Die Borkenkapelle auf dem Doktorwerder hat eine bewegte Vergangenheit

Kapelle als Pausenraum

Besonders hübsch im Herbstlicht: Die Borkenkapelle mit ihren markanten Holzsäulen. Foto: Franz

Hann. Münden. Die meisten Passanten gehen vorüber, ohne das bemerkenswerte Bauwerk richtig wahrzunehmen: Ganz versteckt liegt es am Wegesrand hinter einer hohen Hecke – das Borkenhäuschen auf dem Doktorwerder in Hann. Münden.

Selbst wenn das Haus, dessen Fassade fast ausschließlich mit Borke verkleidet ist, von Spaziergängern gesehen wird, können sie es nur von weitem bestaunen. Es steht auf einem Grundstück des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) und ist nicht frei zugänglich.

Früher diente die Borkenhütte einmal als Kapelle, in der kleinere Gottesdienste abgehalten wurden. Heute nutzt sie das WSA Münden nur noch gelegentlich als Aufenthaltsraum für Mitarbeiter, berichtet Andrea Rabini vom WSA.

Das eingeschossige Fachwerkhaus mit dem steilen Satteldach und einer Grundfläche von etwa 5,90 Metern mal sechs Metern wirkt zunächst unscheinbar. Doch der Schein trügt, denn das Gebäude hat eine interessante Vergangenheit:

Im Jahre 1798 erwarb der Kaufmann und Kaffeegroßhändler Friedrich-Karl-Wilhelm Freytag den Doktorwerder. 1808 veranlasste Freytag den Bau der Borkenhütte. Diese sollte für seine Frau als katholische Privatkapelle dienen, da seit der Reformation keine katholischen Gottesdienste mehr in Hann. Münden abgehalten wurden. Die Außenwände ließ der Kaufmann mit Eichenborke verkleiden und das an der Eingangsseite eineinhalb Meter herausragende Dach mit auf vier Felsblöcken stehenden Baumstämmen stützen. Nach Fertigstellung der kleinen Kapelle im selben Jahre, hielt ein Pastor aus der katholischen Gemeinde Göttingen erstmalig wieder Messen und Gottesdienste in Münden ab. Das geht aus alten Unterlagen der Stadt und der Bezirksregierung Braunschweig hervor.

Nachdem Freytag im Jahre 1814 Konkurs ging, gab es verschiedene Nachbesitzer des Borkenhäuschens. Jeder nutzte die ehemalige Kapelle für andere Zwecke. Der Bremer Hotelier Meyer zum Beispiel verwendete das Haus als Mittelpunkt eines Gartencafés.

Alle Nachbesitzer pflegten das Bauwerk mit großer Hingabe, denn bis heute ist die ehemalige Kapelle in sehr gutem Zustand.

Im 20. Jahrhundert bis einschließlich 1981 wurde die Borkenhütte als Betriebsgebäude für die Werraschleuse verwendet. Heute dient das Gebäude in den Sommermonaten als Pausenraum für Mitarbeiter des WSA. So ist das Innere sehr schlicht gehalten ist. Neben einem großen Tisch und Stühlen steht der Innenraum heute leer.

Doch eines steht fest: Bei einem Spaziergang über den Doktorwerder kurz zu verweilen und sich die kleine Borkenkapelle anzusehen lohnt sich, denn mit ihrem gut erhaltenen und holzverkleideten Äußeren ist sie eine wirkliche Sehenswürdikeit.

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