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Zehn Jahre Chorleiterin in Scheden: „Musik ist die Sprache der Seele“

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Von: Kira Müller

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Figur als Glücksbringer: Den Dirigenten bekam Jutta-Elisabeth Stahlmann für den Chor als Glücksbringer von ihrer Vorgängerin Margot Wellhausen geschenkt.
Figur als Glücksbringer: Den Dirigenten bekam Jutta-Elisabeth Stahlmann für den Chor als Glücksbringer von ihrer Vorgängerin Margot Wellhausen geschenkt. © Kira Müller

Jutta-Elisabeth Stahlmann feiert ein Fest: 10 Jahre Chorleiterin in Scheden. „Singen ist gesund und Musik verbindet“, sagt sie dazu. 2013 gründete die Chorleiterin den Kinderkirchenchor (KiKi-Chor).

Hann. Münden – „Singen ist gesund und Musik verbindet.“ Das sagt Jutta-Elisabeth Stahlmann, die ihr 10-jähriges Jubiläum als Chorleiterin des Frauenkirchenchores Scheden feiert. Gegründet wurde der Chor bereits 1954, zeitweise haben wohl auch Männer mitgesungen, und seit 2012 leitet nun Stahlmann die Schedener Sängerinnen.

Biografie von Jutta-Elisabeth Stahlmann

Bereits im Schulchor hat die heute 60-Jährige gesungen, bis zum Abitur. Während des Studiums habe sie wenig Musik gemacht und dann mit der Geburt ihrer Kinder wieder angefangen.

Ihr ältester Sohn hat am Klavier-Unterricht teilgenommen, fand das jedoch irgendwann langweilig und hat dann bei Kirchenmusikdirektor Detlef Renneberg Orgel gelernt. „Da ich meinen Sohn sowieso immer fahren musste, konnte ich auch gleich selbst die kirchenmusikalische D-Chorleiterprüfung machen, die Detlef Renneberg ebenfalls angeboten hatte“, sagt sie. „Das hat mich interessiert.“ So absolvierte sie die Prüfung 2009.

„Meine Mutter hat abends immer mit mir gebetet und meine Oma hat Klavier gespielt – da habe ich so gerne zugehört“, erinnert sich Stahlmann. Über ihren Glauben ist die Hann. Mündenerin auch zum Kirchenchor gekommen. Ihr Glaube sei die Basis ihrer Chorleitertätigkeit, erzählt sie. „Als Chorleiterin ist es meine Aufgabe, Gottesdienste und Andachten sowie das kirchliche Gemeindeleben musikalisch zu bereichern und den Kindern singend Zugang zum Glauben zu ermöglichen.“ Sie freue sich, wenn viele Menschen im Chor mitsingen. „Musik ist die Sprache der Seele“, sagt sie.

Nachdem sie dann den Singkreis St. Lukas gegründet hatte, wurde sie „für befähigt gehalten als Chorleiterin einzusteigen“, erzählt sie. Ihr Vorgänger Martin Engelke war verstorben und so suchte der Chor kurzfristig eine neue Leitung.

Im Februar 2012 leitete Jutta-Elisabeth Stahlmann dann zum ersten Mal eine Chorübungsstunde in Scheden, im April 2012 unterschrieb sie ihren Vertrag. „Am Anfang war ich sehr aufgeregt, da haben noch um die 20 Frauen mitgesungen.“

Doch Stahlmann wurde fachlich sehr gut von Kreiskantorin Gabriele Renneberg und ihrer Vorgängerin im Kirchenchor, Margot Wellhausen, unterstützt, und fand so schnell heraus, wie sie den Chor leiten könne. Derzeit singen noch elf Frauen im dreistimmigen- Chor, davon eine 93-jährige Frau und eine 89-Jährige. Eine Frau ist sogar schon seit der Gründung 1954 mit dabei. Wichtig ist für die Leiterin, dass alle auf Augenhöhe sind. „Ich habe als Chorleiterin viele Freiheiten und probiere immer was Neues aus; welches Lied trifft die aktuelle Stimmung.“ 2016 absolvierte sie zusätzlich eine C-Chorleitungsprüfung in Göttingen.

Kinderchor

2013 gründete die Chorleiterin den Kinderkirchenchor (KiKi-Chor). Singen sei gut für die Sprachentwicklung der Kinder, erklärt Jutta-Elisabeth Stahlmann. „Reimen prägt das sprachliche Verständnis sehr.“ Die jungen Sänger zwischen drei und acht Jahre waren immer mit viel Eifer dabei gewesen, aber hätten auch viel Blödsinn gemacht, berichtet Stahlmann und lacht. „Wir haben die Lieder anschaulich gespielt, denn die Kinder lernen Melodien nur ganzheitlich – die tanzen oder nehmen was in die Hand. Kinder brauchen ein Erlebnis beim Singen.“

Kinderchor hat drei Musicals aufgeführt

Während ihrer Zeit als Leiterin hat der Kinderchor drei Musicals aufgeführt: 2017 das Martin-Luther-Singspiel, wobei zwölf Kinder, ihre Eltern und Großeltern mitgemacht haben. Auch die Kostüme wurden selbst genäht. 2018 wurde eine Chorfreizeit veranstaltet, um sich auf das Musical Blinder Bettler vorzubereiten. „Es ist wichtig für Kinder, sich auch mit Behinderungen auseinander zu setzen“, sagt Stahlmann. Dafür war Pastor Andreas Chrzanowski zu Besuch. Er ist selbst blind und hat die Kinder in die Welt der Blinden eingeführt. 2019 fand eine weitere Chorfreizeit statt, um sich gemeinsam mit dem Kinderchor „Smarties“ aus Volkmarshausen auf das Musical Babelparabel vorzubereiten, welches im selben Jahr aufgeführt wurde.

Zusätzlich standen mehrere Projektchöre, unter anderem wurden dabei auch plattdeutsche Lieder gesungen, sowie das Adventssingen und ein Gospelchor unter der Leitung von Jutta-Elisabeth Stahlmann.

Wegen der Wechsel vieler Kinder auf die weiterführenden Schulen, und somit mehr Ab- als Neuanmeldungen, und der Zwangspause durch Corona pausiert der Kinderchor vorerst.

Erinnerungen

Zu den schönsten Erlebnissen im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre gehört für Stahlmann, wenn sie ein Stück eingeübt hatte, bei dem die Frauen zunächst geglaubt haben, es sei zu schwer. „Ich führe sie dann an das Lied heran und sie singen es nachher mit Überzeugung“, sagt sie.

Und auch an die Kinderchorzeit erinnert sie sich gerne zurück: „Es war so toll, als das erste Musical geschafft war. „Die Kinder waren am Ende so stolz.“

Zukunft

Die Sorge, dass derzeit zu wenig neue Sängerinnen in den Chor in Scheden eintreten, hat Stahlmann nicht. „Im Moment ist Singen kein Grundbedürfnis. Ich würde mir wünschen, dass sich möglichst viele Menschen auf die Musik einlassen, egal in welchem Alter.“

Zur Person

Jutta-Elisabeth Stahlmann ist 1961 in der Nähe von Madrid geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Schleswig-Holstein, aber die längste Zeit lebte sie in Eschwege. Seit 1996 wohnt sie mit ihrem Ehemann, vier Kindern und einem Hund in Hann. Münden. Sie arbeitet in der Verwaltung einer Zahnarztpraxis. Neben den Chorproben treibt sie gerne Sport.

Derzeit profitiere der Sport von dem Lockdown in Corona-Zeiten, vermutet die 60-Jährige. Chor und die Musik würden auch wieder in den Blickpunkt rücken.

„Ich wachse mit meinen Aufgaben“, sagt sie und erklärt, dass sie derzeit Ukrainisch lerne. „Kinder in diesem Bereich zu integrieren, könnte ich mir vorstellen.“ Auch das soll auf Augenhöhe passieren: „Ich möchte sie im Land und auch bei mir beim Singen herzlich willkommen heißen.“ (Kira Müller)

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