Umweltschutz

Lampen in Hann. Münden nachts abschalten?

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In der Diskussion: Straßenbeleuchtung (Symbolbild). 

Geht es nach der Grünen- und Münden aktiv-Ratsgruppe, soll die Straßenbeleuchtung in der Stadt Hann. Münden künftig nachts abgeschaltet werden.

Diesen Antrag hat die Gruppe in der jüngsten Stadtratssitzung gestellt. Eine Zustimmung gab es nicht – allerdings eine Überweisung in den Betriebsausschuss.

„In der gegenwärtigen Lage, in der das Klima völlig zu entgleisen droht, muss Klimaschutz höchste Priorität erhalten“, heißt es im Antrag der Ratsgruppe. Sie fordert, dass alle Lampen bis auf wenige Ausnahmen von 1 bis 5 Uhr abgeschaltet werden, die Einschaltzeit morgens und abends dem tatsächlichen Bedarf angepasst wird und die Beleuchtungsstärke auf maximal fünf Lux angepasst wird. Außerdem solle ein baldmöglicher Austausch der verbleibenden Natrium- und Quecksilber-Dampflampen auf energiesparende LED-Technik erfolgen. Aus Sicherheitsgründen soll es nach dem Willen der Grünen und Müna Feuerwehr und Polizei möglich bleiben, das Licht nachts jederzeit einschalten lassen zu können. Außerdem sollen statt kaltweißer Leuchtmittel künftig nur noch warmweiße LED eingesetzt werden. Dieses Handeln hätte außerdem den Vorteil, dass Bürger durch weniger Lichtverschmutzung einen gesünderen Schlaf hätten und der Lichtsmog deutlich weniger Insekten tötet. Andere Städte wie Bovenden, Northeim oder Moers würden eine Nachtabschaltung schon seit Längerem praktizieren, schreiben die Antragsteller.

Für die CDU-Fraktion erklärte Tobias Dannenberg, dass eine ganze Reihe an Fragen noch ungeklärt seien. „Was ist das erforderliche Minimum der Einschaltzeit? Welche Lampen sollen weiterbrennen und welche nicht?“, fragte Dannenberg. Die CDU fordere deshalb die weiteren Beratungen dazu im Fachausschuss.

Ähnlich sah es die SPD-Fraktion. „Die Sinnhaftigkeit, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, ist gegeben“, sagte Gerd Hujahn für die Sozialdemokraten. Daniel Bratschek (fraktionslos) wollte wissen, worauf sich Bürger künftig einstellen müssen, wenn sie nachts gegen 1 oder 2 Uhr den Heimweg zu Fuß antreten. „Was brauche ich dann? Eine Taschenlampe?“, fragte Bratschek. Lena Kürschner (Grüne) betonte, dass heutzutage jedes Smartphone eine Taschenlampen-App habe. Bei einem voraussichtlichen Einsparpotenzial von rund 50 000 Euro jährlich sei es außerdem zumutbar, eine Taschenlampe mitzunehmen und das Geld, das dem jährlichen Zuschussbedarf der Stadt für die Grundschule Hemeln entspricht, sei dort deutlich besser angelegt.

Kommentar: Simple Möglichkeit für Klimaschutz in Hann. Münden

Alles wird auf Energiesparen getrimmt: Leuchtmittel, im Volksmund eher Glühbirnen, müssen für die LED weichen, selbst Föhn und Staubsauger dürfen in der Europäischen Union nicht mehr unbegrenzt viel Watt verbrauchen. Nur in Hann. Münden brennt die Straßenbeleuchtung durch. Natürlich wirkt der Grünen-Antrag wie ein Aufspringen auf den aktuellen Klimadebatten-Zug, der durch Deutschland, leider aber nicht durch alle Länder der Welt rollt. 

Aber er darf nicht negativ aufgefasst werden, sondern er ist in diesem speziellen Fall die logische Konsequenz. Weniger Stromverbrauch heißt, mehr Geld in der ohnehin klammen Stadtkasse. Und die Handvoll Menschen, die nachts nach 1 Uhr unter der Woche durch die Straßen geistern, können gut und gerne eine Taschenlampe mitnehmen. 

Und: Nicht nur weniger Insekten sterben, sondern der Blick in den Nachthimmel wird auch deutlich attraktiver. Das ist nicht nur etwas für die Romantiker unter uns, sondern ebenso gut für gesunden Schlaf. Dazu belegt die Statistik auch noch, dass es auf den Straßen nicht unsicherer wird. Es gibt also keinen Grund, nachts nicht einfach mal das Licht auszudrehen. 

Das Argument von Bürgermeister und VHM, dass es technisch nicht möglich sei, dass Feuerwehr und Polizei bei wichtigen Einsätzen das Licht per Alarmierung anschalten lassen, kann man so übrigens auch schlicht nicht durchgehen lassen. Alleine bei unseren Nachbarn im Kreis Northeim geht das in einer ganzen Reihe von Städten und Gemeinden problemlos. Warum nicht bei uns? Wenn Klimaschutz immer so einfach wäre, dann wäre das ein Segen. Diese simple Möglichkeit sollten wir uns aber im eigenen Interesse nicht entgehen lassen.

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