Ganztagsbetreuung ab Januar

Kita Pastorenberg in Dransfeld findet Erzieher für freie Stelle

Kita Pastorenberg: Elternvertreter Mario Peschke, Stefanie Golke und Christiane Salfeld
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Haben die freie Erzieherstelle beworben: Mario Peschke, Stefanie Golke und Christiane Salfeld sind Elternvertreter der Kita Pastorenberg in Dransfeld.

Ein halbes Jahr lang haben Träger und Eltern der Kita Pastorenberg in Dransfeld einen Erzieher gesucht. Nun kann die freie Stelle endlich besetzt werden.

Dransfeld – Erleichterung herrscht in der Kita Pastorenberg in Dransfeld. Nach einem halben Jahr Personalmangel soll ab Januar eine neue Fachkraft die Ganztagsbetreuung sicherstellen. Seit Mitte Dezember arbeitet sich der neue Erzieher ein. Damit geht eine belastende Zeit für Personal, Eltern und Kinder zu Ende. Denn wegen einer fehlenden Betreuungsperson wurde seit Oktober das Ganztagsangebot von 8 bis 15 Uhr auf eine Notbetreuung bis 13 Uhr eingeschränkt. Zehn von 29 Kindern mussten deshalb früher als vertraglich vereinbart abgeholt werden.

Für viele Eltern führte das zu Konflikten mit dem Arbeitgeber und existenziellen Problemen, wie die Elternvertreter Mario Peschke, Stefanie Golke und Christiane Salfeld berichten. So hätten sie ihre Kinder teils nicht in die Kita bringen können, teils kurzfristig früher abholen müssen. Alleinerziehende und Eltern im Schichtdienst habe das besonders hart getroffen, in diesen Fällen bliebe nur das Sammeln von Minusstunden. Für Selbstständige bedeute es hingegen einen Verdienstausfall. Eltern im Homeoffice hätten die Zeit besser ausgleichen können und zu Gunsten anderer Eltern die Betreuungszeiten privat abgefangen.

Trotz der hohen Belastung für die Familien haben die Elternvertreter nach eigenen Angaben auch Verständnis für die Betreuer, die ebenfalls unter dem Personalmangel leiden, sowie für den Träger, der aufgrund des bundesweiten Fachkräftemangels lange nach Personal suchen musste. Aber: „Das Thema ist noch nicht vom Tisch. So eine Situation, wie wir sie jetzt hatten, brauchen wir nicht noch einmal“, betont Mario Peschke. Zum einen herrsche in umliegenden Kitas weiterhin Personalmangel. Auch diese Stellen müssten schnell besetzt werden, damit sich die Einrichtungen im Notfall untereinander aushelfen können. Zum anderen gelte es, ein Konzept für die langfristige Mitarbeitergewinnung zu erarbeiten. Das hofft er bei einem Runden Tisch aus Elternvertretern, Samtgemeinde und dem evangelisch-lutherischen Kitaverband Münden klären zu können.

Fachkräftemangel erschwert Stellenbesetzung

„Wir sehen schon seit Längerem, dass die Zahl an Fachkräften deutlich abnimmt“, berichtet Pastorin Almuth Wiesenfeld, Vorsitzende des Kitaverbandes. Bewerbungsprozesse seien langwieriger und es meldeten sich nur wenige Interessenten, die zudem nicht alle die nötige Qualifikation vorweisen könnten. Zudem hätten viele Fachkräfte selbst Kinder und wollten deshalb Teil- statt Vollzeit arbeiten. Die neun evangelischen Kitas im Kitaverband hätten sich bei Personalmangel in der Vergangenheit oft aushelfen können. Da aber derzeit in vielen Einrichtungen Stellen unbesetzt, Betreuer krank seien und Coronabeschränkungen gelten, sei das aktuell nicht wie gewohnt möglich.

Von einem strukturellen Problem sprach auch Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers bei der jüngsten Schulausschusssitzung. Die Samtgemeinde könne genügend Geld und Räume für Kitas zur Verfügung stellen, allein der Fachkräftemangel sorge für Engpässe. Das hänge auch mit den Ausbildungsbedingungen zusammen, die den Beruf des Erziehers unattraktiv machten – Erzieher erhalten während der ersten zwei Jahre ihrer schulischen Ausbildung kein Gehalt, erst während des praktischen Anerkennungsjahres erhalten sie eine Vergütung.

Viele Freie Stellen im Agenturbezirk Göttingen

Laut Agentur für Arbeit Göttingen waren 2021 61 Stellen in der Kinderbetreuung ausgeschrieben, mit einer durchschnittlichen Vakanzzeit von 171 Tagen (Stand November). Im Vergleich dazu waren es 2017 noch 44 Stellen und 72 Tage von der Ausschreibung bis zur Besetzung eines Postens. Zugleich ist die Zahl der Beschäftigen in der Branche in den vergangenen fünf Jahren stetig gestiegen. So gab es 2017 2878 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Branche, 2021 waren es schon 3315. 

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