Pflanzprojekt

Jugendliche kümmern sich um junge Eichen in Hann. Münden

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Im Eichenpflanzgarten: Felix Thiel betreut als FÖJler das Projekt am Waldpädagogikzentrum.

Sie hocken an den Beeten und zupfen Unkraut zwischen jungen Eichenpflänzchen: Das ist nicht unbedingt eine Arbeit, die Jugendlichen großen Spaß macht, aber sie ist wichtig.

Das ist nicht unbedingt eine Arbeit, die Jugendlichen großen Spaß macht, aber sie ist wichtig. Und das lernen die Schulklassen, die das Waldpädagogikzentrum Göttingen, Haus Steinberg (WPZ), nutzen, im Wald über Hann. Münden aus erster Hand und sehr anschaulich. In direkter Nähe zum Eichenpflanzgarten sind Kahlflächen im Wald, wo nach Sturm, Trockenheit und Borkenkäferbefall Fichten gefällt werden mussten. Da sieht man ohne große Erklärungen, dass nachgepflanzt werden muss.

Große Holzpolter liegen an den Wegrändern, und auch zwei Folienlager, in denen geschlagenes Holz für einen späteren Verkauf konserviert wurde, befinden sich nur wenige Meter neben dem Garten. Deutlicher kann kaum werden, dass der Wald neue Bäume braucht. Und dann nimmt man das Unkrautzupfen in Kauf. Bald werden die kleinen Eichen groß genug sein, um den Boden so zu beschatten, dass keine Kräuter mehr nachwachsen.

Im Eichengarten auf dem Steinberg hatten Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr 70 000 Eicheln in 450 Metern Beet gepflanzt. Und von denen sind über 70 Prozent aufgegangen, sagt WPZ-Leiterin Jennifer Sechtling. Das sei enorm, denn normalerweise erwarte man eine Keimrate von 30 bis 40 Prozent, ergänzt Felix Thiel. Er absolviert beim WPZ sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und betreut den Pflanzgarten als Projekt. Das ist ihm sichtlich ans Herz gewachsen, immer wieder habe er nachgeschaut, ob es dem Eichennachwuchs gut geht, ob nicht später Frost den Bäumchen geschadet hat.

In Sachen Frostschutz habe man mit Sand und mit Sägespänen experimentiert. Fazit: Sägespäne eignen sich gut, da sie nicht zu einer festen Masse aushärten. Gegen Wildverbiss schützt ein Zaun den Garten. Entlang des Zauns verhindern dicke Steine, dass Wildschweine sich hindurchwühlen. Ganz nebenbei finden Eidechsen die Steine gut, und dort, wo keine jungen Eichen wachsen, dürfen auch Wildkräuter und Blumen sich ausbreiten, eine Insektenweide ist außerdem angelegt. Die Fachleute von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt hätten viele nützliche Tipps fürs Pflanzen gegeben. Jetzt stehen die etwa 15 Zentimeter hohen Eichen so dicht, dass man sie vermutlich sogar ausdünnen muss. 

Auch 1000 Ahornbäumchen wachsen auf dem Gelände. 2021 werden die Bäumchen aus dem Pflanzgarten groß genug sein, um ausgepflanzt werden zu können. Die Versuchsanstalt werde mit einem Spezial-Pflug kommen, um sie aus dem Boden zu heben, ohne die Wurzeln zu beschädigen. Die im Hochbeet und im Gewächshaus angezüchteten Eichen seien sogar schon größer und können früher Lücken füllen. 

Für die Schüler sei das Projekt eine Möglichkeit, den Umbau des Waldes und die Wiederaufforstung nach Stürmen und Borkenkäfer praktisch mitzuerleben, so Sechtling. Sie sollen ein Gefühl bekommen für das „Lebewesen Baum“, den langen Prozess vom Saatgut zum Baum erfahren.

Dadurch, dass sie selbst dafür sorgen, dass der Wald wieder wächst, lernten die Schüler den Wald besonders schätzen und schützen, so Thiel, das sei für die Zukunft des Waldes von unschätzbarer Bedeutung.

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