Bildhauer aus Wibbecke restauriert Werke des Mündener Künstlers für Berliner Königin-Luise-Ausstellung

Joseph lässt Eberlein auferstehen

Bildhauer Erhard Joseph bei der Arbeit an den Eberlein-Skulpturen: Die Gruppe „Napoleon und Königin Luise in Tilsit“ muss bis Ende Februar für eine Ausstellung in Berlin fertig gestellt sein. Auch der kaputte Fuß des Kaisers (Foto rechts) wird repariert sein. Fotos: Niessen

Hann.Münden. Der Ton darf nicht so schnell trocken. Deshalb hat Bildhauer Erhard Joseph den Kopf von Kaiser Napoleon mit einem Handtuch verhüllt. Vorsichtig nimmt er das Tuch ab. „Der Kopf der Eberlein-Statue hat gefehlt. Ich habe ihn jetzt nachmodelliert. Ein bisschen muss ich noch daran arbeiten.“

„Ich habe schon über 70 Werke von Gustav Eberlein restauriert.“

ErHARD JosepH

Der 62-Jährige aus Wibbecke (Landkreis Göttingen) hat in der kalten Zeit in einem Atelier der Musa in Göttingen Quartier bezogen. Dort restauriert er nicht nur Napoleon sondern auch die schöne Luise, Königin von Preußen, an deren 200. Todestag in diesem Jahr mit großen Ausstellungen erinnert wird. „Napoleon und Königin Luise in Tilsit“, so der Name des Werks, müssen Ende Februar fertig gestellt sein.

Vom 6. März bis 30. Mai ist das überlebensgroße Paar Teil der Ausstellung „Luise - Leben und Mythos der Königin“ im Schloss Charlottenburg in Berlin. Über 200 Gemälde, Skulpturen und historische Dokumente laden zu einer Annäherung an das Leben und Nachleben der Königin ein.

Noch stehen beide aber im Atelier. Der Kopf von Napoleon hat noch nicht die richtige Ausstrahlung, findet Erhard Joseph. Bei der Neugestaltung kann er sich nur nach Fotos richten, deren Qualität allerdings zu wünschen lässt. Da ist das Fingerspitzengefühl des Künstlers gefragt.

Doch der drahtige Mann hat Erfahrung damit. „Ich habe schon über 70 Werke von Gustav Eberlein restauriert“, berichtet er.

Eberlein (1847-1925) war in der Kaiserzeit in Berlin einer der am meisten beschäftigten Künstler. Ein Star des 19. Jahrhunderts, der auch als Maler und Schriftsteller bekannt war.

Über 300 Gips-Originale vermachte Gustav Eberlein seiner Heimatstadt Hann. Münden, die Anfang der 1960er Jahre nichts Besseres zu tun hatte, mehr als die Hälfte davon zu vernichten. Dank der Initiative von Prof. Rolf Grimm (Hemmingen) konnten sie in der 1980er und 1990er Jahren zum Teil gerettet werden und stehen heute unter anderem im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Während Napoleon noch Arbeit erfordert, hat Erhard Joseph Königin Luise bereits ihre alte Schönheit zurückgegeben. „Ende Februar werde ich beide nach Berlin bringen“, ist er optimistisch, die aufwändige Restauration termingerecht zu beenden.

Von Hans-Peter Niesen

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