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Staufenberg: Feilschen um mehr Lärmschutz

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Von: Jens Döll

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Stau zwischen Lutterberg und Kassel: Durch die Baustelle bei Kassel ist das auf der A 7 aktuell kein seltenes Bild.
Nicht nur bei Stau: Die Autobahn 7 (A7) ist eine große Lärmquelle, die die Gemeinde Staufenberg trifft. (Archivfoto) © Archiv-Foto: Helmut Kirschmann

Lärm ist eine ständige Belastung. Kommunen müssen darum einen Lärmaktionsplan ausarbeiten. Dieser kam lange in Staufenberg nicht voran, nun scheint wieder Bewegung zu herrschen.

Staufenberg - Die Gemeinde Staufenberg ist im Verzug, sie muss dem Land Niedersachsen einen Lärmaktionsplan (LAP) vorlegen. Diesem Ziel ist man nun näher gekommen.

Staufenberg: Gemeinde arbeitet Lärmaktionsplan aus

„Wir dachten, wir schaffen das ohne Hilfe“, gab Bürgermeister Bernd Grebenstein bei der jüngsten Ratssitzung zu. Bei dieser stand der Plan auf der Tagesordnung. Unterstützung hatte sich die Verwaltung beim Planungsbüro PGT Umwelt und Verkehr GmbH aus Hannover geholt. Geschäftsführer Dipl.-Ing. Heinz Mazur war im Rathaus Landwehrhagen, um die Auswertung vorzustellen. Größter Lärmfaktor in der Gemeinde sei die Autobahn 7 (A 7), der Lärm betreffe die Ortsteile Landwehrhagen, Lutterberg und Benterode. Die Auswertung, die dem Aktionsplan zugrunde liegt, bezieht sich auf die Daten des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim (GAA).

Mazur zeigte auf, wie ein solcher LAP erstellt wird und präsentierte den Ratsmitgliedern mehrere Vorschläge zur Minderung des Lärms, die aufzunehmen seien. Dazu gehören: Prüfung der Höhe der Lärmschutzwände bei Landwehrhagen und Gespräche mit der Deutschen Bahn wegen der Planung der Kurve Kassel. Zudem noch das Aufbringen von lärm-reduzierendem Asphalt auf der A 7 und ein Tempolimit nachts. Ob es dann umgesetzt wird, so Mazur, sei nicht sicher, aber durch den Aktionsplan könne die Gemeinde an die Baulastträger herantreten und über die Umsetzung verhandeln. Auch könne die Gemeinde beantragen, dass weitere Straßen ins Untersuchungsgebiet aufgenommen werden. Dies sei dann für die nächste, die vierte Stufe, des Lärmaktionsplans im Jahr 2024 wichtig. 2019 war der Entwurf eines Lärmaktionsplanes gescheitert. Ein Plan war aufgelegt worden, es hat zahlreiche Einwendungen von Bürgern gegeben.

Staufenberg: Planung blieb 2019 stecken

Unter anderem wurde die angenommene Verkehrsmenge auf der A 7 angezweifelt. Man rechne etwa 90 000 Fahrzeuge auf der Autobahn pro Tag, 75 000 Autos und 15 000 Lastwagen. „Das ist ein Mittelwert, der sich auf einer Messung von sieben Tagen in der Woche ergibt“, sagt Mazur dazu.

Kommunen sind nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz verpflichtet, einen Lärmaktionsplan zu entwerfen. Ziel sei es, diejenigen Anwohner, die vom Verkehrslärm besonders betroffen sind, zu ermitteln und künftig vor den gesundheitlich negativen Auswirkungen von Lärm zu schützen. In Staufenberg wurde dieses Projekt 2019 begonnen, blieb dann aber „stecken“, so hieß es von der Verwaltung bei der jüngsten Ratssitzung.

Laut der Auswertung des Planungsbüros PGT sind in der Gemeinde rund 500 Einwohner von Lärm belastet. Das ergebe die Auswertung der Kartierung von 2018. Dazu gebe es genaue Bemessungsgrundlagen, die von den zuständigen Stellen vorgegeben würden, berichtet Dipl.-Ing. Heinz Mazur von dem Planungsbüro. Es wird abgestuft von 55 bis 60 Dezibel (270 Betroffene tagsüber) im Mittel, 60 bis 65 (110), 65 bis 70 (40), 70 bis 75 (20) und über 75 (10). In Landwehrhagen, Lutterberg und Benterode sind zahlreiche Einwohner von Lärm über 55 Dezibel betroffen, so Mazur. „Wichtig ist, die Bevölkerung bei der Ausarbeitung eines solchen Plans ernst zu nehmen“, sagt der Experte im Saal des Rathauses Landwehrhagen. Wichtig sei auch, dass ein LAP nicht nur für die Gemeinde relevant sei, sondern zahlreiche Akteure habe.

Nicht nur die Kommunen sind in der Pflicht

So seien auch der „private Städtebau“, die Verkehrsplanung und die Freiraumplanung in der Verantwortung. Mazur nannte auch die sogenannten „Ruhigen Gebiete“ als Aufgabe für den Rat der Gemeinde. „Ziel dieser Pläne soll es auch sein, ruhige Gebiete gegen eine Zunahme des Lärms zu schützen“, heißt es dazu in der Umgebungsrichtlinie. Diese Gebiete dürfen dann den Grenzwert, den die Gemeinde festlegt, nicht überschreiten. Allerdings, so hakt Mazur ein, könne dies erst in der vierten Stufe des LAP geschehen, die 2024 fällig sei. Im Anschluss an die Vorstellung gab es eine rege Diskussion mit den Ratsmitgliedern. Holger Liese (Bündnis 90/Die Grünen) fragte, ob die ermittelten Werte von Fahrzeugen auf der A 7 pro Tag realistisch seien. Die Auswertung geht von etwa 90 000 am Tag aus.

Heinz Mazur bestätigte das. Die Daten seien „über den Daumen gepeilt“ sehr genau. Im Anschluss rief Mazur die versammelten Ratsfrauen und -männer auf, den Plan auf den Weg zu bringen. Dieser würde der Gemeinde ein wichtiges Mittel für die Entwicklung an die Hand geben. „Lärmschutz wird vielleicht bald Förderkriterium“, sagt er. „Der Beschluss ist wichtig, um weiterzukommen.“ (Jens Döll)

In Hann. Münden stand der Lärmaktionsplan auch auf der Agenda. Dort war auch die A7 ein Thema.

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