Anteil wird künftig weiter wachsen

Feuerwehr: Frauen erobern Männerdomäne im Landkreis Göttingen

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Seit elf Jahren dabei: Lea Henneking ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Löwenhagen.

Landkreis Göttingen. „Ohne Frauen geht es bei uns nicht mehr. Sie sind voll in die Wehren integriert.“ 

Damit kommentiert Martin Willing, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Göttingen, den Trend, dass immer mehr Frauen die einstige Männerdomäne erobern.

Aktuell sind von den 5298 Feuerwehrleuten im Kreis 839 Frauen, ein Anteil von 15,8 Prozent und ein Plus von 0,5 Prozent innerhalb eines Jahres – Tendenz weiter steigend. Künftig wird der Frauenanteil weiter wachsen: In den Kinder- und Jugendwehren liegt der Anteil der Mädchen inzwischen bei 35 Prozent.

Bis in die 1970er-Jahre hinein war die Feuerwehr eine reine Männerdomäne. „Inzwischen hat ein Wandel stattgefunden, und das ist auch gut so. Die Frauen in den Feuerwehren sind wichtig für die Kameradschaft und lockern das Arbeitsklima deutlich auf. Außerdem ist das Miteinander einfach besser“, sagt Martin Willing.

Er freut sich darüber, dass die Feuerwehr inzwischen zu einem Hobby der ganzen Familie geworden ist. „Das nimmt zu“, sagt Willing. Zudem fördern Frauen in der Feuerwehr die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. Und: Die Frauen sichern den Brandschutz im ländlichen Bereich, weil durch ihr Engagement tagsüber mehr Einsatzkräfte zur Verfügung stehen.

Diverse Kampagnen haben laut Willing dafür gesorgt, dass sich mehr Frauen für die Feuerwehren interessiert haben. Erfreulich findet Willing zudem, dass immer mehr Frauen Führungspositionen bei der Feuerwehr übernehmen. Das Amt der Kreisfrauensprecherin wird beim Kreisfeuerwehrverband bereits nicht mehr besetzt. Der Grund: „Die Frauen sind bestens integriert. Da ist eine solche Funktion nicht notwendig.“ Er könnte sich stattdessen die Einführung von Gleichstellungsbeauftragten, analog zu den Kommunen, bei der Feuerwehr vorstellen. 

Vorgestellt: junge Brandschützerin 

Wenn Lea Henneking von ihrem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr erzählt, dann leuchten ihre Augen. „Das ist mein liebstes Hobby“, sagt die 19-jährige Löwenhägerin. „Seit ich denken kann, wollte ich schon zur Feuerwehr“, sagt Lea Henneking. Auslöser für diesen für ein kleines Mädchen eher seltenen Wunsch war ihr Vater, der ebenfalls bei der Löwenhäger Wehr aktiv ist. „Ich fand es immer bewundernswert, dass die Feuerwehrleute in ein brennendes Haus rennen, wenn andere raus rennen“, so Henneking. 

Als vor elf Jahren dann in dem kleinen Niemetalort eine Kinderfeuerwehr gegründet wurde, war sie sofort dabei. Zwar habe sie noch andere Hobbys wie Töpfern oder Bogenschießen gehabt. „Aber bei der Feuerwehr zu sein ist eben doch etwas anderes“, meint die 19-Jährige. „Da gehst du zwar jede Woche zum Übungsdienst und das ist dann so ähnlich, wie für eine Sportart zu trainieren, aber danach musst du eben immer bereit sein, dich für Menschen einzusetzen, die in einer Notsituation sind.“ 

Lea Henneking ist eine von neun Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Löwenhagen, bei der die Männer – wie in fast allen Wehren – dennoch klar in der Überzahl sind. „Das war für mich aber nie ein Problem“, sagt sie. Nachdem in der Kinderfeuerwehr sowieso für alle der Spaß im Vordergrund gestanden habe, sei lediglich beim Übergang in die Jugendfeuerwehr der erste Monat etwas schwer gewesen. „Weil wir in Löwenhagen damals nur drei Jugendliche waren, sind wir mit den Dransfeldern zusammengegangen“, erzählt sie. 

Von den 25 Mitgliedern sei sie das einzige Mädchen gewesen. „Da hieß es dann schon immer wieder, ich könne dies nicht oder das sei zu schwer für mich.“ Da habe sie sich dann aber durchgesetzt. „Ich habe einfach alles gemacht, was die Jungs auch gemacht haben und mir so den Respekt der anderen erarbeitet.“ Genau diese Einstellung erleichterte Lea Henneking vor zwei Jahren dann auch den Übergang in die Aktivengruppe. „Ich will immer sehen, was ich alles kann und nichts verpassen oder nicht machen, nur weil ich denke, dass ich es nicht kann“, sagt sie. 

Das tolle an der Feuerwehr sei für sie, dass man eine Chance bekomme, alles zu tun, wenn man zeigt, dass man dafür bereit ist. „Wer zur Feuerwehr will, der muss vor allem eins mitbringen: Willenskraft“, sagt Lea Henneking. Ein Leben ohne Feuerwehr kann sie sich die angehende Psychologiestudentin gar nicht mehr vorstellen. „Sollte ich einen Studienplatz in einem anderen Bundesland bekommen, werde ich auf jeden Fall versuchen, dort über eine Doppelmitgliedschaft auch bei der Feuerwehr mitzumachen.“ 

Der Löwenhäger Wehr, wo sie seit zwei Jahren auch stellvertretende Jugendfeuerwehrwartin ist, will sie aber in jedem Fall die Treue halten. „Daran hängt mein Herz einfach und ich werde ja zumindest in den Semesterferien immer hier sein“, sagt Henneking.

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