Arzt Wüstenfeld behandelt im Altkreis 40 Suchtpatienten und wünscht sich Hilfe

Immer noch Einzelkämpfer

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Dr. Georg BernhardWüstenfeld

Hann. Münden/Göttingen. „Ich bin nach wie vor Einzelkämpfer“, sagt Dr. Georg Bernhard Wüstenfeld. Vor zwei Jahren berichtete die HNA schon einmal über die Arbeit des Facharztes für Allgemeinmedizin und Psychotherapie mit 40 heroinabhängigen Patienten. Sie nehmen an einem Substitutionsprogramm teil.

Dass heißt: Sie unterziehen sich in der Praxis des Mündener Arztes einer Methadonbehandlung. Methadon oder auch Polamidon sind Präparate, die die Entzugserscheinungen lindern. Bis heute hat sich nichts daran geändert, dass Wüstenfeld im Altkreis Münden der einzige Arzt ist, der drogensüchtige Patienten substituiert.

Methadon, hier ein Präparat aus einer Substitutionsambulanz in Nürnberg, wird vom Arzt drogensüchtigen Patienten verordnet, um deren Entzugserscheinungen zu lindern.

Im Frühjahr 2013 will Wüstenfeld seine Praxis in jüngere Hände übergeben. Einen „designierten Nachfolger“ habe er schon, der auch die Behandlung der Suchtpatienten fortführen werden.Darüber ist Georg Bernhard Wüstenfeld froh, denn ohne einen Suchtmediziner vor Ort wären die Patienten aufgeschmissen. Es wäre allerdings gut, wenn außer ihm noch ein Kollege oder eine Kollegin im Altkreis Münden sich der Aufgabe widmen würde. Voraussetzung ist die Teilnahme an einem Kurs, bei dem der Arzt die so genannte Subsitutionserlaubnis erwirbt.

Voraussetzung für Patienten, um in das Substitutionsprogramm aufgenommen zu werden, ist eine mindestens zweijährige Heroinabhängigkeit. Danach muss der Suchtkranke sich durch Unterschrift verpflichten, an dem Substitutionsprogramm teilzunehmen. Bestandteil des Programms ist auch eine intensive psychosoziale Betreuung.

Wüstenfeld weiß, dass Arztkollegen vor der Behandlung zurückschrecken. Dafür gebe es Gründe. Es sei die Angst, diese mitunter schwierigen Patienten in der Praxis zu haben. Was aber möglicherweise noch schwerer wiege sei die Tatsache, dass der Arzt bei der Substitution sehr vorsichtig sein muss, um nicht dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Urinkontrolle

So muss beispielsweise die Urinkontrolle des Patienten in der Praxis stattfinden. Die Untersuchungsergebnisse muss der Arzt an eine Expertenkommission melden. Sollte die Kommission Unregelmäßigkeiten feststellen, die auf die Einnahme zusätzlicher illegaler Drogen hindeuten, bekommt der Arzt Schwierigkeiten.

Medizinerin Prof. Dr. Ursula Havemann-Reinecke von der Uniklinik in Göttingen gibt Wüstenfeld Recht, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte, die Suchtpatienten behandeln, in Südniedersachsen zu gering ist. Sie werde den Appell des Kollegen zum Anlass nehmen, um über die Ärztekammer für die Kurse zu werben.

Havemann-Reinecke, Leiterin des Bereichs Suchtmedizin an der Uniklinik, bietet gemeinsam mit einem Kollegen aus Hannover eine solche Fortbildung für Ärzte an . Der Kurs dauere 50 Stunden; gegebenenfalls übernehme die Kassenverärztliche Vereinigung die Kosten - laut Wüstenfeld kostet der einwöchige Kurs 900 Euro.

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