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Raum Hann. Münden: Erhöhte Waldbrandgefahr durch Klimawandel und Pandemie

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Waldbrände, wie hier in Bühren, werden bei der derzeitigen Trockenheit wahrscheinlicher. Die Feuerwehren versuchen, sich darauf einzustellen. Archi
Waldbrände, wie hier in Bühren, werden bei der derzeitigen Trockenheit wahrscheinlicher. Die Feuerwehren versuchen, sich darauf einzustellen. Archi © Feuerwehr Dransfeld/nh

Erhöhte Waldbrandgefahr durch Klimawandel und Pandemie. Das gilt auch für den Altkreis Münden. Hauptverursacher von Waldbränden sei immer der Mensch, so die Feuerwehren.

Altkreis Münden – Die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen Deutschlands und somit auch in Niedersachsen hochgestuft worden. Immer häufiger brennen auch Wald- und Freiflächen im Altkreis Münden. Die hiesigen Feuerwehren sind zwar vorbereitet, aber zunehmend besorgt: „Es ist eine angespannte Situation und wir könnten mal wieder Regen gebrauchen“, sagt Dieter Röthig, Stadtbrandmeister in Hann. Münden.

Hann. Münden: Tanklöschfahrzeug und Wasserbehälter vorhanden

Tanklöschfahrzeuge sind in Hedemünden, Hemeln und Münden vorhanden, sodass die Feuerwehren „jederzeit gut aufgestellt sind“. Zusätzlich bekam das Technische Hilfswerk durch eine Spende der VR-Bank einen 5000-Liter Wassertank, als Unterstützung der Feuerwehren. Grob überschlagen stehen zu jeder Zeit etwa 25 000 Liter Wasser bereit, schätzt Dieter Röthig. Dafür sei aber auch die Hilfe von Landwirten nötig, die zusätzliche Tanks zur Verfügung stellen.

Vor allem das bergige Gelände in Hann. Münden, die Trockenheit und der Wind erschweren die Eindämmung von Bränden. „Angst macht das schon“, sagt Röthig. „Es ist eine spannende Zeit. Es könnte große Herausforderungen geben, aber wir sind gut ausgestattet und vorbereitet.“ Die Feuerwehren führen regelmäßig Übungen durch und sind zusätzlich mit Waldbrand-Rucksäcken, die bis zu 25 Liter Wasser beinhalten, ausgestattet. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Forstämtern sei besonders wichtig. Aber auch die Bevölkerung „muss ein wachsames Auge haben“: Jeder könne dazu beitragen, dass keine Waldbrände entstehen, so Röthig. Die Eigenverantwortung sei groß, denn die Feuerwehren könnten nicht alles abdecken.

„Unser Wald ist der größte Luftreiniger. Wenn wir den verlieren, ist das eine ökologische Katastrophe.“ Vier gemeldete Freiflächenbrände gab es bis jetzt, zu denen die Hann. Mündener Feuerwehr ausrücken musste. „Einen Waldbrand gab es zum Glück noch nicht, aber die Brandstifter, die die Holzstapel angezündet haben, haben uns genug in Atem gehalten“, sagt Dieter Röthig.

Raum Hann. Münden: Wald ist immer noch zu trocken

In ganz Deutschland hat es vielerorts in den vergangenen Monaten schon oft gebrannt. So auch in Niedersachsen und im Altkreis Münden. Hohe Temperaturen, wenig Regen und viel Wind begünstigen die Waldbrandgefahr und lassen Pflanzen verbrennen.

Plakat zum Thema Waldbrandgefahr in Hann. Münden von der Feuerwehr am Historischen Rathaus.
Plakat zum Thema Waldbrandgefahr in Hann. Münden von der Feuerwehr am Historischen Rathaus. © Jens Döll

„Es ist wenig grün im Moment – ein Zeichen, das Wasser fehlt“, sagt auch Michael Rudolph, Regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Die Zahl der Waldbrände in der Region habe in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen.

Besonders betroffen seien dabei Parkplätze, Waldeingänge und Böschungsränder – dort werden vermehrt Zigaretten auf den Boden geworfen oder Autos mit heißen Katalysatoren über trockenem Gras abgestellt. „Die vielen Waldbrände haben einerseits mit dem Klimawandel und den damit verbundenen hohen Temperaturen und heftigem Wind zu tun, andererseits sind die Brände auch eine Folge der Coronabeschränkungen“, sagt Michael Rudolph.

Es gebe eine höhere Besucherdichte in Wald und Feld, weil die Menschen während der Einschränkungen vermehrt in die Natur gingen und zum Beispiel unerlaubterweise grillen oder ein Feuer machen. So sind insbesondere die Menschen Schuld an brennenden Wäldern und nicht die Glasscherbe oder ein Blitzeinschlag.

Oft sind auch Brandstifter ein Grund, warum die Feuerwehren ausrücken müssen – doch nicht immer können die Ursachen eines Brandes nachgewiesen werden. „Wir haben einen bedenklich kritischen Zustand im Wald“, sagt Rudolph. „In den vergangenen Jahren hat uns das zunehmend beschäftigt und wird uns auch weiter beschäftigen.“

Landkreis Göttingen: „Ich sehe es aber noch schlimmer kommen“

Mittlerweile sei schon im März oft die Warnstufe 3 erreicht, weil der Winter nicht nass genug gewesen war. Ein zusätzliches Problem: Die Brände werden immer großflächiger und das vollständige Löschen dauert somit länger. Besonders der Wind lässt zu, dass sich ein Feuer schnell verbreitet.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Forstämtern und Rettungskräften ist dabei besonders wichtig: „Die Forstämter vor Ort sind kundige Ansprechpartner für die Rettungskräfte und helfen bei Anfahrtswegen oder den Standorten der Löschwasserentnahmestellen“, so Rudolph. Ortsunkenntnisse können zu Unfällen führen, deswegen gibt es zuständige Waldbrandbeauftragte.

Oliver Glaschke ist der hiesige Kreiswaldbrandbeauftragte. Er ist zuständig für den Kreis Göttingen. Derzeit sei die Waldbrandgefahr noch im mittleren Bereich, sagt er. Trotz der hohen Temperaturen sei die Luftfeuchtigkeit noch relativ hoch und ab und zu gebe es Regen. „Ich sehe es aber noch schlimmer kommen“, sagt Oliver Glaschke. 95 Prozent der Brände seien von Menschen gemacht.

Borkenkäfer zerstört die Bäume

Die Sommer der vergangenen Jahre begünstigten zusätzlich die Ausbreitung des Borkenkäfers, und auch der Sturm brachte viele Bäume zum Umfallen. Dadurch gebe es nun viele Freiflächen, an die die Sonne nun schneller und stärker herankommt. „Die Flächen werden zwar alle mit neuen Mischwäldern bepflanzt, weil diese durch mehrere Schichten weniger Sonnenlicht an den Boden lassen und damit das Waldbrandrisiko vermindern, aber bis die so groß sind, dass sie Schutz bieten, dauert es noch ein paar Jahre.“  (Kira Müller)

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