Hebammen in der Region befürchten Aus für Hausgeburten

Landkreis Göttingen. Derzeit streiten Hebammen mit den Krankenkassen über neue Regeln für Hausgeburten. Das Aus für Hausgeburten droht auch Hebammen im Landkreis Göttingen.

Hebammen in der Region befürchten, dass Schwangere in Zukunft den Geburtsort ihres Kindes nicht mehr selbst wählen können. Grund dafür sind Verhandlungen zwischen dem Deutschen Hebammenverband und dem Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, dem Gkv-Spitzenverband.

Derzeit streiten sich Hebammen mit den Krankenkassen darüber, wann diese künftig eine Hausgeburt finanzieren und wann nicht. Würde es nach dem Gkv-Spitzenverband gehen, würden Entbindungen in den eigenen vier Wänden nur noch bezahlt, wenn keine Ausschlusskriterien vorliegen, erklärt Haifa Rabah, Göttinger Kreisvorsitzende des Hebammenverbands Niedersachsen.

In der Praxis hieße das: Kommt zum Beispiel ein Kind nicht zum errechneten Geburtstermin auf die Welt, was laut Rabah oft der Fall ist, muss die werdende Mutter in einer Klinik entbinden. Auch wenn leichte Verzögerungen nicht direkt Komplikationen ergeben. Hält eine Schwangere dennoch an der Idee fest, das Kind zuhause zu bekommen, hat sie die Kosten dafür selbst zu tragen.

Rabah sieht in der neuen Regelung die Wahlfreiheit von werdenden Müttern gefährdet. Außerdem würde die Gkv-Handhabe über kurz oder lang das Aus für außerklinische Geburten bedeuten. „Kaum eine Frau wird die Kosten einer Hausgeburt, die bis zu 500 Euro betragen, selbst zahlen wollen“, meint Rabah.

Ann Marini vom Gkv-Spitzenverband erklärt, dass die Krankenkassen den Wunsch von Versicherten so lange wie möglich respektieren wollen. „Er endet jedoch dort, wo es medizinische Kriterien gibt, die die Wunschbehandlung zum Sicherheitsrisiko für das ungeborene Kind und/oder die Mutter werden lassen.“

Rabah und ihre Hebammen-Kolleginnen halten die von den Versicherungen geplanten Kriterien allerdings für zu eng gefasst. Sie würden den Willen der werdenden Mütter kaum noch berücksichtigen. (fis)

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.