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Ingrid Rathgeber sorgt sich um Hilfsprojekte in der Ukraine

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Zu Gast in Speele: Unser Bild zeigt Ingrid Rathgeber mit Kindern aus der Tschernobylregion, die sich im Haus Waldfried in Speele erholt haben.
Zu Gast in Speele: Unser Bild zeigt Ingrid Rathgeber mit Kindern aus der Tschernobylregion, die sich im Haus Waldfried in Speele erholt haben. © Wiebke Huck

Der Verein „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“ hat auch Projekte in der Ukraine. Jetzt ist er in Sorge um die Menschen und ob er sie auch in Zukunft unterstützen kann.

Speele – Der Krieg in der Ukraine trifft Ingrid Rathgeber aus Speele in ganz besonderer Weise. Seit über 20 Jahren kümmert sich die 84-Jährige mit ihrem Verein „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“ um Familien in der Region rund um das frühere Kernkraftwerk, die noch immer unter den Folgen der Reaktor-Katastrophe von 1986 leiden.

Jetzt ist Ingrid Rathgeber in großer Sorge um die Menschen und ob sie sie auch in Zukunft unterstützen kann. Es sind Familien und Kinder, deren Alltag von bitterer Armut und oft auch von Krankheit geprägt ist. Rund 50 Hilfsprojekte betreut der Verein, die meisten liegen in Weißrussland, aber zwölf eben auch jenseits der Grenze in der Ukraine. Der Verein kümmert sich um Medikamente, sorgt für verlässliche monatliche Zahlungen. 150 bis 200 Euro je nachdem, um wie viele Personen es sich handelt. Viel Geld für die Menschen dort. Es stammt aus Spenden, die der Verein gesammelt hat. So unterstützt der Verein zum Beispiel eine Großmutter, die sich allein um ihre vierzehnjährige Enkeltochter kümmert, die mit einem Geburtsfehler zur Welt gekommen ist. Sie leidet unter einer Rachen-Mund-Gaumen-Spalte und muss demnächst erneut operiert werden. Hilfe erhält auch ein sogenanntes Familienwaisenhaus mit zehn Kindern.

Die Eltern kümmern sich nicht nur um die eigenen Kinder, sondern betreuen zudem Waisen aus der Region. Ein weiteres Hilfsprojekt ist eine Familie mit acht Kindern, deren Vater als Liquidator am explodierten Reaktor im Einsatz war. So werden die Männer genannt, die nach der Explosion bei Lösch- und Aufräumarbeiten geholfen haben, und einer massiven Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Der etwa 50-Jährige ist seit Jahren krank, leidet unter Kopfschmerzen und hört kaum noch etwas.

Koordiniert wird die Hilfe vor Ort von der Frau eines Pastors, die mit ihrem Mann in Bila Zerkva lebt, einer Stadt 70 bis 80 Kilometer südwestlich von Kiew. Ingrid Rathgeber ist seit vielen Jahren mit ihr befreundet. Bei ihr hat sie bei ihren Besuchen in der Region auch immer wieder größere Summen hinterlassen, um die regelmäßigen Zahlungen für die Projekte sicherzustellen, oder hat ihr das Geld auf anderem Wege zukommen lassen. Aber in wenigen Monaten ist es aufgebraucht. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. Derzeit seien auch Überweisungen nicht möglich.

Aber nicht nur die Hilfsprojekte sieht Ingrid Rathgeber in Gefahr, sondern durch die Kämpfe auch die Menschen selbst. „Ich möchte sie am liebsten zu mir holen“, sagt sie mit Blick auf ihre Freundin und deren Familie. „Mein Haus steht ihnen immer offen.“ Aber auch um die anderen Menschen macht sie sich Sorgen und denkt an die Möglichkeit, sie vielleicht im Haus Waldfried in Speele unterbringen zu können.

Gestern Mittag hat Ingrid Rathgeber mit ihrer Freundin in Bila Zerkva telefoniert. Da sei es ruhig gewesen, russische Truppen hätten aber am Vortag einen Frachtflughafen und ein Munitionslager unter Beschuss genommen, habe ihr die Freundin berichtet. Aber aus Kiew seien gestern schwere Explosionen zu hören gewesen. Kontakt zu den Hilfsprojekten des Vereins habe ihre Freundin am Freitag nicht aufnehmen können. Die Tschernobylregion war telefonisch nicht mehr zu erreichen. (Ekkehard Maass)

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