Sie sucht das perfekte Motiv

Dransfelderin Sarah Sturm verdient Geld mit Instagram

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Die Kirschblüte auf dem Göttinger Zentralcampus ist ein beliebtes Fotomotiv bei Studenten.

Sonntags ist für Sarah Sturm „Foto-and-Food-Day“. Die 22-jährige Auszubildende verabredet sich mit Freunden, um Fotos zu machen und etwas Leckeres zu essen.

Kamera, Wechselkleidung und Picknick kommen in eine große Tasche und auf geht’s. Ihre Motive findet die gebürtige Dransfelderin in der Region rund um ihren Wohnort Göttingen. Ihre rund 16 000 Follower bei Instagram freuen sich über die regelmäßig neuen Fotos.

Seit 2013 ist Sarah Sturm bei dem Sozialen Netzwerk angemeldet, erzählt sie im Gespräch mit der HNA. „Ich habe mein Essen fotografiert und Selfies gemacht“, sagt die 22-Jährige. Eigentlich waren die Bilder auf dem Profil „sarah_strm“ nur für Freunde und Familie gedacht gewesen. Als immer mehr Likes dazu kamen, wurde sie aktiver, machte bessere Fotos, setzte sich mit Reichweiten, Stories und Hashtags auseinander (siehe Hintergrund).

„Es hat sich einfach so ergeben“, sagt Sarah Sturm rückblickend. Die ersten zwei- bis dreitausend Follower zu gewinnen, sei mühselig gewesen. Tausende weitere kamen dafür umso schneller.

Ab 6000 Followern kamen dann erste Angebote von Firmen, ihr kostenlos Produkte zu schicken, mit der Bitte, dass sie sie in ihren Fotos zeigt. Bei 8 000 Followern erreichte sie dann das erste Angebot für eine bezahlte Zusammenarbeit. 

Die Auszubildende zur Sozialversicherungsfachangestellten überlegte nicht lang und meldete ein Kleingewerbe an. „Ich habe sofort zugesagt und musste den Auftrag dann hinauszögern, weil ich noch keine Steuernummer hatte“, erinnert sich Sarah Sturm an den vergangenen Sommer zurück.

Diese Kürbisse hat Sarah Sturm auf einem Bauernhof bei Northeim gefunden und ist mit dem Landwirt ins Gespräch gekommen.

Wer ihr Profil besucht, sieht viele hübsche Bilder, unter denen sie Geschichten aus ihrem Alltag teilt. Die 22-Jährige ist auch in Videosequenzen in ihren Stories zu sehen. So haben ihre Follower sie durch die Zeit der Weißheitszähne und den Prüfungsstress begleitet. „Am Anfang war es mir richtig unangenehm, vor der Kamera zu sprechen“, sagt Sarah Sturm rückblickend. Sie habe die Videos häufig gelöscht und von vorne angefangen.

Heute wendet sie sich mit Alltagsfragen gezielt an ihre mehr als 16 000 Fans und erhält auch Unterstützung. „Wenn ich Hilfe brauche, ist jemand da, der es weiß.“ Als Selbstständige musste sie sich nun vieles selbst beibringen: Rechnungen erstellen, Buchführung, Anträge ausfüllen. Auch der Umgang mit einer Spiegelreflexkamera und Bildbearbeitungsprogrammen gehören zur Social-Media-Arbeit dazu.

Dabei lege sie Wert darauf, nur die Farben und nie sich selbst in Fotos zu bearbeiten. „Instagram ist eine positive, nette Plattform“, sagt die Auszubildende. Sie erhalte nur wenig negative Rückmeldungen, etwa eine im Monat. Die lösche und ignoriere sie. „Ich vergesse, was sie sagen, das interessiert mich so wenig, dass ich es mir nicht mal merke.“

Für rund 290 Bilder gilt es auch immer wieder andere Outfits anzuziehen. Sarah Sturms Mutter hat in einem Kleidungsgeschäft gearbeitet, dadurch habe sie ein Modebewusstsein entwickelt. „Ich habe mir früher schon Klamotten von meiner Mutter geliehen.“ Heute reicht der Kleiderschrank in ihrer Einzimmerwohnung nicht aus.

Die verschiedenen Outfits landen am „Foto-and-Food-Day“ in der Picknick-Tasche. Dann steigt Sarah Sturm mit einer Freundin – manche hat sie über Instagram kennengelernt – ins Auto auf der Suche nach dem perfekten Motiv.

Ein Instagram-ABC

Ein Artikel über Soziale Netzwerke kommt nicht ohne Anglizismen aus. Hier ein ABC: 

  • Follower: Ein anderes Wort für Fans, (engl.: „folgen“). Follower interessieren sich für die Inhalte eines Profils auf Sozialen Netzwerken können über ihr eigenes Konto verfolgen, wenn neue Bilder von ihren Vorbildern hochgeladen wurden. 
  • Hashtag: Ist ein Schlagwort. Über Wörter oder Wortketten werden Beiträge thematisch miteinander verbunden. Dafür wird das Rautensymbol (#) auf Sozialen Medien benutzt. 
  • Instagram: Ist ein fotobasiertes Soziales Netzwerk, das es seit 2010 gibt. 2012 wurde es von facebook gekauft. Laut Statista nutzen 15 Millionen Menschen in Deutschland Instagram. 
  • Likes: (engl.: „gefallen“). Nutzer auf Instagram können durch Klicken auf ein Herz ihr Gefallen ausdrücken. Bei Facebook ist es ein „Daumen hoch“. 
  • Mikro-Influencer: Sind Nutzer von Sozialen Netzwerken, die etwa zwischen 5 000 und 100 000 Fans haben. 
  • Selfies: Fotos, von sich selbst, meist mit dem Smartphone aufgenommen. 
  • Stories: Sind Videoinhalte, die für 24 Stunden geteilt und zum Beispiel mit Musik und Text aufbereitet werden können.

Auch Pelle Faust ist Influencer auf Instagram. Er teilt mit hunderttausenden Followern Fotos von Landschaften, bereist spannende Orte der Welt und verdient damit sogar Geld.

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