Jühnde

Haus abgebrannt, Kind krebskrank: Ein Dorf hilft nun der Familie

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Vor dem unbewohnbaren Haus von Familie Schumacher in Jühnde: Die siebenjährige Sina, die an Krebs erkrankt ist, Vater Oliver, Mutter Michaela und Schwester Julia müssen oft mit den Tränen kämpfen.

Jühnde. Zwei Schicksalsschläge ereilten Familie Schumacher aus Jühnde 2014. Die Tochter erkrankte an Krebs. Jetzt muss ihr Haus nach einem Feuer abgerissen werden.

Der 7. Februar 2014 veränderte das Leben der Schumachers völlig: Wegen des Verdachts auf eine Blinddarmentzündung wurde Tochter Sina in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) untersucht. Noch am selben Abend stand die schreckliche Diagnose fest: Knochenkrebs.

Seitdem wird die Siebenjährige in der UMG behandelt. Am vergangenen Sonntag fuhr sie mit ihrer Mutter zu einem weiteren Chemo-Therapie-Block in die Klinik. Abends kamen Vater Oliver und seine 14-jährige Tochter Julia ins Familienhaus nach Jühnde zurück. Als sie die Tür aufschlossen, schlug ihnen schon dichter Qualm entgegen. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf 200.000 Euro. Das Haus wurde unbewohnbar.

Spendenkonto: Michaela Schumacher, IBAN: DE11 2605 0001 0156 2820 14

Der gesamte Hausrat riecht nach Qualm und ist unbrauchbar. Der Schaden erhöht sich damit noch weiter. Inzwischen ist klar: Das Familiendomizil ist nicht mehr zu retten und muss abgerissen werden. Familienvater Oliver Schumacher hat sich folgenden Leitspruch der Kinderkrebsstiftung, den die Familienmitglieder und Verwandte als Armband tragen, auf die Fahnen geschrieben: „Eines werd’ ich niemals tun: Aufgeben!!!“

Das ganze Dorf will jetzt der Familie helfen, berichtet Bürgermeister Dietmar Bode. Dazu haben sich am Mittwoch 40 Freunde, Bekannte, Nachbarn, Vereinsvertreter und Ratsmitglieder getroffen. „Wir wollen einen Benefiz-Weihnachtsmarkt organisieren und der Familie helfen“, berichtet Bode. Der Markt soll am Sonntag, 21. Dezember, stattfinden. Die Uhrzeit steht noch nicht fest.

Der Erlös soll an die Familie gehen. Bode: „Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß. Da kann ein Dorf zeigen, dass es zusammensteht.“ Außerdem wurde inzwischen ein Spendensonderkonto eingerichtet. (bsc)

Alles riecht nach Rauch

Jühnde/Göttingen. Der Qualm und Rauch, der durch das Haus der Familie Schumacher in Jühnde zog, sorgt jetzt für Schwierigkeiten. Der gesamte Hausrat riecht nach dem Feuer unangenehm. Die Ursache für das Feuer im Haus der Familie Schumacher ist noch immer ungeklärt. Die Polizei konnte bislang nichts finden. Jetzt sind Spezialisten der Versicherung im Haus unterwegs, um dem Fall auf den Grund zu gehen. Familie Schumacher wohnt derzeit in einer Ferienwohnung in Jühnde. Dort soll auch Weihnachten gefeiert werden.

Da wegen der Krebserkrankung von Tochter Sina kein „normaler“ Weihnachtsbaum aufgestellt werden darf, soll ein künstlicher Baum für ein wenig Weihnachtsstimmung sorgen. Trotz aller Schicksalsschläge hält die Familie zusammen. Fröhliches Kind Wegen der Krankheit von Tochter Sina kann ihre Mutter Michaela (42) derzeit nicht als Technische Zeichnerin arbeiten. „Sina ist trotzdem ein fröhliches Kind geblieben“, sagt ihr Vater Oliver, der als Betriebsinstallateur bei der Göttinger Volksheimstätte arbeitet. Auf der Kinderstation im Klinikum macht die Siebenjährige auch anderen Kindern, die an Krebs erkrankt sind, Mut.

Leider sind durch das Feuer auch viele Kuscheltiere von Sina unbrauchbar geworden. Außerdem ist die Mutperlenkette der jungen Patientin voller Ruß. Sie ist bei Sina schon über zwei Meter lang. Für jeden Behandlungsschritt bekam sie von der Universitätsmedizin eine Perle. Und die Behandlung ist lang: Vor einer Operation im Sommer, bei der eine krebsbefallene Rippe ganz und eine zweite teilweise entfernt wurde, bekam sie sieben Chemo-Therapie-Blöcke. Danach folgten sechs, zwei weitere schließen sich an. Sina soll nun eine Kette mit neuen Perlen bekommen, hat die Klinik versprochen. In die Schule gehen kann die Siebenjährige nicht, da die Gefahr einer Infektion besteht. Stattdessen bekommt Sina von Freundinnen und der Schule in Scheden Aufgaben aus dem Unterricht.

Wegen der Infektionsgefahr mussten auch sämtliche Blumen und Grünpflanzen aus dem Haus der Familie verschwinden. Hilfe und Unterstützung bekommt Familie Schumacher zudem vom Göttinger Elternhaus für das krebskranke Kind. Hans-Hermann Miest vom psychosozialen Team ist Ansprechpartner der Familie. Über die Einrichtung wurde der älteren Schwester von Sina, der 14-jährigen Julia, eine Jugendfreizeit vermittelt. Dort lernte sie andere Jugendliche kennen, die ebenfalls krebskranke Geschwister haben. Julia steht beim Kampf gegen den Krebs fest an der Seite ihrer Schwester.

Ewing-Sarkom

Krebs kann alle Knochen befallen

Sina Schumacher leidet unter dem Ewing-Sarkom, der zweithäufigsten Art von Knochenkrebs im Kindesalter. Jeder Knochen kann Ursprungsort sein, jedoch sind am häufigsten Becken und Oberschenkelknochen betroffen. Bei Sina sind die Rippen befallen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, gehäuft erkranken allerdings männliche Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren. An Weichteilsarkomen erkranken überwiegend ältere Menschen. In Deutschland erkranken jährlich etwa drei von einer Million Kindern und 2,4 von einer Million Heranwachsenden im Alter von 15 bis 25 Jahren pro Jahr neu an einem Ewing-Sarkom. Zuerst beschrieben wurde das Ewing-Sarkom von dem US-Mediziner James Ewing. (bsc)

Elternhaus öffnete 1988 seine Pforten

Seit dem Jahr 1988 gibt es das Elternhaus für das krebskranke Kind in der Nähe der Universitätsmedizin Göttingen. Dort finden Familien mit kranken Kindern Hilfe und Unterstützung. Getragen wird das Haus vom Verein „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen“. Jährlich wohnen etwa 200 Familien im Elternhaus, das 32 Betten in Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern sowie Appartements bietet. Der Trägerverein finanziert sich zu einem großem Teil aus Spenden und hat 600 Mitglieder. Neben betroffenen Eltern gibt es viele fördernde Mitglieder. (tko/bsc)

Kontakt: Elternhilfe für das krebskranke Kind, Am Papenberg 9, 37075 Göttingen, Tel. 0551/3744 94, E-Mail: info@elternhaus-goettingen.de; www.elternhaus-goettingen.de

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