Ortsheimatpfleger Czichelski macht sich für den Baum am Weserstein stark

Kampf für alte Kastanie

Imposante Erscheinung: Die Rosskastanie am Zusammenfluss von Fulda und Werra.

Hann. Münden. Für Ortsheimatpfleger Martin Czichelski ist es keine Frage: „Ein solcher Baum muss ein Naturdenkmal bleiben.“ Als der Weserstein 1899 aufgestellt wurde, hatte man auch die Rosskastanie gepflanzt. Seit 111 Jahren steht der Baum am Zusammenfluss von Werra und Fulda.

Jetzt wolle der Landkreis die Kastanie aus der Liste der Naturdenkmale streichen. Dagegen zieht der Heimatpfleger zu Felde. Die alte Rosskastanie stehe an herausragender Stelle. „Jeden Tag kommen Menschen hierher, um den Zusammenfluss zu sehen. Die Symbole hierfür sind der Weserstein und die Kastanie“, meint Czichelski. Beide seien das am meisten aufgesuchte Ziel in Münden. Das Ensemble sei für die Stadt und die Region herausragend.

Naturdenkmale haben eine Symbolik, sie sind etwas Besonderes und sie stehen an außergewöhnlichen Orten. „All dies trifft auf die Kastanie zu“, betont der Ortsheimatpfleger. Welchen Stellenwert der Baum habe, werde auch aus einer anderen Tatsache deutlich: Als die Rosskastanie 2005 zum Baum des Jahres erklärt wurde, galt das Exemplar am Weserstein als Musterbeispiel. Es wurde fotografiert und für Poster und andere entsprechenden Veröffentlichungen zum Baum des Jahres verwandt.

Die Auswahl sei auf das Exemplar auf dem Tanzwerder gefallen, weil es allein stehe und an einem historisch interessanten Ort wachse. Außerdem habe der Baum eine „super typische Krone als Kastanie ausgebildet“, die Kastanie sei eine Königin ihrer Art.

Die brauchte vor Jahren allerdings Hilfe durch einen Baumdoktor. Der Experte habe die Kastanie 1984 begutachtet und saniert beziehungsweise durch technische Hilfsmittel im Kronenbereich gefestigt, sagt Czichelski. Die Kosten wurden von Mündenern getragen. Jetzt sei die Kastanie „Gott sei Dank gesund“.

Dass der Landkreis die Liste der Naturdenkmale überprüfe, ist nach Meinung des Heimatpflegers völlig in Ordnung. Manche Bäume der alten Liste gebe es inzwischen nicht mehr. Aber dass die Weserstein-Kastanie „jetzt auf kaltem Wege“ aus der Naturdenkmal-Verordnung herausgenommen werde, dürfe nicht sein.

Czichelski vermutet hinter der Entscheidung finanzielle Gründe. Würde erneut eine Sanierung des Baums anstehen, müsse der Landkreis nicht zahlen. Anders als bei einem Naturdenkmal, wo er in der Regel 50 Prozent der Kosten übernehme.

Seine Kritik an der Entscheidung des Landkreises mit der Forderung, diese zurückzunehmen, hat Czichelski der Stadt schriftlich mitgeteilt. Dort ist man seiner Meinung. „Die Kastanie ist ein Naturdenkmal erster Ordnung“, betont Pressesprecherin Julia Bytom. Der Baum müsse wieder in die Liste aufgenommen werden.

Gleiches will die Stadt bei neun weiteren Naturdenkmalen erreichen, die gestrichen wurden: bei fünf in Laubach, zweien in Hemeln, einem in Oberode sowie bei der Dörr-Eiche in Münden. (mic)

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