„Hochwasser“: Kunstwerk zur Zeit schwer zu finden

„Hochwasser“: Auf dem Schwarz-Weiß-Bild aus dem Katalog „3 Räume – 3 Flüsse“ ist zu sehen, wie der Abdruck im Beton entstand. Links oben: Werrawasser füllt immer wieder die Vertiefung. Repro: nh/Archivfoto: Sangerhausente

Hann. Münden. Das Schild ist schon lange verschwunden, nur Kenner finden Micha Ullmanns Skulptur „Hochwasser" auf dem Mühlenwehr unterhalb der historischen Werrabrücke noch. Und selbst die müssen derzeit suchen, denn das Kunstwerk ist stark überwuchert.

Die Kommunalen Dienste Münden (KDM) seien derzeit noch mit Arbeiten am Hang über der B 3 beschäftigt. Sobald sie Zeit haben, würden sie das Kunstwerk aber wieder freischneiden.

Der Vorschlag sei, so städtische Pressesprecherin Julia Bytom, ein Ersatzschild aus Kunststoff anfertigen zu lassen - ähnlich dem, das auf der Brücke auf das Wasserkraftwerk hinweist. Zurzeit gehe das aber nicht, da die Stadt Hann. Münden immer noch keinen genehmigten Haushalt hat. Liegt der vor, könne man sich Gedanken über ein neues Schild machen. Die Herstellung einer solchen Tafel dauere aber ihre Zeit, vor dem Frühjahr rechne sie daher ohnehin nicht mit einem Ersatz.

„Hochwasser“ ist eines der fünf in Hann. Münden verbliebenen Kunstwerke aus dem Projekt „3 Räume - 3 Flüsse“, das der Leiter der documenta IX, Jan Hoet, betreute - eines der beiden Projekte, mit denen Hann. Münden sich an der Expo 2000 in Hannover beteiligte. Viel geblieben ist von den Projekten, das zweite waren die Wasserspuren, nicht. Doch gerade die in den Untergrund eingelassene Bootsform von Ullmann ist vor dem Hintergrund der vielen jungen Bootsflüchtlinge, die derzeit in der Stadt leben, aktueller denn je: Die Form ist der Abdruck eines Rettungsbootes mit Platz für sieben Personen. Der Bug zeigt die Werra aufwärts, nach Dorndorf in Thüringen, wo Ullmanns jüdische Familie lebte.

Ullmanns Eltern flohen 1933 vor Naziterror und Krieg nach Palästina. So tritt Ullmann mit „Hochwasser“ nicht nur in den Dialog mit der Natur, sondern setzt auch einen Erinnerungspunkt, wie vorher mit seinem unterirdischen Kunstwerk auf der documenta IX, das er seinem Vater und dessen sechs Geschwistern widmete, und nachher mit der Bibliothek der verbrannten Bücher unter dem Bebelplatz in Berlin. (tns)

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