Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen

Mit den Streichen von Max und Moritz zum Ruhm

Altes Handwerk zum Anfassen: Für Kinder gibt es während der Führung viel zu sehen. Hier den alten Mühlstein. Foto: Kolenics

Ebergötzen. Seit 150 Jahren lieben Kinder auf der ganzen Welt die Streiche von Max und Moritz. In der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen im Landkreis kann man jeden Tag in die Welt der zwei Spitzbuben eintauchen.

„Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke.“ Die Wilhelm-Busch-Mühle ist als historisches Museum weit über den Landkreis Göttingen hinaus bekannt. Zwischen 11 000 und 12 000 Besucher kommen im Jahr.

1. Streich: Das Dorf

„Kein Ort ist mir vertrauter als Ebergötzen“, sagte Wilhelm Busch. Die kleine Gemeinde Ebergötzen mit heute ungefähr 2000 Einwohnern liegt etwa 15 Kilometer östlich von Göttingen. Mit neun Jahren kam Busch in die Gemeinde. Sein Onkel war der örtliche Pastor und sollte den Jungen unterrichten. Von 1841 bis 1846 lebte er deshalb im Pfarrhaus von Ebergötzen.

2. Streich: Die Mühle

Unterrichtet wurde Busch gemeinsam mit Erich Bachmann, Sohn des wohlhabendsten Müllers der Gemeinde. Die beiden verband bis zu ihrem Tod eine innige Freundschaft. Die Familie von Bachmann lebte damals in der familieneigenen Wassermühle, die vermutlich im 18 Jahrhundert errichtet wurde.

Eben diese Mühle findet auch im siebten Streich der Max-und-Moritz-Geschichte Erwähnung.

3. Streich: Die Geschichte

Seine Freundschaft mit dem Erich Bachmann hielt Busch mit Anfang 30 in einer Bildergeschichte fest. Die Lausbuben Max und Moritz, Verkörperungen von Bachmann und Busch selbst, machten ihn schlagartig bekannt. Einige Dorfpersönlichkeiten und Klatsch, den Wilhelm Busch während seiner Zeit in Ebergötzen erlebt hatte, fanden sich als Karikaturen in der Bubengeschichte wieder.

Weltbekannt: „Max und Moritz diese beiden.“ Foto: nh

So zum Beispiel der dritte Streich. Für den geschilderten Vorfall mit Schneider Böck soll es eine reale Vorlage gegeben haben. „Der hiesige Schneider Peters musste auf dem Nachhauseweg immer einen Bach überqueren, als dessen Brücke ein Brett diente“, erzählt Elisabeth Girgensohn, die für die Besucherführungen in der Wilhelm-Busch-Mühle zuständig ist. „Es soll aber öfter vorgekommen sein, dass ihm dies nach einem abendlichen Besuch in der Kneipe nicht mehr gelang und er in den Bach stürzte."

4. Streich: Der Autor

Der gebürtige Wiedensahler Wilhelm Busch behielt Ebergötzen immer als seine zweite Heimat in Erinnerung. Sein größter Erfolg war die Geschichte von Max und Moritz, welche mittlerweile in mehr als 300 Sprachen übersetzt wurde. Er gilt als der erste Comic-Zeichner.

5. Streich: Das Museum

Als im Jahr 1972 der Abriss der verlassenen Mühle drohte, gründete sich ein Förderverein zur Rettung des Anwesens. „Die Idee war eigentlich, eine Gedenkstätte für die tiefe Freundschaft zwischen Erich Bachmann und Wilhelm Busch zu errrichten“, sagt Marianne Tillmann, Geschäftsführerin des Fördervereins.

Dies entwickelte sich über die Jahre weiter, sodass sie seit mittlerweile 40 Jahren für Besucher geöffnet ist. Die Ausstellung erstreckt sich fast über das ganze Haus. Neben orginal eingerichteten Räumen, gibt es hier Einzelstücke aus der Welt von Max und Moritz sowie das Mühlenwerk zu sehen. Besonderer Höhepunkt der Führung durch die Mühle: Elisabeth Girgensohn bringt mit Hilfe der Kinder das alte Mühlwerk in Gang. „Erst wenn die Mühle läuft, bekommt man ein richtiges Gefühl für das Haus“.

6. Streich: Das Jubiläum

„Jeder denkt, die sind perdü! Aber nein! - Noch leben sie!“ Zum Jubiläum der Bubengeschichte gibt es in der Mühlenscheune noch bis zum 25. November eine Sonderausstellung. Neben Ausgaben in vielen Sprachen, gelesen von Muttersprachlern, gibt es auch ein Projekt von Studenten aus Köln zu bestaunen.

7. Streich: Die Zukunft

„Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!“

Marianne Tillmann ist dagegen positiv gestimmt: „Ich denke, die Geschichte kann nochmal 150 Jahre überleben“. Busch beschreibt in seinen Geschichten die Schwächen der Menschheit auf humoristische Weise. Diese bleiben immer gleich. „Man findet für jede Gelegenheit passende Zitate und Redewendungen im Werk Buschs.“ (tkx)

Die Wilhelm-Busch-Mühle, Mühlengasse 8, 37136 Ebergötzen, ist von Dienstag bis Sonntag: 10.30 bis 13 Uhr und 14 bis16.30 Uhr geöffnet. Kontakt unter 05507/7181, E-Mail: info@wilhelm-busch-muehle.de.

Eintrittskarten gibt es für 5 Euro und 4 Euro für Kinder bis 18 Jahre (Ermäßigungen für Gruppen und Familien).

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