Landkreis Göttingen

Mehr als im Jahr zuvor: Temposünder zahlten 8,4 Millionen Euro

Landkreis Göttingen. 162.247 fuhren zu schnell, 3276 hielten nicht am roten Ampeln: Hohe Zahlen nennt der Landkreis Göttingen in seiner Statistik zur Verkehrsüberwachung 2016.

Demnach wurden voriges Jahr im neuen Landkreis Göttingen 20.000 Verkehrssünder mehr erwischt als in den Landkreisen Göttingen und Osterode im Jahr 2015 zusammen, teilt Pressesprecher Ulrich Lottmann mit.

Das bedeutet auch: Die zu erwartenden Buß- und Verwarngelder für das Jahr 2016 summieren sich auf knapp 8,4 Millionen Euro. Das Geld fließt in den Kreishaushalt. Allerdings: Die Verkehrsüberwachung kostet auch Geld (Wartung, Personal). Im aktuellen Kreishaushalt sind über vier Millionen Euro dafür bereit gestellt.

Ums Geld gehe es aber gar nicht bei den Kontrollen, betont Lottmann, sondern um Verkehrssicherheit. Damit Regeln eingehalten werden, müssten sie auch kontrolliert werden. Daher die Geschwindigkeitskontrollen und die Blitzer an Ampeln. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit sei eine Hauptursache für Unfälle. Der Landkreis wolle seinen Beitrag leisten, die Zahl der Unfälle zu verringern. Wie nötig eine Kontrolle sei, zeige die enorm hohe Anzahl der festgestellten Verstöße.

Dass sie funktioniere, zeige wiederum die stationäre Anlage an der A 38/Auffahrt A 7. Seit Inbetriebnahme am 28. Januar 2016 sei dort kein Unfall mehr passiert, vorher galt die Stelle als Unfallschwerpunkt. In die Radarfalle gingen an dieser Stelle 21 912 Autofahrer. Dort sind 60 km/h erlaubt, der schnellste war mit 131 km/h unterwegs.

Rund ein Drittel (55.353) aller vom Kreis verzeichneten Tempoverstöße fielen am Laubacher Berg auf der A 7 auf. Dort sei auch der schnellste Raser überhaupt unterwegs gewesen: Mit 218 Kilometern pro Stunde (km/h), wo 100 erlaubt wären. Das sei „besorgniserregend“.

Hintergrund:

Der Landkreis Göttingen ist als Bußgeldbehörde zuständig für 1500 Kilometer (km) Gemeindestraßen, 390 km Kreisstraßen, 342 km Landes-, 242 km Bundesstraßen und 48 km Autobahn.

Dafür stehen elf stationäre Anlagen sowie sieben mobile Anlagen zur Verfügung. Einige der mobilen sind so konstruiert, dass sie auch längere Zeit ohne Personal an einem Standort bleiben können. Diese teilstationären Anlagen hatten voriges Jahr wegen ihrer Form für Aufsehen gesorgt: Sie „tarnen“ sich als Autoanhänger.

An sechs Ampeln im Landkreis findet eine sogenannte Rotlichtüberwachung statt. Dort wird geblitzt, wer bei Rot über die Ampel fährt.

Kommentar von Bettina Sangerhausen:

Wahrscheinlich gibt es keinen Autofahrer, der nicht schon einmal die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung ignoriert hat – Hand aufs Herz! Wenn die Straße doch so schön frei ist, und es keiner sieht... Der Landkreis hat aber hingesehen – und alles dokumentiert. Schwer zu sagen, welche Zahlen mehr aufschrecken: Die Geschwindigkeiten der „Super“-Raser oder die schiere Anzahl derer, die zu schnell unterwegs waren.

Nicht jedes Tempolimit mag dem Verkehrsteilnehmer auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen. Aber die Erfahrung an der Unfallkurve A 38/Auffahrt A 7 zeigen, dass langsamer doch mitunter besser ist. Und es bewahrheitet sich: Wo nicht kontrolliert wird, werden Regeln ignoriert. Die Meldungen über Unfälle in dieser Auffahrt rissen nicht ab. Allein in den ersten zwölf Tagen der Anlage wurden 7436 Fahrzeuge geblitzt, die zu schnell waren. Deren Fahrer werden alle die Messanlage verflucht haben. Andere entgingen dem Bußgeld, indem sie den Fuß vom Gas nahmen – eigentlich ganz einfach. Und es verunglückte keiner mehr.

Rubriklistenbild: © dpa

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