Er hatte nicht mehr kandidiert

Landtagsabgeordneter Schminke: „Pfundskerl“ geht in Rente

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Besuch im Landtag: SPD-Landtagsabgeordneter Ronald Schminke, der nach neuneinhalb Jahren im Parlament nicht mehr antrat und in den Ruhestand wechselt, empfing Mitglieder des Shanty-Chors Tampenjungs aus Gimte im provisorischen Plenarsaal. 

Hannover/Gimte. Ganz sicher, ob es ein Lob sein sollte, war sich der scheidende SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke zunächst nicht. „Ronnie ist ein Pfundskerl“, hatte SPD-Ministerpräsident Stephan Weil am Ende des Wahlkampfs in Göttingen gesagt.

„Aber pflegeleicht war der nie.“ Da habe er erst einmal seine Frau fragen müssen, wie das vom SPD-Vorsitzenden denn wohl gemeint gewesen sei, berichtete der 60-Jährige den „Tampenjungs“ von den Shanty-Freunden Gimte, die den Parlamentarier noch in seiner bisherigen Wirkungsstätte im Landtagsprovisorium besuchten. „Das passt“, habe seine Frau lapidar geantwortet.

In der Tat: Schminke gehörte in seinen acht Jahren als Abgeordneter zu der immer seltener werdenden Spezies Politiker, die unverblümt und ungeachtet möglicher Karriere-Einschnitte ihre Meinung sagen. „Natürlich habe ich die eine oder andere Situation genutzt, meine eigene Fraktion zu quälen“ sagt der gelernte Maurer im Rückblick.

Weser-Versalzung

Ob Wolf oder Weser-Versalzung: Schminke hat immer vehement für seine Positionen gestritten und sich dabei auch oft mit der SPD-Spitze angelegt. Nur selten aber drang der Zwist an die Öffentlichkeit, notfalls blieb Schminke einer für ihn unangenehmen Abstimmung einfach fern. „Wir haben das immer intern geregelt.“ Umso lieber stritt sich der Hobby-Schlachter, der seine Landtagskollegen fraktionsübergreifend gern mit selbst gemachten Würsten beglückte, mit dem politischen Gegner, insbesondere der FDP. Gute Arbeitsbedingungen waren dem früheren Gewerkschaftssekretär ein Herzensanliegen. „Es gibt hier im Landtag nicht viele, die sich noch mit den Händen ihr Brot verdienen“, erzählt der frühere Gewerkschaftssekretär. „Wer das kennt, weiß, welche Bedeutung faire Löhne haben.“

Fischen in Norwegen

Kein Blatt vor dem Mund nahm Schminke auch bei seiner Kritik an unhaltbaren Zuständen in Pflegeheimen. Weil er einer Betreiberin eine „finanzielle Schieflage“ attestierte, hagelte es eine Strafanzeige.

Zur Aufhebung seiner Immunität kam es jedoch nicht. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag dürfte die Staatsanwaltschaft Göttingen das Ermittlungsverfahren aufleben lassen.

„Hier geht es um Menschen, nicht um Sachen“, sagt Schminke. So rechne er denn auch mit einer schnellen Einstellung. Nach fünf Jahren Oppositionspolitiker und viereinhalb Jahren als Abgeordneter in der rot-grünen Fraktion ist jetzt also Schluss. Er habe sich aus freien Stücken entschlossen, nicht wieder zu kandidieren, berichtet Schminke beim Aufräumen seines Büros im Landtag.

Seine Pläne für den politischen Ruhestand? „Ich habe mir einen Sprinter gekauft und fahre damit zum Fischen nach Norwegen.“

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