Orangene Autobahn-Helfer

Kein Auslaufmodell: Das Netz an Notrufsäulen wächst

+
Das versteckt sich unter der Klappe: Eine Notrufsäule an der Autobahn hat einen Knopf für Pannenhilfe sowie für den klassischen Notruf bei medizinischen Problemen oder Bränden und Unfällen.

Notrufsäulen, die an Autobahnen stehen, sind längst noch kein Auslaufmodell - trotz immer mehr Smartphones und automatischen Notrufsystemen steigt die Zahl der Säulen. 

Wie die Dienstleistungs-GmbH des Gesamtverbands der Versicherer auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, werden an allen neu gebauten Autobahnabschnitten, wie auch beim aktuellen Ausbau der A44 in Nordhessen, alle zwei Kilometer Notrufsäulen installiert.

Im Jahr 2018 sind bundesweit 52 400 Notrufe bei der Notrufzentrale der GDV-Dienstleistungs-GmbH in Hamburg eingegangen. Dort landen die Hilferufe bei gemeldeten Pannen, Bränden, Falschfahrern, Gegenständen auf der Fahrbahn und mehr.

144 Notrufe gehen täglich in Hamburg ein

Damit ist der Trend, verglichen zum Vorjahr mit 60 000 Anrufen und nach dpa-Informationen rund 1,5 Millionen Hilferufen in den 90er-Jahren rückläufig. 

Trotz dieser Zahlen und der seit 2019 für Neuwagen verpflichtenden eCall-Systeme, die bei Unfällen automatisch einen Notruf auslösen, ist laut Niedersächsischer Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr nicht bekannt, dass das Bundesverkehrsministerium die Zahl der Notrufsäulen reduzieren will. 

Laut Gesamtverband der Versicherer lässt sich die hohe Zahl der Notrufsäulen alleine mit ihrer Nutzung erklären. 144 Notrufe gehen täglich in der Notrufzentrale in Hamburg ein. Gemessen auf die Autobahnkilometer, an denen die Säulen stehen, sind in 2018 vier Anrufe pro Kilometer eingegangen.

Wie viele es konkret in Niedersachsen waren, wird laut Pressesprecherin Birgit Luge-Ehrhardt nicht erfasst. Als Grund, weshalb die Säulen weiterhin „rege genutzt werden“ gibt die GDV-Dienstleistungs-GmbH an, dass die Geräte weder einen leeren Akku noch ein Funkloch kennen. Sie sind jederzeit einsatzbereit – ein Smartphone sei das nicht immer.

Fast 17.000 Notrufsäulen stehen in der Bundesrepublik

Die fast 17 000 Notrufsäulen in Deutschland werden durch den Bund aufgestellt und in Niedersachsen durch die Fernmeldemeistereien Hannover und Oyten regelmäßig gewartet. Die GDV-Dienstleistungs-GmbH nimmt ausschließlich die Notrufe entgegen. 

Dies unterscheidet sich vom System der Notrufsäulen, die bis Ende 2011 an den Bundesstraßen in der Region gestanden haben. Sie hatte die Björn-Steiger-Stiftung aufgestellt und auch betrieben. 

Ein roter und ein gelber Knopf für den Notfall

Wer auf einem der über 13 000 Autobahnkilometer in Deutschland unterwegs ist, der hat die Möglichkeit, über das Netz der Notrufsäulen Hilfe zu rufen. Wir erklären, wie das funktioniert. Der kürzeste Weg zur nächsten Notrufsäule ist unscheinbar ausgeschildert. 

Da die Säulen alle zwei Kilometer stehen, kann es im schlechtesten Fall vorkommen, dass die nächste Notrufsäule nur wenige hundert Meter hinter der nächsten Kurve steht, man sie aber nicht sehen kann. Um lange Wege zu ersparen, befinden sich auf den Leitpfosten entlang der Autobahn kleine schwarze Dreiecke, die den kürzesten Weg anzeigen. 

In ihnen ist meist auch ein Symbol, beispielsweise ein Hörer oder der Schriftzug „SOS“ enthalten. Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) weist darauf hin, dass niemals die Fahrbahn auf der Autobahn überquert werden sollte, nur weil die Notrufsäule in der Gegenrichtung näher ist.

Notrufagent weiß automatisch den Standort des Anrufers 

Wer die Wetterschutzklappe einer Notrufsäule aufklappt, der sieht eine rote und eine gelbe Taste. Die rote Taste ist laut GDV für den Unfallnotruf. Die Notrufzentrale stellt dann eine Verbindung zur Polizei oder zu Rettungskräften bei der zuständigen Einsatzleitstelle, beispielsweise in Göttingen oder Northeim, her. 

Die gelbe Taste hilft bei Fahrzeugpannen. Betätigt man diese Taste, klärt der Notrufagent laut GDV zunächst ab, ob das Auto sicher auf dem Seitenstreifen steht. Ist dies nicht der Fall, wird die Autobahnpolizei zur Absicherung angefordert. Im Anschluss wird abgefragt, was für Hilfe benötigt wird. 

Ist der Sprit ausgegangen, ein Reifen geplatzt oder qualmt der Motor? Je nach Art der benötigten Hilfe und möglicher Mitgliedschaft in einem Automobilclub wird dann Hilfe geschickt. Übrigens: Im Gegensatz zum Notruf mit einem Handy weiß hier der Notrufagent automatisch den genauen Standort des Anrufers. 

Sämtliche Notrufe über die Notrufsäulen landen zunächst beim Notruf der Autoversicherer der GDV in Hamburg. Dort nehmen sie speziell ausgebildete Notruf-Agenten entgegen. Die Notrufe landen also nicht, wie etwa vom Handy, direkt bei der jeweiligen Einsatzleitstelle von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.