Vor 75 Jahren Angriff auf Scheden: „Plötzlich knallte es, Scheiben klirrten“

Erinnert sich, als wenn es gestern gewesen wäre: Theodor Beuermann war als Zehnjähriger hautnah dabei und erzählt, wie er den Angriff erlebte. Foto: Schröter

Scheden. Es gibt Tage im Leben, die vergisst man nie. Der 26. Juli 1940 ist so ein Tag. Der Tag, an dem drei Bomben auf das beschauliche Scheden fielen. Am Sonntag jährt sich dieser Tag zum 70. Mal. Und Theodor Beuermann erinnert sich daran, als wenn es gestern gewesen wäre.

„Meine Geschwister und ich wollten gerade ins Bett gehen“, erzählt Beuermann, der damals zehn Jahre alt war „Es war so gegen 23.30 Uhr, als wir ein lautes Motorengeräusch hörten“, so Beuermann. „Plötzlich knallte es. Bumm! Fensterscheiben klirrten. Dann in kurzen Abständen noch zweimal bumm. Dann war Ruhe.“

Sprengbomben

Es war der erste Luftangriff, den die Menschen in Scheden hautnah miterleben mussten. Drei Sprengbomben, deren Ziel ein in Richtung Göttingen fahrender Personenzug war, waren abgeworfen worden.

Die erste Bombe fiel auf den Bahndamm unterhalb der Brekelieth, nur 50 Meter vom damaligen Bahnwärterhäuschen entfernt. Die zweite fiel auf die Flüthe, im Flüthefeld unterhalb der alten Siedlung, und hinterließ dort einen tiefen Krater. Sie zerstörte die Hochspannungsleitung und eine Drahtseilbahn.

Die dritte Bombe fiel dann unterhalb des Kommunalwegs. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu schaden. Auch Gebäude wurden nicht getroffen.

„Auch wenn das alles natürlich sehr aufregend war, hatte ich damals keine Angst“, sagt Theodor Beuermann. Auch seine Großeltern, seine Mutter und seine Geschwister, die alle unter einem Dach lebten, seien „relativ gelassen“ geblieben. „Ich wäre aber am liebsten gleich losgerannt und hätte geguckt, was da passiert ist“, erinnert sich der 80-Jährige. Das aber sei ihm so spät abends natürlich verboten worden.

Als Beuermann und einige andere Jugendliche aus dem Dorf dann am nächsten Tag gerade den Krater im Flüthefeld bestaunten, kam ein Bus angefahren. „Heraus strömten 30 Männer in braunen Uniformen und haben uns sofort verjagt“, erzählt Beuermann. „Die hatten wahrscheinlich Angst, dass wir den Bombentrichter klauen“, sagt er lachend.

Im Dorf sei anschließend nur hinter vorgehaltener Hand über den nächtlichen Bombenangriff gesprochen worden. „Schließlich hatte Hermann Göring nur wenige Tage zuvor in einer Rede an das deutsche Volk lauthals verkündet, er hieße Hermann Meier, wenn nur ein feindliches Flugzeug deutsches Gebiet erreichen würde“, so Beuermann.

„Kein Wunder also, dass dieser Angriff in der Öffentlichkeit nie breitgetreten wurde.“ (per)

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