Gesetz müsse angepasst werden

Strengere Vorschriften gefordert: Notbremse in Lastwagen kann Unfälle verhindern

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Notbreme als Pflichtausstattung: Niedersachsens Landesregierung fordert Assistenzsysteme für ganz Europa.

Landkreis Göttingen. Die Landesregierung will die Ausstattung sowie den Betrieb von Notbrems-Assistenzsystemen und Abstandswarnern in Lastwagen in Europa zur Pflicht zu machen.

In einer vom Bundesrat im November 2016 beschlossenen Initiative forderte Verkehrsminister Olaf Lies die Bundesregierung auf, sich bei der Europäischen Union für entsprechend strengere Vorschriften einzusetzen.

Seit Ende 2015 ist vorgeschrieben, neu zugelassene Lkw ab acht Tonnen Gesamtgewicht mit Notbrems-Assistenzsystemen auszustatten. Allerdings, so die Landesregierung unter Berufung auf Experten: Das Gesetz müsse der fortgeschrittenen Technik der Notbrems-Assistenzsysteme angepasst werden. Beispielsweise müsse ein - heute zulässiges - Abschalten der Notbremse per Hand verhindert werden.

80 Prozent der Unfälle am Stauende durch Laswagen

Nach einer Analyse der Unfälle mit Lkw-Beteiligung im Jahr 2015 auf Niedersachsens Autobahnen und Bundesstraßen hätten mit einem optimierten Notbremssystem und Abstandswarner fast alle Auffahrunfälle verhindert werden können. Zu diesem Ergebnis kam nach Auskunft des Pressesprechers des Niedersächsischen Innenministeriums, Matthias Eichler, eine Arbeitsgruppe. Die Analyse der Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern des Innenministeriums und der Verkehrswacht ergab, dass es auf Autobahnen vor allem an Stauenden zu schweren Lkw-Unfällen kam, mit Verletzten und Toten.

Von 61 Stauende-Unfällen wurden 49 (80 Prozent) durch Lkw-Fahrer verursacht. Hauptunfallursachen: Zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabend sowie Ablenkung und Unachtsamkeit. Mit leistungsfähigeren Notbrems-Assistenzsystemen und Abstandswarnern, die es schon gibt, wären die Auffahrunfälle zu vermeiden gewesen, so die Verkehrsexperten. Eine ihrer Empfehlungen: Die Notbremse müsse ständig bereit, also nicht abschaltbar sein.

Unfallzahlen aus dem Jahr 2015

Die Arbeitsgruppe des Niedersächsischen Innenministeriums und der Landesverkehrswacht analysierte Unfälle aus dem Jahr 2015 auf niedersächsischen Autobahnen und mehrspurigen Bundesstraßen, an denen Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen beteiligt waren. Wie der Sprecher des Innenministeriums, Matthias Eichler, erläuterte, wurden 151 Unfälle untersucht, bei den 317 Menschen zu Schaden kamen. 34 (11 Prozent) verunglückten tödlich, 165 (52 Prozent) wurden schwer und 118 (37 Prozent) leicht verletzt. Von den den 151 Unfällen seien 85 (56 Prozent) durch Lkw-Fahrer verursacht worden. Die Auswertung ließ einen Zusammenhang zu Großbaustellen und daraus resultierenden Stau-Situationen erkennen. Von den 151 Unfällen ereigneten sich 61 (40 Prozent) an Stauenden. Die Arbeitsgruppe kam zum Ergebnis, dass mit einem weiterentwickelten optimalen Notbrems-Assistenzsystem und zusätzlicher - nicht abschaltbarer - Abstandswarnung praktisch alle Auffahrunfälle und deren Unfallfolgen zu vermeiden gewesen wären.

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