Pflegebericht

Landkreis Göttingen alarmiert: Pflegekräfte für ambulanten Dienst fehlen

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Landkreis Göttingen. Es fehlen Fachkräfte: In der Region Hann. Münden ist es schwierig, bei Pflegebedürftigkeit einen ambulanten Dienst für die Versorgung zu Hause zu finden.

Auf den Pflegenotstand macht der aktuelle Pflegebericht des Landkreises Göttingen aufmerksam, der jetzt in dessen Sozialausschuss vorgestellt wurde. Aber auch andere Teile des Landkreises sind betroffen. Zudem haben Heime weitere stationäre Aufnahmen von Menschen abgelehnt, weil sie die geforderte Fachkräftequote nicht erfüllen, sagte Erster Kreisrat Marcel Riethig (SPD). Der Pflegebericht soll jetzt Grundlage für ein Maßnahmenpaket des Landkreises sein, um die Situation in der Pflege zu verbessern. Jedenfalls soweit das möglich ist. Denn die Zuständigkeit liegt im Großen und Ganzen bei Bund, Land und Pflegekassen, sagte Riethig.

Dieses Paket soll spätestens in der nächsten Sozialausschusssitzung am 30. Mai vorgestellt werden. Ziel ist es, den Menschen, solange es möglich ist, das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Themen dafür sind unter anderem der Ausbau der Tagespflege, die Verbesserung der Beratung, der Ausbau von Nachbarschaftshilfe, der Aufbau eines Haushaltsbörsenpools und die Versorgung von Demenzerkrankten, deren Zahl wächst. Akute Probleme gibt es derzeit wegen des Fachkräftemangels insbesondere bei der Pflege und Betreuung „in den späten Abendstunden, am Wochenende und für ganz einfache Hilfestellungen“. Die steigende Nachfrage könne oft nicht mehr gedeckt werden, sagte der Erste Kreisrat. In Hann. Münden sind derzeit neun Dienste ambulant tätig.

Einzelne Dienste könnten bereits keine neue Kundinnen und Kunden mehr aufnehmen, und einzelne, abgelegene Ortschaften würden aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr angefahren werden können. 

Engpässe auf vielen Ebenen

Größte Stellschraube bei der Pflege von alten und kranken Menschen in den eigenen vier Wänden sind die Angehörigen. Rund drei Viertel von ihnen übernehmen die Betreuung von Eltern und Großeltern. Um Angehörigen zu entlasten, setzt Göttingens Kreisrat Marcel Riethig unter anderem auf die Einrichtung von Tagespflegeangeboten. 

Die sind zurzeit noch rar. In Hann. Münden gibt es nach Angaben des jüngsten Pflegeberichts derzeit 13 Plätze, in Staufenberg, 15 Plätze und in Dransfeld 20 Plätze. Ihre Auslastung liegt bei knapp 87 Prozent, landkreisweisweit beträgt die Auslastungsquote knapp 80 Prozent. Eine Kurzzeitpflegeeinrichtung gibt es im Landkreis noch gar nicht, geht aus dem Pflegebericht hervor. In ihr könnten Menschen vorübergehend betreut werden. 

Damit hätten Angehörige die Möglichkeit, Urlaube und Auszeiten von der anstrengenden Pflege rechtzeitig und verbindlich planen zu können. Das Deutsche Rote Kreuz beispielsweise betreibt in Northeim mit großem Erfolg eine Kurzzeitpflege mit 22 Plätzen. Diese Aufgaben wurden bislang im Landkreis Göttingen von Alten- und Pflegeheimen mit übernommen. Es werde aber immer schwieriger, gerade in Ferienzeiten oder „sehr kurzfristig“ nach einem Krankenhausaufenthalt einen Platz zu erhalten. 

Die 3750 vollstationären Pflegeheimplätze im Landkreis Göttingen waren zum Stichtag 1. November 2017 zu 90,29 Prozent ausgelastet. Im Altkreis Hann. Münden mit 746 Plätzen lag die Quote bei 87,80 Prozent. Eigentlich ein ausreichender Wert, aber weil der Personalbedarf zurzeit nicht zu decken ist, haben einige Einrichtungen einen Aufnahmestopp verhängt. Auf den Wartelisten für die Aufnahme stünden 260 Bewerberinnen und Bewerber. Darin seien aber Doppelanmeldungen enthalten. 

Fehlen würden spezialisierte Einrichtungen für junge, pflegebedürftige Menschen. Sie müssten derzeit häufig in normalen Einrichtungen mit hochgradig demenziell veränderten Menschen zusammenleben. Immer größere Probleme gibt es nach den Landkreis-Feststellungen auch bei der Sicherung der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Bereitstellung von „Essen auf Rädern“.

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