Hann. Münden: Schornsteinfeger Henning Meyer übergibt Unternehmen an Nachfolger Tobias Schäfer

39 Jahre auf den Dächern Mündens

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Abschied nach 39 Jahren: Schornsteinfeger Henning Meyer (rechts) übergibt symbolisch den Besen an Tobias Schäfer, seinen Nachfolger.

„Wenn mir jemand über die Schulter spucken will, das mag ich nicht“, erzählt Schornsteinfegermeister Henning Meyer. An die anderen glücksbringenden Bräuche wie den Kaminfeger berühren oder an den Knöpfen seiner Jacke zu drehen, hat er sich im Laufe seiner 39 Arbeitsjahre gewöhnt und freut sich, wenn er fröhlichen Menschen vermeintlich Glück bringen kann.

Doch damit ist nun Schluss, denn seit dem 1. März  ist der  60-Jährige aus dem Berufsleben ausgeschieden und übergibt das Unternehmen an seinen Nachfolger Tobias Schäfer (33).

Vor 90 Jahren hat Großvater Wilhelm Meyer den Betrieb gegründet, später trat sein Vater Günther Meyer die Firma und dann übernahm Henning Meyer, auf Umwegen, das Familienunternehmen in dritter Generation. Bevor er auf die Dächer stieg, hatte Henning Meyer eine Ausbildung in der Stadtverwaltung absolviert, dann aber festgestellt, dass ihm die Büroarbeit doch nicht so sehr liegt.

Nach der Bundeswehrzeit hat er vor 37 Jahren seine Ausbildung im elterlichen Unternehmen begonnen. „Mein Vater hat sich natürlich gefreut, als ich in seine Fußstapfen trat“, berichtet Meyer. „Aber trotzdem er hat meine Berufswünsche immer respektiert.“ Im Laufe der Jahre haben sich die Arbeiten des Schornsteinfegers verändert. Heute sind es noch 25 Prozent Kehrarbeiten und 75 Prozent im Bereich Messungen. „Früher bin ich mit einem großen Messkoffer losgezogen, heute mit Messgerät in Handygröße“, berichtet der Schornsteinfegermeister. „Mein Großvater war lediglich mit einem Kehrbuch in Vokabelheftgröße ausgestattet, ich habe jetzt 180 Kilogramm Akten entsorgt.“

Als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger (bis Ende 2012: Bezirksschornsteinfegermeister) hatte Meyer als eigenständiger Unternehmer in dem ihm anvertrauten Kehrbezirk hoheitliche Tätigkeiten auszuführen wie Feuerstättenschau und die Überprüfung von neu errichteten oder geänderten Feuerstätten. Das Kehren und die Messungen sind gesetzliche Aufgaben, gehören aber in den handwerklichen Bereich, und die Kunden können die Vergabe dieser Aufträge selber entscheiden.

Auch das Arbeiten auf dem Dach ist durch moderne Gerätschaften weniger geworden. „Mein Großvater ist größtenteils barfuß auf dem Dach gelaufen, mit der Begründung, er hätte mehr Kontakt zur Fläche“, erinnert sich Henning Meyer. „Heute ist das nicht mehr vorstellbar.“

Doch nun muss sich der Glücksbringer nur noch mit seiner Freizeitplanung auseinandersetzen. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin wird er sich dem Wassersport widmen und längere Aufenthalte in Portugal, das für ihn wie eine zweite Heimat ist, genießen.

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