Erkrankungen beeinflussen Fahrtüchtigkeit

Autofahren im Alter: Angehörige sind gefordert

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Mit zunehmendem Alter schwindet bei vielen Menschen die Fahrtüchtigkeit: Experten raten Senioren und deren Angehörigen sich Tipps bei der Polizei zu holen, wie man auch im Alter noch lange mobil bleiben kann.

Landkreis Göttingen. Anders als im Ausland werden Gesundheitschecks für autofahrende Senioren derzeit in Deutschland abgelehnt.

Wichtiger sei es, so die Meinung der Experten, dass Angehörige ihre in die Jahre gekommenen Eltern oder Großeltern im Auge behalten und sich bei Bedarf Rat bei der Polizei holen.

„Mit zunehmendem Alter leiden immer mehr Menschen gleichzeitig an mehreren Erkrankungen. Dies beeinflusst ohne Frage die Fahrtüchtigkeit“, erklärt Prof. Dr. Roland Nau, Leiter des Geriatrischen Zentrums im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende.

Andere europäische Länder haben aus diesem Grund für Führerscheininhaber ab 70 Jahren Hör- und Sehtests angeordnet: In den Niederlanden alle fünf Jahre, in Schweden und Großbritannien alle drei Jahre.

Ob ein ärztliches Gutachten als Orientierungshilfe über die körperliche Fahrtüchtigkeit zum Ziel führen würde, hält der Altersmediziner jedoch für fraglich: „Eine solche Bescheinigung würde einen sehr uneinsichtigen Menschen wahrscheinlich nur wenig beeindrucken.“

Prof. Dr. Roland Nau

Wichtiger sei es, in solchen Fällen dafür zu sorgen, dass der Betroffenetatsächlich das Fahren einstelle. Hier sind Angehörige besonders gefragt, die zum Beispiel die Autoschlüssel an sich nehmen oder dafür sorgen, dass der Wagen aus dem Gesichtskreis des nicht mehr Fahrtüchtigen verschwindet, so Prof. Nau. Er ist sich sicher, dass das Abgeben des Führerscheins das Problem nicht löse, „denn ein erheblich dementer Mensch hätte dies wahrscheinlich nach einigen Tagen vergessen und würde ohne Führerschein weiterfahren“.

Warum einige Senioren so beharrlich am Autofahren festhalten, kann laut Prof. Nau daran liegen, dass Mobilität für ältere Menschen sehr wichtig ist, um soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten: „In zahlreichen ländlichen Regionen ist das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel sehr dünn, nicht immer sind Busse und Bahnhöfe behindertengerecht, sodass Senioren auf das Auto angewiesen sind“, erklärt er.

Jörg Arnecke

Der Besitz des Führerscheins sei bei vielen älteren Menschen mit dem Gefühl von Freiheit verbunden, bereite aber auch gleichzeitig den Angehörigen einige Sorgen. In diesem Falle können sich Familienmitglieder von autofahrenden Senioren an die Polizei sowie an Straßenverkehrsämter wenden, erklärt Polizeihauptkommissar Jörg Arnecke. In einem Gespräch gebe er Angehörigen hilfreiche Tipps, wie Senioren länger mobil bleiben können. Daher appelliert Arnecke an alle, die sich um ihre älteren autofahrenden Familienmitglieder sorgen, aber auch an diejenigen, die sich auch noch im hohen Alter hinters Steuer setzen möchten, sich hilfreiche Hinweise zu holen.

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