altkreis Münden, und Hartmut Teichmann, Vorstandsmitglied der Mündener Grünen und Mündener Ratsherr, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Grüne und Nabu hatten zusammen mit anderen Gruppen, die sich für den Klima- und Umweltschutz engagieren, wie die Initiative „Münden blüht und summt“ und die Mündener Ortsgruppen von Fridays for Future und Extinction Rebellion, die Unterschriften bei Aktionen in der Mündener Innenstadt gesammelt. Die 500 seien ein erster Schritt, so Schäfer. Weitere Aktionen sollen folgen.

Mit dem Volksbegehren, das außer von den Grünen in Niedersachsen und dem Nabu Niedersachsen nach eigenen Angaben von einem Bündnis von rund 200 Vereinen, Aktionsgruppen und öffentlichen Personen getragen wird, wollen die Initiatoren „die Vielfalt der Natur und ihrer Arten in Niedersachsen erhalten und besser schützen.“ Mit ihrem Gesetzentwurf wollen sie Änderungen im „Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz“, im „Niedersächsischen Wassergesetz“ und im „Niedersächsischen Waldgesetz“ erreichen.

Seit Anfang Juni läuft die Unterschriftenaktion. Für einen ersten Schritt bis zur offiziellen Anmeldung des Volksbegehrens seien rund 25 000 Unterschriften in sechs Monaten erforderlich, heißt es auf der Homepage. 610 000 Unterschriften seien nötig, damit das Volksbegehren Erfolg habe „und der Landtag über das Gesetz für mehr Tier- und Pflanzenschutz in Niedersachsen entscheiden muss.“ Niedersachsen hinke beim Umwelt- und Naturschutz hinter Europa hinterher, sagt Schäfer. Das sei besorgniserregend. Da müsse das Land aufholen. Es gebe einen massiven Verlust an Arten. „Die Zeichen des Handelns waren schon vor Jahrzehnten bekannt und treten nach zwei Hitzesommern und den Warnzeichen des Klimawandels immer deutlicher zutage.“

Das Volksbegehren diene dabei als Druckmacher. Zudem sieht er einen Nachholbedarf im Bewusstsein vieler Menschen. Es gebe viel zu wenige, die sich mit dem Artenschutz auseinandersetzen. Ziel sei es zudem, partnerschaftlich mit der Forst- und Landwirtschaft zusammenzuarbeiten.

Zur Kritik von Jens Wesemann, Vorsitzender der Realgemeinde Mielenhausen und Mitglied im Forstbeirat des Forstamtes Münden, im Gespräch mit unserer Zeitung, dass nach dem neuen Gesetzentwurf nur noch standortgerechte in Europa heimische Baumarten finanziell gefördert würden, obwohl viele der heimischen Bäume gefährdet seien, sagt Schäfer: „Herr Wesemann hat Recht, dass der Abwägungsprozess für den Wald der Zukunft ein sehr schwerer ist. In der Zukunftsprognose soll nach Ansicht des Naturschutzes der Anbau hier heimischer Arten gefördert werden, statt einen Waldumbau beispielsweise mit Douglasie, Küstentanne oder Roteiche voranzutreiben. Nichtförderung bedeutet nicht Verbot des Waldumbaus mit Baumarten anderer Kontinente, sondern vielmehr die Schwerpunktsetzung auf den Erhalt der heimischen Flora und Fauna.“

Wesemanns Aussage, dass im Gesetzentwurf festgehalten sei, dass bei Bäumen mit schützenswerten seltenen Flechten kein forstliches Fachpersonal bei der Überwachung und Fällgenehmigung mehr eingesetzt werde solle, sondern Umweltverbände und Naturschutzorganisationen das übernehmen sollten, beruhe auf einem Missverständnis. Das sei nicht Gegenstand des Gesetzentwurfes, so Schäfer.

Mehr Infos unter www.artenvielfalt-niedersachsen.jetzt

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