Neues Leitungsteam

Initiative Spurensuche am Hohen Hagen erforscht jüdische Geschichte in Dransfeld

Sascha von Huene und Ingo Trüter.
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Haben die Leitung der Projektwerkstatt Spurensuche übernommen: Sascha von Huene (links) und Ingo Trüter.

Eine neue Leitung hat die Projektwerkstatt Spurensuche, die im Schullandheim Hoher Hagen angesiedelt ist und sich mit der Verfolgung von Minderheiten im Dritten Reich auseinandersetzt. Stefan von Huene und Ingo Trüter lösen Wilhelm Behrendt ab.

Behrendt, der Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Göttingen war, hat die Werkstatt nach seiner Pensionierung 2009 aufgebaut. Mit Schulklassen arbeitete er sich auf dem Hohen Hagen in die Geschichte von Dransfelds jüdischer Gemeinschaft ein. Die Jugendlichen befassten sich unter Behrendts Leitung mit dem jüdischen Friedhof der Stadt und halfen bei der Verlegung von Stolpersteinen. Zudem analysierten sie Filme über die Judenverfolgung im Dritten Reich.

Der Pensionär, der sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzieht, hinterlässt seinen Nachfolgern eine Bibliothek mit 2000 Büchern. In zahllosen Aktenordnen trug er Zeitungsartikel zusammen. Zudem gibt es Kisten voller Dias und Videokassetten mit Zeitzeugengesprächen. Die Digitalisierung der Materialien sei ein großes Thema, betont von Huene. Er kennt Behrendt seit dem Jahr 2000. Damals machte er sein Referendariat an der IGS in Göttingen.

Die beiden hielten den Kontakt, als von Huene Lehrer an der Kooperativen Gesamtschule Moringen wurde. Dort hat er sich in den vergangenen Jahren zusammen mit seinen Schülern mit dem örtlichen Konzentrationslager befasst. Sechs Mal besuchte er bisher mit Schülergruppen jeweils eine Woche lang das Vernichtungslager Auschwitz. Der Göttinger IGS-Geschichtslehrer Trüter wiederum engagiert sich im Göttinger Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“.

Lehrmaterial für Schulklassen

Beide Lehrer wollen Kollegen Material an die Hand geben, damit diese sich mit ihren Schülern ohne große Vorbereitung Projekte zum Thema Nationalsozialismus anbieten können. Sie wollen zudem Jugendlichen zu verschiedenen Stationen in der Stadt kurze Beiträge ausarbeiten lassen, die diese dann bei Stadtführungen anderen Jugendlichen vortragen können.

Führungen hat bereits Behrendts auf die Beine gestellt. „Wichtig ist uns die von unserem Vorgänger initiierte Vernetzung von Lehrern, die auch zu diesem Thema arbeiten“, sagt Trüter. Vor der Pandemie hat es in der IGS in Göttingen ein großes Treffen mit Vertretern der meisten weiterführenden Schulen der Stadt, aber auch aus Duderstadt, Moringen und Northeim gegeben. Zudem wollen Trüter und von Huene die Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen wie der Aktion Sühnezeichen, dem Y-Lab der Georg-August-Universität, aber auch mit den beiden jüdischen Gemeinden in Göttingen ausbauen.

„Die Verfolgung von Minderheiten im Dritten Reich berührt viele Schüler“, sagt IGS-Lehrer Trüter. Jugendliche mit Migrationshintergrund wüssten, was Ausgrenzung und Stigmatisierung bedeute. Einige hätten Gewalt und Flucht erlebt. Andere könnten sich mit Opfern des Nationalsozialismus identifizieren, die wegen ihrer sexuellen Orientierung, aufgrund von Behinderungen oder der Zugehörigkeit zu jugendlichen Subkulturen verfolgt worden seien.

(von Michael Caspar/zmc)

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