Mündener Ansichten

Kaiserin ehrte die Kriegsverwundeten im Haus Weserland

Schnappschuss des Tages. Kaiserin Auguste Viktoria vor angetretenen Verwundeten am „Haus Weserland“. Gute Worte, ein Kaiserbild und ein Sträußchen inklusive.
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Schnappschuss des Tages. Kaiserin Auguste Viktoria vor angetretenen Verwundeten am „Haus Weserland“. Gute Worte, ein Kaiserbild und ein Sträußchen inklusive.

Während des Ersten Weltkriegs war das Haus Weserland ein Lazarett für Kriegsverwundete. Diese erhielten hohen Besuch von Kaiserin Auguste Viktoria.

Hann. Münden – Sie war die Frau an der Seite des letzten deutschen Kaisers. 1881 wurde die Ehe zwischen der Prinzessin zu Schleswig und Holstein-Sonderburg-Augustenburg und dem Prinzen Wilhelm geschlossen, der 1888 König von Preußen und Kaiser des Deutschen Reiches wurde. Ihr Mann, Kaiser Wilhelm II., versuchte Deutschland einerseits Weltgeltung zu verschaffen, brüskierte vor allem aber mit seiner Flottenpolitik Großbritannien und trieb damit einen Keil in seine eigene Familie, dessen Mutter Victoria, eine englische Prinzessin und wiederum eine Tochter der Queen Victoria war.

Kaiserin Auguste genoss im Volk hohes Ansehen. Sie engagierte sich christlich und sozial. Zahlreiche Schirmherrschaften, unter anderem in der deutschen Sektion des Roten Kreuzes und dem Vaterländischen Frauenverein steigerte ihre Popularität. Im Schloss Wilhelmshöhe weilte sie mit der kaiserlichen Familie fast jeden Sommer. Wenn der Hof-Zug von Potsdam nach Kassel oder zurückfuhr, war Aufregung in der Stadt.

Honoratioren und Schülergruppen im besten Gewand standen erwartungsvoll am Bahnsteig, um einen Blick zu erhaschen. Mit dem Automobil ließ sie sich durch die schöne Umgebung und auch durch Münden chauffieren. Ihr letzter Besuch unserer Stadt stand unter ganz anderen Vorzeichen.

Im August 1914 taumelte Europa in einen Weltkrieg, dem kein schneller Sieg folgte. Erstmals gruben sich Armeen in den Schlamm einer granatenzerfurchten Landschaft Frankreichs und Belgiens ein. Auch im Osten, von der Ostsee bis nach Palästina und den Alpen flammte der Krieg an vielen Stellen auf.

1916 entschied sich die Oberste Heeresleitung für einen Angriff auf die französische Festungslinie vor Verdun. Regimenterweise stürmten Truppen in das Abwehrfeuer. Im November 1914 stellte der Verband Deutscher Lokomotivführer das „Haus Weserland“ als Lazarett zur Verfügung. Man bilanzierte im August 1916 670 Aufnahmen. Sicherlich hatten die hier Aufgenommenen gute Rahmenbedingungen für die Behandlung. Am 1. August 1916 erschien die Kaiserin zu Besuch.

In Begleitung von Hofbeamten hatte sie den Weg von Wilhelmshöhe im Kraftwagen zurückgelegt. Ein Hupensignal verkündete das Herannahen des kaiserlichen Autos. Der Wagen fuhr in den Garten des Erholungsheims. Hier begrüßten die hohe Frau zunächst örtliche Honoratioren sowie die Schwester des Heimes, Fräulein Johanne Gründel, die ihrer Majestät einen prächtigen Blumenstrauß überreichte, anschließend verschaffte sich die Kaiserin einen Überblick über das Haus.

Kaiserin Auguste Viktoria in einer Ansichtskarte des Jahres 1905.

„Nun ließ sie sich zu den Verwundeten geleiten, die sich vor dem Hause aufgestellt hatten. 49 Soldaten, darunter 2 Offiziere, konnten sich des hohen Besuches erfreuen. In ihrer gütigen Art hatte die Kaiserin für jeden Einzelnen ein paar freundliche Worte. Die Verwundeten nannten ihren Namen, Regiment, Art der Verletzung, die Kämpfe an denen sie teilgenommen und die hohe Frau, die jedem der Soldaten die Hand reichte, nahm als echte Landesmutter an dem Ergehen der Krieger warmen Anteil und verriet dabei auch genaue Kenntnis über die einzelnen Regimenter und ihre Taten während des Weltkrieges. Außer durch ihre huldvollen Worte erfreute die Kaiserin auch jeden der Soldaten noch durch Überreichung eines Kaiserbildes und eines Sträußchens.“

So schilderten es die Mündenschen Nachrichten. Nach einer guten Stunde trat sie die Heimreise an und ließ noch vor dem Reserve-Lazarett „Turnhalle“ in der Parkstraße halten, wo sie ausgewählte Verwundete in gleicher Weise ehrte.

Das Sträußchen verwelkte und das Kaiserbild? Das Herrscherpaar trat im November 1918 die Reise in das niederländische Exil an. Die Hypothek des Zusammenbruchs zahlte die erste deutsche Republik. (Stefan Schäfer)

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