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Landkreis Göttingen: Landwirte profitieren vom Camping-Boom

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Von: Michael Caspar

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Landwirt Jens Timmermann aus Güntersen (Adelebsen) steht vor seinem geschotterten Wohnmobilstellplatz an Rande seiner Kuhweide.
Jens Timmermann bietet in Güntersen einen geschotterten Wohnmobilstellplatz an Rande seiner Kuhweide an. © Michael Caspar

Urlaub auf dem Bauernhof. Durch den Campingboom kommt das wieder in Mode. Auch im Landkreis Göttingen. Internetplattformen vernetzten Bauern und Urlauber.

Landkreis Göttingen – Einen kostenlosen Stellplatz für die Nacht bieten einige Landwirte Wohnmobil-Urlaubern an. Letztere kaufen dafür im Hofladen ein. Damit hat Bauer Jens Timmermann aus Güntersen positive Erfahrungen gemacht.

Internetplattformen vernetzten Landwirte und Urlauber

„Über solche Angebote können sich Urlauber auf verschiedenen Portalen wie landvergnuegen.com oder staybetter.farm informieren“, berichtet Timmermann. Der Campingsektor boome – befeuert noch durch die Pandemie. Der Landwirt hatte mit beiden Plattformen Kontakt, entschied sich am Ende für die kleinere, staybetter.farm. Letztere hatte seine Internetseite bei Instagram für gut befunden. Im vergangenen Jahr kamen die ersten Gäste nach Güntersen.

„Die meisten Menschen in Deutschland haben seit Jahren keinen Bauernhof mehr betreten“, weiß der Landwirt. Die Bürger schöpften ihr Wissen aus Medienberichten, in denen es häufig um die schwarzen Schafe der Branche gehe. Das verzerre das Bild.

Seine Gäste fragten regelmäßig nach dem Tierwohl. Sie staunten, dass die Kühe in seinem Stall auf Stroh ständen und auf die Weide könnten. Auch dass Bauern hohe Auflagen erfüllen müssten, bei deren Missachtung empfindliche Strafen drohten, sei vielen nicht bewusst.

„Tolle Sache“, aber Gespräche oft „Zeitfresser“

Von einer „tollen Sache“, um mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, spricht der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks Göttingen, Claus Baumgärtel aus Hilwartshausen. Darin liege aber auch das Problem. Unterhaltungen entwickelten sich schnell zum „Zeitfresser“. Da er selbst seine Erzeugnisse nicht über einen Hofladen vermarkte, verzichte er auf die Umsetzung der Idee. „Man muss den Nerv zum Gespräch haben“, findet Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner. Das Landvolk habe im vergangenen Jahr Betriebe auf die Portale aufmerksam gemacht. Auch bei Beratungsgesprächen zur Direktvermarktung gingen sie auf das Thema ein.

Der persönliche Kontakt zwischen Urlauber und Bauern ist Maximilian D. Kärnbach wichtig, der die staybetter-Plattform 2020 zusammen mit seiner Frau Jennifer gegründet hat. 135 Höfe haben die beiden Darmstädter bisher als Anbieter gewonnen, gut 200 sollen es werden. Die Bauern dürfen bei staybetter nur einen Platz pro Nacht zur Verfügung stellen. Strom- und Wasser-Anschluss sind nicht vorgeschrieben. Die Zahl der Nutzer ist begrenzt, damit der Wettbewerb um die Plätze nicht zu groß wird. Stellflächen für ein ganzes Jahr bietet der ehemalige Landwirt Horst Beuermann aus Scheden den Besitzern von Wohnwagen und Wohnmobilen an. Mitte der 80er-Jahre gab er die Landwirtschaft auf. Nach dem Verkauf der Maschinen stand sein großer Schuppen leer.

Scheden: Platz in der Scheune für Camper

Zeitweise nutzten fünf, sechs Bürger die Scheune. „Das hat sich schnell bis nach Hann. Münden und Reinhardshagen herumgesprochen“, sagt Beuermann. Mittlerweile steht nur noch ein zwölf Meter langes Wohnmobil bei ihm. „Den übrigen Platz brauchen jetzt meine Schwiegertochter und der Enkel für ihre Pferde“, erklärt der Schedener. (Michael Caspar)

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