Bücher aus der Region

Dorfleben in Südniedersachsen früher und heute

Mähfahrzeuge wie dieser Claas Mähdrescher von 1960 haben die landwirtschaftliche Arbeit vereinfacht.
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Mähfahrzeuge wie dieser Claas Mähdrescher von 1960 haben die landwirtschaftliche Arbeit vereinfacht.

In der Serie „Bücher aus der Region“ stellen wir Autoren und Werke aus Südniedersachsen vor. Heute: „Der Wandel in der Landwirtschaft Südniedersachsens seit 1950“.

Landkreis Göttingen – Landmaschine statt Pferdepflug, Nebenerwerb statt Familienbetrieb – innerhalb eines Menschenlebens hat sich die Landwirtschaft in Südniedersachsen vollkommen verändert und mit ihr das Leben auf dem Dorf. Aus rund 100 Ortschaften der heutigen Landkreise Göttingen, Northeim Holzminden, Goslar und Hildesheim haben Menschen in „Der Wandel in der Landwirtschaft Südniedersachsens seit 1950 – Eine Bestandsaufnahme mit Zeitzeugenberichten“ ihre Erinnerungen an das Landleben der vergangenen 70 Jahre geteilt.

Bevor motorisierte Fahrzeuge in die Landwirtschaft einzogen, wurde per Hand und Pferdewagen gearbeitet.

Innerhalb von zwei Wochen war das Buch vergriffen.

700 Exemplare stark war die erste Auflage im Dezember 2020. Innerhalb von zwei Wochen war das Buch vergriffen. Und so ist nun die zweite und erweiterte Auflage der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung erhältlich. Über diese für ihn überraschend starke Nachfrage freut sich Herausgeber Gerald Könecke.

Auch sein Bericht ist im Buch erhalten, denn der heute 76-Jährige hat viele Jahrzehnte Landwirtschaft auf dem Hof seiner Familie in Großenrode bei Moringen betrieben. „Ich habe in der Lehrzeit mit Pferden gearbeitet und kann die modernen Trecker heute nicht mehr fahren“, sagt er. In den 80er-Jahren stellte er seinen Hof auf Bio um, heute sind die 17 Hektar verpachtet.

Die Idee zu der Befragung ist Könecke vor sieben Jahren gekommen, als er Vorsitzender der Kommission Volkskunde der Arbeitsgemeinschaft wurde, wie er berichtet. Er habe Besuche in regionalen Heimatmuseen organisiert und dort eine Vielfalt alter landwirtschaftlicher Geräte vorgefunden. „Wir müssen anfangen, das Wissen zu sammeln, bevor die Zeitzeugen sterben“, habe er sich damals gedacht. Und in der Tat seien vor Veröffentlichung des ersten Buchs acht Autoren gestorben. Über die vielen Fotos und Geschichten sei er überrascht gewesen, denn ursprünglich habe er nur Fragebögen zur Größe der Betriebe, Art der Landwirtschaft und Anzahl der Beschäftigten im Verlauf der Jahre versendet. Neben den ausgefüllten Bögen von 80 Betrieben erhielt er hunderte Fotos und Erinnerungsschreiben.

Menschen zogen nach dem Krieg zur Arbeit in die Städte

Aus den Berichten wird deutlich, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Zahl der Betriebe deutlich abgenommen hat, zugleich sind die verbleibenden Höfe flächenmäßig größer geworden. So sind heute immer weniger Bauern für die Versorgung einer wachsenden Anzahl an Menschen mit Lebensmitteln zuständig. Die Landwirtschaft hat sich technisch weiterentwickelt und Betriebe sind heute auf wenige Produkte spezialisiert.

Diese Entwicklung ist eng verwoben mit der Veränderung des Dorflebens: Menschen zogen nach dem Krieg zur Arbeit in die Städte, Maschinen ersetzten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, Lebensmittelläden, Gasthäuser und Handwerker verschwanden aus den Dörfern. „Die Sozialstruktur auf den Dörfern wurde vernachlässigt und es folgte eine Zeit der Verarmung“, fasst Könecke die Entwicklung zusammen. Doch in der Gegenwart sieht er auch eine gegensätzliche Entwicklung: die Rückkehr von genossenschaftlich organisierten Lebensmittelläden, gemeinschaftlich genutzten Kühlhäusern und auch moderne Angebote wie Milchtankstellen und SB-Eierautomaten. „Die Menschen ziehen zurück aufs Land.“ (Kim Henneking)

Service:

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und bei Gerald Könecke, E-Mail: koenecke@grossenrode.de, Tel.: 0 55 03/9 11 71 oder Evelin Martynkewicz, E-Mail: evelin@martynkewicz.de, Tel.: 0 55 52/75 96.

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