HNA-Markt: Vom Jäger zum Sammler

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Interessant: Kaum hat Dieter Linß die Ordner in der Hand und schon verfliegt die Zeit beim Stöbern.

Als ich damals meine zukünftige Frau fand, wurde ich vom Jäger zum Sammler“, erzählt Dieter Linß lachend. Und was er über die Jahre zusammengetragen hat, zeigt er Interessierten auch gerne mal. Bei jedem Umzug jedoch musste er sich schweren Herzens immer wieder von Teilen seiner Sammlungen trennen.

Dieter Linß, der 76-jährige aus Speele wurde in Schwabhausen in Thüringen geboren. Im Jahr 1956 beschlossen seine Eltern in „ den Westen“ zu gehen und so fuhr er, gemeinsam mit der Familie auf dem Fahrrad über die Grenze, was früher noch möglich war. Im Jahr 1958 begann er eine dreijährige Lehre im Verlag Bärenreiter in Kassel. Während seiner Ausbildung zum Lithografen war eigentlich schon klar, dass der Beruf keine Zukunft hatte. Das, was heute einen einzigen Mouseclick am PC bedeutet, erlernte Linß mühsam unter einem strengen Ausbilder wie zum Beispiel die unterschiedlichen Schriftarten wie Arial, Calibri etc. per Hand zu schreiben, Briefköpfe, Logos Urkunden oder Verpackungen zu entwerfen. Er blieb noch ein Jahr dort und wechselte dann nach Sandershausen zur Firma Zahnwetzer, wo er vierzig Jahre arbeitete. „Dort bin ich mit Grafikern zusammengekommen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Eigentlich war ich „Mädchen für alles“. Von Reprografie über Lithografie zur Bogenmontage bis hin zum Druck habe ich alles gemacht. Fünfzig Prozent der Aufträge waren Etiketten, die ich mitgestaltet habe“.

Liebe zur Karikatur

Während der Zeit entdeckte er auch seine Liebe zur Karikatur. „Wie die Zeichner es schaffen, Haltung und Ausdrucksweise so zu abstrahieren, dass dennoch für den Leser sofort erkennbar wird, welche Person gemeint ist, ist absolut faszinierend. Charakterköpfe wie Kohl, Strauss, Brandt oder Schmidt gibt es heute leider immer weniger“, meint Linß.

Aus verschiedensten deutschen Zeitungen hat Dieter Linß über die Jahre hinweg Karikaturen gesammelt und feinsäuberlich chronologisch in Ordnern gesammelt. „Sie glauben gar nicht, wie unterschiedlich die Umsetzungen und Ausarbeitungen verschiedener Karikaturisten des selben Themas sein kann. In der Familie will es niemand weiterführen und in unserem Alter ist es an der Zeit, sich rechtzeitig von Sachen zu trennen. Ich möchte einfach, dass die Sammlung in Hände gelangt, deren Besitzer sie wertschätzen. Für mich ist jede einzelne Karikatur ein Meisterwerk“, meint er.

Fünf Aktenordner mit politischen Karikaturen stehen derzeit zum Verkauf. „Ich würde aber auch die vier Ordner mit zwischenmenschlichen Karikaturen abgeben. Über den Preis kann man reden. Im Jahr 1996 war ich auf einer Reise in der Tschechoslowakei und was kaufe ich mir dort? Einen Band mit Karikaturen. Der war so raffiniert gemacht, den musste ich einfach mitnehmen“, sagt Linß.

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HNA-Markt: Vom Jäger zum Sammler

Doch nicht nur der Karikatur gehört sein Sammlerherz. Er ist Mitglied in einem internationalen Tauschzirkel für Briefmarken. „Ich hatte mir irgendwann mal vorgenommen, aus jedem Land dieser Erde einen Brief zu bekommen. Fünf- bis sechstausend Briefe habe ich im Laufe der Jahre bekommen. Das Problem ist, dass auch Länder sich verändern und neue entstehen. Zudem ist es auch ziemlich kostspielig, da man selbst auch Marken verschickt“.

Künstlerische Ader

Die künstlerische Ader war ihm von Kindheit an gegeben und ist bis heute sein Hobby geblieben. Zeichnete er mit 14 Jahren schon das Porträt von Karl Marx so sind es heute die Gesichter seiner Familie oder Tierporträts, die er in Pastellfarben lebensecht auf Papier bringt. Einmal Sammler, immer Sammler. Und wenn es Steine aus dem Urlaub sind.

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