Allein im Kindergarten

Interview: Wenige Eltern nehmen Kita-Notbetreuung wahr

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In der Kindertagesstätte Löwenhagen werden dieser Tage nur wenige Kinder betreut. 

Wie viele andere Bereiche des öffentlichen Lebens ist auch die Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten zur Zeit auf das Notwendigste beschränkt.

Eltern in systemrelevanten Berufen, wie zum Beispiel Ärzte, Pfleger und Polizisten können ihre Kinder noch betreuen lassen. Wie zum Beispiel in der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte St. Michaelis in Löwenhagen. Wo sonst 45 Kinder ihren Tag verbringen, bieten Leiterin Kerstin Rüberg und ihre vier Kolleginnen nun eine Notbetreuung an. Rüberg leitet auch die Kita Pastorenberg in Dransfeld, mit regulär 50 Kindern und 12 Mitarbeitern. Dort wird derzeit keine Notbetreuung in Anspruch genommen.

Wie viele Kinder betreuen Sie momentan in Löwenhagen?

Aktuell eins. Nächste Woche können es tageweise mal zwei sein. Ich hatte mehr Anmeldungen vorliegen, aber die Eltern haben sie wieder zurückgezogen, weil sie doch andere Betreuungen organisieren konnten oder sich Dienstpläne geändert haben oder sie doch noch Urlaub nehmen konnten. Im Moment leben wir in einem Zustand, in dem sich täglich etwas ändern kann, und das schlägt sich auch in der Notbetreuung wieder. Ich hätte mit mehr Zulauf gerechnet, zumal wir auch Eltern haben, die in den genannten Berufsgruppen tätig sind. Aber da scheinen sich doch alle privat zu organisieren. Ich bin positiv überrascht, wie gut das abgefangen werden konnte.

Gab es Rückmeldungen von den Eltern, denen keine Betreuung mehr angeboten werden kann?

Beschwerden sind bei mir überhaupt nicht aufgelaufen. Letztendlich können wir Erzieherinnen nichts dafür, das ist höhere Gewalt. Ich habe den Eindruck, dass viele den Sinn darin erkennen und es akzeptieren.

Und wie läuft der Alltag mit den Kindern ab?

Es gibt eine Kollegin, die zuständig ist für die Notbetreuung. Das haben wir uns tageweise aufgeteilt. Und die verbringt dann mit dem Kind den Tag hier. In unseren regulären Öffnungszeiten bieten wir eine Betreuung von 7.30 Uhr bis 15 Uhr an. Aber die Eltern, die jetzt hier tageweise eine Betreuung abfragen, die brauchen sie von 8 oder 9 bis 13 Uhr. Eine Eins-zu-eins-Betreuung ist eine außergewöhnliche Situation für uns, vielleicht auch mal ein bisschen langweilig für das Kind allein zu sein.

Wie nimmt das Kind die Situation wahr?

Gestern hat die Kollegin mit dem einen Kind das Thema Hygiene thematisiert, da gibt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kleine Plakate für Kindergartenkinder. Daran war es ganz interessiert. Und ansonsten spielen sie, gehen in den Garten. Corona ist kein dominierendes Thema bei Kindern.

Haben Sie mit den Kindern darüber gesprochen?

Wir haben es vor der Schließung in den Morgenkreisen thematisiert – wie man sich richtig die Hände wäscht und das man in den Ellbogen niest oder hustet. Wir haben dafür Empfehlungen vom Gesundheitsamt und vom Robert-Koch-Institut. Und von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es kindgerechte Piktogramme, die wir aufgehängt haben. Ansonsten kommt es im Kindergartenalter auch viel auf die Vorbildfunktion an. Und es war auch so, dass sich die Kinder gegenseitig darauf aufmerksam gemacht haben, falls es mal nicht so geklappt hat.

Und wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit der Situation um?

Wir nutzen die Zeit für Arbeiten, die sonst immer liegen bleiben, bilden uns fort, räumen unsere Werkstatt auf. Wir nutzen die Zeit so konstruktiv wie möglich. Wenn die Kinder wiederkommen, ist alles tipptop aufgeräumt und dann kann es wiederdurcheinander gebracht werden (lacht).

Zur Person

Kerstin Rüberg (45) ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Uslar. Die staatlich anerkannte Erzieherin arbeitet seit sechs Jahren in Leitungstätigkeit und ist seit November 2019 beim Evangelischen Kindertagesstättenverband Münden angestellt. Sie mag Gartenarbeit.

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