Jungtiere flüchten nicht

Im Lutterberger Jagdrevier werden Rehkitze mit der Drohne gerettet

Die Drohne hebt ab: Roland Krybus (links) und Dieter Buhse suchen auf der Wiese nach Rehkitzen.
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Die Drohne hebt ab: Roland Krybus (links) und Dieter Buhse suchen auf der Wiese nach Rehkitzen.

Für viele Rehkitze, die auf Wiesen von den Ricken abgelegt wurden, kommt nun auch Rettung aus der Luft: Im Lutterberger Revier nutzt man eine Drohne zum Schutz der Jungtiere.

Lutterberg – Im Lutterberger Jagdrevier von Dieter Buhse, dem Vorsitzenden der Mündener Jägerschaft, werden die Rehkitze mit neuester Technik beschützt. Bevor die Landwirte in Buhses Revier die Wiesen mähen, informieren sie in den meisten Fällen den Jagdpächter rechtzeitig. Dieser sucht dann mit einem Team kurz vor der Wiesenmahd die Fläche nach Rehkitzen ab.

Wird ein Kitz gefunden, sollte es in Gras gepackt – auf keinem Fall mit den Händen berühren, sonst nimmt die Ricke es nicht mehr an – und an anderer Stelle abgelegt werden, so der Jäger. Oder aber der Bereich werde markiert, damit dort nicht gemäht wird und die Rückzugsfläche für die Tiere erhalten bleibt. „Die Ricken legen ihre Kitze gerne im tiefen Gras ab, in der Annahme, die Kleinen hier vor Fressfeinden und anderen Gefahren schützen zu können“, sagt Buhse.

Die Rehkitze fliehen nicht

Die Jungen selber hätten aber keine Fluchtreflexe, sie drücken sich bei Gefahr tief ins Gras und bleiben liegen. Deshalb sei es für Hundebesitzer auch ganz wichtig, in dieser Zeit Hunde an der Leine zu führen.

In diesem Jahr gibt es für Jagdpächter Buhse Hilfe aus der Nachbarschaft: Roland Krybus hat eine Drohne mit Wärmebildkamera angeschafft und fliegt gelegentlich die Wiesen vor dem Mähen ab. Dabei wurden schon einige Kitze entdeckt, kürzlich sogar zwei Jungtiere einer Ricke, wie die beiden berichten.

Dieses Rehkitz wurde mithilfe der Drohne entdeckt.

Die Drohnenkamera von Krybus besteht aus einer Sicht- und einer Thermalkamera. Hierbei nutzen Krybus und Buhse den Wärmeunterschied zwischen der Umgebung und der Körpertemperatur der Tiere. Daher beginnt die Rehkitzrettung auch meistens in den frühen Morgenstunden, wenn die Umgebung noch nicht von der Sonne erwärmt wurde und die Körpertemperatur der Kitze sich deutlich von der Umgebung abhebt, sagt Krybus. Oft gelinge es aber auch in den Nachmittags- und Abendstunden, die Tiere ausfindig zu machen.

„Ich mache das aus Tierliebe und Nachbarschaftshilfe“, sagt Krybus. Und für Buhse und seine Helfer wird das Absuchen von Wiesen effektiver. Landwirt Daniel Will hat auf den Wiesen sogenannte Rehkitzretter aufgestellt. Diese Geräte werden vor dem Mähtermin auf die Wiese gestellt, wo sie in einer Reichweite von 200 Metern optische und akustische Signale ausstoßen, sagt Buhse. Diese Unruhe durch Licht und Geräusche veranlasse die Tiermütter, ihren Nachwuchs von dort wegzulocken.

Flächen für Greifvögel müssen bei Mahd mitbedacht werden

Während das Grünland erst ab 15. Juli abgemäht wird, müssen ausgewiesene Rotmilanflächen (Niedersächsische Agrarumweltmaßnahme) das zweite Mal bis zum 30. Juni gemäht werden. Denn nur auf gemähten Flächen findet der geschützte Greifvogel Mäuse und andere Kleinlebewesen für die Aufzucht seiner Jungen.

Allerdings können 25 Prozent der Rotmilanflächen zum Schutz, der Nahrungssuche und als Rückzugsmöglichkeit für Insekten und Kleinlebewesen stehen gelassen werden: „Diese Maßnahmen funktionieren, weil zwischen Jagdpächtern und Landwirten eine gute Zusammenarbeit herrscht“, sagt Buhse.

Er bittet alle Landwirte, sich vor der Wiesenmahd mit den jeweiligen Jagdpächtern in Verbindung zu setzen. Denn sonst sei die Gefahr für den Tiernachwuchs groß, vom Mähwerk erfasst und verstümmelt oder sogar getötet zu werden. (Petra Siebert)

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