Flüchtlingsunterbringung: „Wir mieten keine marode Wohnung“

Landkreis Göttingen. Die Kreisverwaltung legt Standards fest, wie Wohnraum für Flüchtlinge beschaffen sein muss und macht deutlich: „Marode Wohnungen werden nicht zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt."

Mit diesen Worten stellte der Pressesprecher des Landkreises Göttingen, Ulrich Lottmann, auf Nachfrage der HNA klar, dass die Kreisverwaltung nur Wohnungen anmietet, die einem „ortsüblichen Standard“ entsprechen. Das sei bei dem in der Öffentlichkeit geschilderten Zustand der sogenannten Haas-Häuser in Mündens Innenstadt nicht der Fall.

Dass die Familie Haas Überlegungen angestellt habe, ihre leerstehenden Häuser in Münden dem Landkreis für die Unterbringung von Asylbewerbern anzubieten, sei der Kreisverwaltung nur aus der Presse bekannt.

Die Firma Kokon Verwaltungs- und Grundstücks GmbH & Co KG, Eigentümerin der Haas-Häuser, war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Redaktion rief um 12.30 Uhr an und hinterließ auf dem Anrufbeantworter die Bitte um Rückruf.

Landkreis-Pressesprecher Lottmann erläutert, in der Kreisverwaltung sei das Amt für Soziales für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig.

Die Mitarbeiter des Amtes achteten darauf, dass die baulichen Standards bei einem Gebäude vorhanden sind. So müsse beispielsweise der Zuschnitt der Zimmer für die Unterbringung geeignet sein. Als weitere Voraussetzungen nennt der Pressesprecher:

• Es muss ein vernünftiger energetischer Standard vorliegen, das heißt unter anderem, doppelt verglaste Fenster und Zentralheizung;

• Wohnungsgröße muss ausreichend sein;

• Die Lage der Wohnung sollte so sein, dass die Flüchtlinge Bus und Bahn gut erreichen können und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe haben;

• insgesamt muss die Wohnung in einem bezugsfertigen Zustand sein.

Auf Nachfrage, warum der Landkreis nicht auch auf leerstehende Wohnungen in den Dörfern zurückgreife, antwortete der Pressesprecher, Flüchtlinge müssten mobil sein, um Behörden zu erreichen, den Arzt aufzusuchen oder die Deutschkurse zu besuchen.

Dazu sei eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr notwendig, die in Grundzentren (etwa Dransfeld) oder Mittelzentren wie Duderstadt und Hann. Münden vorhanden sei, nicht aber auf den Dörfern. Ein Fahrdienst für einzelne Flüchtlinge sei daher keine Alternative.

Der Landkreis sei um dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen bemüht, dies habe bisher auch funktioniert.

Eine der Kommunen, die Flüchtlinge unterbringt, ist die Samtgemeinde Dransfeld. Dirk Aue vom Ordnungsamt der Samtgemeinde, teilte mit, dass in der Alten Schule in Scheden nach einem entsprechenden Umbau Wohnungen für Flüchtlinge entstanden sind.

Im Erdgeschoss sei eine Wohnung mit mehreren Zimmern vorhanden, Küche und Bad könnten gemeinschaftlich genutzt werden. Im Obergeschoss gebe es zwei abgeschlossene Wohnungen.

Zurzeit leben nach Aues Worten in der Alten Schule vier Flüchtlinge, sodass noch Platz vorhanen wäre, um Asylsuchende aufzunehmen.

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