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Hochsaison für Bienen und Wespen: Warum dieses Jahr mehr Insekten im Altkreis unterwegs sind

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Von: Hannah Köllen

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Seit 4 Jahren Hobby-Imker: Sebastian Streit aus Meensen hält zehn Bienenvölker. Den Honig verkauft er im Alten Packhof, im Tourismusbüro in Hann. Münden sowie im Hofladen in Meensen.
Seit 4 Jahren Hobby-Imker: Sebastian Streit aus Meensen hält zehn Bienenvölker. Den Honig verkauft er im Alten Packhof, im Tourismusbüro in Hann. Münden sowie im Hofladen in Meensen. © Hannah Köllen

Momentan herrscht Hochzeit für Bienen und Wespen. Auch im Altkreis summt und brummt es ordentlich. Doch worin unterscheiden sich die beiden Insektenarten eigentlich?

Altkreis Münden – Was unterscheidet Bienen und Wespen? Die meisten Menschen würden den Unterschied zwischen den beiden Insektenarten nicht kennen, sagt Sebastian Streit, Hobby-Imker aus Meensen.

„Wespen haben eine verengte Körpermitte, daher kommt ja auch der Begriff Wespentaille. Außerdem ist ihre Färbung ein Mix aus Schwarz und Gelb, bei Bienen ist es eher ein Orange“, sagt Streit.

Eine Biene sucht Futter.
Eine Biene sucht Futter. © Lena Stückradt/NH

Er selbst hält zehn Bienenvölker, jedem der Völker gehören bis zu 70 000 Bienen an. „Es ist faszinierend, wie sie es bei so einer Menge schaffen, sich zu organisieren, ohne dass alles im Chaos endet.“ Für die Honigbiene, die der studierte Agrarwissenschaftler auf seinem Grundstück hält, sei vor allem die Varroamilbe gefährlich. Diese könne ganze Populationen zerstören.

Population muss gesichert werden

„Bei den Wildbienen sehen wir tatsächlich einen Rückgang der Population in den vergangenen Jahren.“ Dabei brächten Bienen eine enorme Bestäubungsleistung für die Natur auf. Daher sei es wichtig, ihre Population zu sichern. Das ginge schon mit kleinen Taten: „Wer einen Garten oder Balkon hat, sollte dort bienenfreundliche Pflanzen anlegen, die den Bienen ausreichend Pollen und Nektar spenden. Das können zum Beispiel Lavendel oder die Fette Henne sein.“

Sterile Gärten, wie reine Schottergärten, sollten unbedingt vermieden werden. Wenn eine Biene in ihrer direkten Umgebung keine Möglichkeit zum Bestäuben vorfinde, könne sie hierfür bis zu vier Kilometer zurücklegen. Nistmöglichkeiten wie Insektenhotels seien teilweise nicht an die Biologie der Tiere angepasst, sagt Streit. „Da gibt es große qualitative Unterschiede. Damit die Bienen dann tatsächlich etwas davon haben, sollte man sich vorab gut über die Nisthilfen informieren.“

Wespen sind Aasfresser

Die Honigbiene ziehe sich alle benötigten Kohlenhydrate und Proteine aus Nektar und Pollen. Das sei ein weiterer Unterschied zur Wespe, die sich als Aasfresser zusätzlich aus Kadavern mit Proteinen versorge. „Wenn beim Grillen ein Insekt auf dem Stück Fleisch landet, ist es ziemlich sicher eine Wespe“, sagt Streit.

Rauch beruhigt Bienen, daher nutzen viele Imker sogenannte Smoker.
Rauch beruhigt Bienen, daher nutzen viele Imker sogenannte Smoker. © Sebastian Streit/NH

Im Gegensatz zur Wespe seien Bienen „sehr friedfertig“. Wer doch mal von einer Biene gestochen wurde, dem könne eine Hitzetherapie helfen. „Dadurch wird die Proteinstruktur des Gifts abgeschwächt“, weiß Streit, der im Laufe seines Lebens schon etliche Stiche davongetragen hat. Die Hitzetherapie müsse aber möglichst zeitnah nach dem Stich angewandt werden. Alternativ würde es auch helfen, die Einstichstelle zu kühlen.

Wespen profitieren von Trockenheit

Ob auf dem Kuchen, dem Wurstbrot oder – besonders tückisch – im süßen Getränk: Wespen landen oftmals an den ungünstigsten Stellen und werden somit schnell zur Plage und auch zur Gefahr für die Menschen.
Auch im Altkreis Münden sind momentan, typisch für diese Jahreszeit, wieder viele Wespen unterwegs.

In diesem Jahr kämen gleich zwei Komponenten zusammen, die das Aufkommen der Wespen noch verstärken, weiß Walter Peters, Erster Vorsitzender des Nabu-Ortsverbands Dransfeld. „Einerseits kommt den Insekten die momentane Trockenheit sehr gelegen. Andererseits gibt es diesen Sommer erstaunlich viel Obst. So finden die Wespen viel Futter“, sagt Peters. Die Insekten hätten eine wichtige Funktion für die Natur. „Mit ihren feinen Sinnesorganen spüren sie Aas sehr schnell auf und helfen somit, Seuchen zu vermeiden.“

Insekten keinesfalls töten

Deshalb dürften die Insekten keinesfalls getötet werden. Durch Schottergärten, Flächenversiegelung und andere menschgemachte Veränderungen hätten es die Wespen ohnehin schon schwer. „Ein naturnaher Garten ist das Beste für die Insekten“, sagt Peters.

Eine Wespe mit der berühmten Wespentaille.
Eine Wespe mit der berühmten Wespentaille. © Julian Stratenschulte/dpa

Wer gleich ein ganzes Wespennest entdecke, solle sich nicht selbst ans Entfernen wagen: „Besser ist es da, den Nabu oder auch die Feuerwehr zu verständigen. Die Profis wissen, wie man die Nester am besten entfernt – ohne dabei sich selbst oder die Insekten zu gefährden“, sagt Peters. Auf keinen Fall sollten Wespen mit Wasser, Gift oder Feuer bekämpft werden. Das führe dazu, dass sich die Tiere angegriffen fühlten und sie aggressiv würden. Es berge also auch die Gefahr, bei dem Angriff von den Insekten gestochen zu werden.

Was tun bei Wespenstich?

Bei einem Wespenstich sollte die betroffene Stelle umgehend gekühlt werden, um potenziellen Schwellungen vorzubeugen.
„Wenn eine Stelle im Gesichtsbereich rund um Augen, Nase und Mund betroffen ist, sollte ein Arzt hinzugezogen werden“, sagt Peters. Bei Menschen mit einer Allergie gegen Insektengift müsse umgehend gehandelt werden, da dann im Zweifel sogar Lebensgefahr bestehe.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer für alle von Insekten geplagten Menschen gibt es: „Spätestens Anfang September ist es sowieso vorbei mit den Wespen. Sie sterben ab, nur die Königinnen überleben und überwintern dann bis ins kommende Jahr“, sagt Peters.

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