Klima im Wandel

Zurück in den Naturzustand: Die Eiche ist in der Region Hann. Münden der Baum der Zukunft

Der Bramwald unweit von Hann. Münden. Stürme haben große Löcher in ihn gerissen. Förster Marten Eickhoff (links) und Martin Nitsche stehen dort
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Anblicke wie diese sind in den Wäldern in der Region die Regel geworden. Die Förster Marten Eickhoff (links) und Martin Nitsche stehen dort, wo noch vor einigen Jahren viele Fichten standen. Die Nadelbäume im Hintergrund sind Lärchen, die trotz der Stürme stehen geblieben sind.

Im Laufe der Coronakrise hat eine weitere globale Krise weniger Beachtung erhalten: Der Klimawandel. Wir stellen vor, welche Auswirkungen und Initiativen es in der Region Hann. Münden gibt.

Ellershausen – „Der Bestand geht gegen Null“, sagt Förster Marten Eickhoff zur Anzahl der Fichten im Revier Ellershausen, das östlich von Hemeln liegt. Der Klimawandel hat dort in den vergangenen drei Jahren seine Spuren hinterlassen. Eickhoff sieht dadurch aber auch eine Chance für die Wälder.

Ursachen

„Vor drei Jahren waren hier im Wald noch rund 30 Prozent der Bäume Fichten“, sagt Eickhoff. Ausgemachter Verursacher des Fichtensterbens ist der Borkenkäfer, doch das ist laut Eickhoff nur die halbe Wahrheit. „Wir hatten seit 2018 drei sehr trockene und stürmische Jahre. Durch den wasserarmen Boden waren die Fichten sehr geschwächt“, erklärt Eickhoff. „Davon konnten sie sich nicht erholen.“

Die geschwächten Bäume waren dann ein gefundenes Fressen für den Buchdrucker, eine Unterart des Borkenkäfers, die sich auf Fichten spezialisiert hat, sagt Martin Nitsche, Naturschutz-Förster der Niedersächsischen Landesforsten. „Wenn in der Natur etwas schwächelt, freut sich etwas anderes“, ergänzt Eickhoff.

Fraßspuren des Borkenkäfers: Martin Nitsche zeigt die querverlaufenden Linien, die die Larven des Schädlings hinter der Fichtenrinde verursacht haben. Der Baum ist bereits zum Fällen markiert.

Was erschwerend hinzukommt: „Der Boden hier im Bramwald ist eigentlich nicht für Fichten geeignet. Er ist sehr tonhaltig, weshalb die Fichten mit ihren flachen Wurzeln nicht tief genug im Boden verankert sind“, sagt Eickhoff. Das Resultat: „Als dann 2018 und 2019 die Stürme kamen, blieben viele Bäume stehen, sogar die Lärchen. Nur die Fichten nicht.“

Die Fichten sind noch aus den Nachkriegsjahren, als die Wälder stark niedergerodet waren. Die Fichten seien gepflanzt worden, weil sie wesentlich schneller wachsen. „Wofür eine Fichte so um die 60 bis 80 Jahre braucht, braucht eine Eiche schon mal gut 200 Jahre“, sagt Nitsche. „Aber damals hatten die Förster natürlich nicht den Wissenstand, den wir jetzt haben.“

Lösungen

Heute wissen die Förster, dass für die hiesigen Bodenverhältnisse die Eiche mit ihrer tiefergreifenden Pfahlwurzel am besten geeignet ist. „Die Eiche ist eine klare Gewinnerin des Klimawandels“, sagt Eickhoff. Seit 2019 werden deshalb auf den vielen neu entstandenen Freiflächen junge Eichen gepflanzt, „zwischen 8000 und 10 000 pro Hektar“, wie Eickhoff sagt. „Man kann sagen, dass der Wald mit einem harten Schlag in seinen Naturzustand versetzt wird.“ Der Förster hätte sich allerdings einen langsameren Hergang gewünscht.

„Wir versuchen, die Prozesse zu beschleunigen, weil der Wandel auch sehr schnell ist“, sagt Nitsche. Deshalb seien etwa fünf bis sieben Jahre alte Eichen gepflanzt worden. „Die sind schon um die 1,20 Meter hoch, da kommen Rehe nicht mehr an die höchsten Triebe“, erklärt Eickhoff. Dafür müsse man aber etwas schwächere Wurzeln in Kauf nehmen.

Herausforderungen

Viele junge Eichen wurden von Marten Eickhoff und seinen Kollegen auf den Freiflächen im Bramwald gepflanzt. Die Eichen auf unserem Bild sind etwas mehr als fünf Jahre alt.

Kleinere Eichensetzlinge müssen jedoch mit Zäunen vor Rehen geschützt werden, sagen die Förster. Doch nur Monokulturen an Eichen seien auch nicht das Ziel. Einige der Fichtenfriedhöfe wachsen jedoch schneller auf natürliche Weise zu, als die Förster reagieren können. „Farn und Brombeeren sind da nicht so gern gesehen, weil sie Bäumen Platz und Licht zum Wachsen nehmen“, sagt Nitsche. Diesen Pflanzen sei wenig entgegenzusetzen. Dort, wo sich gewünschte Bäume wie Vogelbeere, Pappel und Birke ansiedeln, müsse man dann im nächsten Jahr die Verhältnisse regulieren, sagt Nitsche.

„Die Moore sind Verlierer des Klimawandels“

Durch den Klimawandel bedroht sind nicht nur einzelne Tier- oder Pflanzenarten, sondern auch ganze Gebiete. Dazu zählen die Moore, wie zum Beispiel das 1000 Quadratmeter große Hangmoor im Ellershäuser Bramwald. „Die Moore sind Verlierer des Klimawandels“, sagt Martin Nitsche, Naturschutz-Förster der Niedersächsischen Landesforsten. Die feuchten Gebiete haben mit den zunehmend trockeneren Witterungen zu kämpfen.

Förster Martin Nitsche zeigt das Torfmoos aus dem Hangmoor im Bramwald.

„Moore sind ein Kohlenstoffdioxid-Speicher“, sagt Nitsche. Vertrocknen die Moore, werde das Gas freigesetzt. Das saure Gas kommt deshalb in den Boden der Moore, weil das für Moore typische Torfmoos das Regenwasser filtert. „Das Moos stirbt von unten ab, aus den verrottenden Resten entsteht dann Torf“, sagt Nitsche. Wenn man Torf verbrennt, stoße es sogar noch mehr Kohlenstoffdioxid aus als Kohle. Die Handvoll Moos, die der Förster aus dem Boden gezogen hat, könne er einfach so wieder reinstecken. „Das Torfmoos hat keine Wurzeln und ist daher sehr mobil“, sagt er. Deshalb könne das Torfmoos seinen Lebenskreislauf auch an einer anderen Stelle im Moor fortführen.

Um das Hangmoor weiterhin möglichst feucht zu halten, werden die dort wachsenden Bäume regelmäßig zurückgeschnitten, sagt Nitsche, „damit sie weniger Wasser aus dem Moor ziehen.“

Torf ist ein guter Wasserspeicher und wird deshalb gern als Zusatz zur Blumenerde genutzt, sagt Nitsche. (William Abu El-Qumssan)

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