Windräder, Familien und Vulkane

Landratswahl: Fünf Fragen an die Kandidaten im Landkreis Göttingen

Am Kreishaus in Göttingen und an anderen öffentlichen Gebäuden werden die Flaggen an diesem Sonntag auf Halbmast wehen.
+
Kreishaus in Göttingen. Der Sitz des Landrates oder der Landrätin.

Im Landkreis Göttingen wird am 12. September der Landrat für fünf Jahre gewählt. Wir haben den fünf Kandidaten fünf Fragen gestellt.

Landkreis Göttingen – Bei der Kommunalwahl am Sonntag, 12. September, wählen die Einwohner des Landkreises Göttingen einen neuen Landrat oder eine Landrätin. Fünf Kandidaten stellen sich zur Wahl. Amtsinhaber Bernhard Reuter (SPD) tritt für die neue Amtsperiode nicht wieder an. Es haben sich Marcel Riethig (SPD), Marlies Dornieden (CDU), Marie Kollenrott (Die Grünen), Dr. Eckhard Fascher (Linke) und Marcel Orth (Die Partei) beworben.

Der Landrat wird für die Dauer von fünf Jahren gewählt.
Um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine Orientierungshilfe für die Wahl zu geben, haben wir den Landratskandidaten fünf Fragen zu zentralen Themen innerhalb des Landkreises gestellt.

Dabei geht es um die finanzielle Entlastung der Kommunen im Kreis, den Ausbau der Windkraft, die Zukunftsfähigkeit der Schulen und deren Entwicklung, Perspektiven für junge Familien und den Klimaschutz im Landkreisgebiet.

Falls es zu einer Stichwahl im Landkreis kommt, findet diese am Sonntag, 26. September, zeitgleich mit der Bundestagswahl statt. 

Wie wollen Sie die Kommunen im Landkreis finanziell entlasten?

Freude: Marlies Dornieden ist die CDU-Kandidatin für die Landratswahl im Kreis Göttingen.

Marlies Dornieden (CDU): Zum einen über den dafür gesetzlich vorgesehenen vertikalen Finanzausgleich bei der Kreisumlage, sofern hierfür ein Spielraum besteht. Zum anderen über Einzelvereinbarungen wie zum Beispiel bei der Erstattung der Aufwendungen für Kindertagesstätten. In gewohnter Weise will ich auch themenspezifische Einzelförderungen, wie zum Beispiel beim Sportstättenbau fortsetzen.

SPD-Landratskandidat Marcel Riethig auf der Burg Plesse oberhalb von Eddigehausen. Seine Eltern leben noch heute in dem Ort.

Marcel Riethig (SPD): Die Kommunen übernehmen im Auftrag des Landkreises den Ausbau der Kinderbetreuung. Sie haben mit dem Landkreis vereinbart, in 2022 über dessen weitere Kostenbeteiligung bei dieser Aufgabe zu verhandeln. Erst wenn sich der Landkreis bei der Kinderbetreuung angemessen an den Kosten der Kommunen beteiligt, kann über weitere Entlastungen nachgedacht werden. Eines ist sicher: Es wird weitere Windränder geben –auch bei uns im Landkreis. Das ist nicht nur eine Vorgabe. Anders sind auch die Klimaziele nicht zu erreichen. Das im Entwurf vorliegende Konzept wird eine komplette Überarbeitung erfahren. Als Landrat überarbeite ich dieses Konzept gemeinsam mit den Gemeinden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Marie Kollenrott (Die Grünen) möchte Landrätin im Landkreis Göttingen werden. Unser Foto zeigt sie am Aussichtspunkt der Lengder Burg, wo sie gerne wandern geht.

Marie Kollenrott (Die Grünen): Die größte Entlastung für Kommunen erreichen wir durch Stärkung der eigenen Einnahmen. Als Landrätin möchte ich optimale Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Kommunen durch Ansiedlung von Gewerbe und Innovationsförderung ihre Gewerbesteuereinnahmen erhöhen können. Durch Investitionen vor Ort profitiert jeder und jede unmittelbar. Die Kreisumlage muss diskutiert werden.

Linken-Landratskandidat Dr. Eckhard Fascher vor dem Haus der Kulturen am Hagenweg in Göttingen. Dort kann er sich für andere einsetzen.

Dr. Eckhard Fascher (Die Linke): Ich möchte die Städte und Gemeinden durch jährliche Zuschüsse für Investitionen von rund acht Millionen Euro in den Bereichen Kinderbetreuung, Schulsanierungen und Infrastrukturmaßnahmen entlasten. Eine Senkung der Kreisumlage würde vor allem umlagestärkeren Kommunen zugutekommen. Hoch verschuldete Städte wie Hann. Münden müssen zusätzlich entlastet werden.

Marcel Orth, Landratskandidat von Die Partei, vor dem Gänseliesel-Brunnen in Göttingens Innenstadt. In der Hand sein Markenzeichen, ein Sternburg-Bier.

Marcel Orth (Die Partei): Durch das Anlegen eines aktiven Vulkans im Landkreis sorge ich für mehr Tourismus und kostenloses Erdwärme. Alleine die Einnahmen von Parties die sich ‚Tanz auf dem Vulkan‘ nennen, Altring entsorgenden garstigen Hobbitsen und Instagram Models können wir den Laden sanieren!

Wie stehen Sie zum Ausbau der Windkraft?

Marlies Dornieden (CDU): Der Landkreis ist verpflichtet, im Rahmen des Regionalen Raumordnungsprogrammes der Windkraft in seinem Gebiet substanziellen Raum einzuräumen. Insofern stehe ich dem Ausbau der Windkraft grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, sofern die notwendigen Abstände unter anderem zur Wohnbebauung, zu Verkehrsstraßen und zu bestimmten Vogelhabitaten eingehalten werden.

Marcel Riethig (SPD): Eines ist sicher: Es wird weitere Windränder geben –auch bei uns im Landkreis. Das ist nicht nur eine Vorgabe. Anders sind auch die Klimaziele nicht zu erreichen. Das im Entwurf vorliegende Konzept wird eine komplette Überarbeitung erfahren. Als Landrat überarbeite ich dieses Konzept gemeinsam mit den Gemeinden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Marie Kollenrott (Die Grünen): Windkraft ist ein zentraler Hebel, um klimafreundlich Energie für einen wirksamen Klimaschutz zu erzeugen. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob wir die Windkraft im Kreis ausbauen, sondern wie wir das am sozial- und umweltverträglichsten tun. Wir müssen Menschen in ihren Vorbehalten ernstnehmen und sie mit Beteiligungsangeboten überzeugen, um Göttingen gemeinsam zur Vorreiterin für erneuerbare Energie zu machen

Dr. Eckhard Fascher (Die Linke): Um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist ein weiterer Ausbau der Windkraft unumgänglich. Dazu müssen mindestens die gesetzlich vorgesehenen 2,1 Prozent Vorhalteflächen im Landkreis erreicht werden. Unter den möglichen Anbietern sollten vor allem regionale Windenergie-Genossenschaften (Bürgeranlagen) und kommunale Versorger bevorzugt werden.

Marcel Orth (Die Partei): Windkraft ist toll und passt total in mein Konzept! Die Erdwärme der Vulkanlandschaft sorgt zudem für zusätzlichen Wind. Eine Wind-Win-Situation! Ungeliebte Windräder werden, wie alles Andere das nervt, verbuddelt.

Wie wollen Sie die Schulen zukunftsfähig aufstellen?

Marlies Dornieden (CDU): Zunächst sind alle Schulgebäude vollständig barrierefrei zugänglich um- und auszubauen sowie auch brandschutztechnisch zu ertüchtigen. Ferner werde ich die notwendigen Beschaffungen zur Inklusion abschließen. Besonders im Fokus habe ich die Umsetzung des Schulmedienentwicklungsplans, der ausreichend schnelle digitale Technik für den Unterricht vorsieht.

Marcel Riethig (SPD): Als Kreisrat habe ich mich dafür eingesetzt, dass der Landkreis mit circa 30 Millionen Euro pro Jahr so viel Geld wie noch nie in Bildung investiert. Weitere Investitionen in die Digitalisierung und Modernisierung der Gebäude werden folgen. Eine ideologisch betriebene Schulpolitik lehne ich ab. Der Elternwille steht für mich auch in Zukunft an oberster Stelle.

Marie Kollenrott (Die Grünen): Die Schulen der Zukunft sind digital und ermöglichen allen Schüler*innen unabhängig von Zuschreibung und Hintergrund gleichberechtigt gute Bildung. Dazu braucht es eine Digitalisierungsoffensive bezüglich der Ausstattung, aber auch vermehrt Förderung von Lehrkräftekompetenz. Bildungsgerechtigkeit kommen wir mit inklusiven Gesamtschulen mit ausreichend Sozialarbeit am nächsten. Stärken müssen wir individuell fördern und Schwächen ausgleichen.

Dr. Eckhard Fascher (Die Linke): Nicht nur im Göttinger Umland, sondern auch in den übrigen Teilen des Landkreises müssen Kinder Gesamtschulen besuchen können, die es in jedem Mittelzentrum geben muss, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Die Digitalisierung in den Schulen muss vorangetrieben werden, Schulstandorte müssen erhalten werden.

Marcel Orth (Die Partei): Sowas wie Internet wäre schon cool. Und kostenfreie Leih-Laptops für die Schüler. Schüler in die Digitalisierung einbeziehen! Wenn dann Remote-Schooling einmal ernsthaft umgesetzt werden soll (ab 8. Lockdown) können die Kids den Schul-Router konfigurieren und den Lehrern erklären wie man einen Computer benutzt.

Wie wollen Sie Perspektiven für junge Familien schaffen?

Marlies Dornieden (CDU): Für junge Familien werde ich durch Kooperation mit den Gemeinden und den Wohnungsbaugesellschaften ausreichend bezahlbaren Wohnraum sowie gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in den Städten und Gemeinden schaffen. Darüber hinaus setze ich mich für den weiteren Breitbandausbau ein, um vermehrt Homeoffice-Angebote oder Coworking-Bereiche zu ermöglichen.

Marcel Riethig (SPD): Als Landrat baue ich die Familienzentren weiter aus, da sie vor Ort Familien vielfältig unterstützen. Kinder sollen überall die besten Chancen haben. Außerdem stehen auf meiner Lösungsagenda der Ausbau der Kinderbetreuung und die Unterstützung von Bauwilligen sowie Investoren bei der Schaffung von Arbeitsplätzen durch eine bürgerfreundliche Baubehörde.

Marie Kollenrott (Die Grünen): Junge Menschen brauchen attraktive Arbeits- und Ausbildungsbedingungen und passende Rahmenbedingungen für eine gute Lebensqualität. Das bedeutet, dass wir gute Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig Betreuungsangebote für Kinder, digitale Infrastruktur und eine flexible Mobilität im gesamten Landkreis gewährleisten müssen.

Dr. Eckhard Fascher (Die Linke): Junge Familien brauchen vor allem Sicherheit. Sozialer Wohnraum soll vorrangig für bedürftige Familien geschaffen werden. Der Sozialfonds für einkommensschwache Familien zur Finanzierung von Schulausgaben muss ausgeweitet werden. Eltern müssen sich darauf verlassen können, einen Kita-Platz zu finden, das Ganztagsangebot an Schulen muss ausgebaut werden.

Marcel Orth (Die Partei): Viele Familien mögen ihre Kinder. Darum sind sie oft Optionen zugeneigt, die deren Überleben sichern. Eine Klimahölle gehört nicht dazu. Darum wollen wir alles tun um eine Regierungsbeteiligung der cDU ob in Stadt, Land oder Bund zu verhindern. Den meisten reicht das!

Was wollen Sie für den Klimaschutz tun?

Marlies Dornieden (CDU): Ich möchte im Landkreis die Wasserstoff-Technologie an den Start bringen und einen Energie-Mix aus E-Mobilität, Agri-PV sowie Wind-, Wasser- und Solarenergie ermöglichen. Außerdem liegt mir regionale Produktvermarktung als aktiver Beitrag zum Klimaschutz am Herzen, durch die Reduzierung von Lieferwegen kann der CO2-Ausstoß reduziert werden.

Marcel Riethig (SPD): Gemeinsam mit den Sparkassen und regionalen Banken schaffe ich den Klimasparbrief. Er liefert zusätzliches Geld, um schneller die energetische Sanierung von kommunalen Gebäuden zu erreichen. Damit reduzieren wir den Energie-/CO²-Verbrauch. Zudem liegt mir der Ausbau der Radwege sowie ein flexiblerer Einsatz der Busse am Herzen.

Marie Kollenrott (Die Grünen): Der Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir müssen mit einer Energie-, Verkehrs-, und Wirtschaftswende unsere CO2-Emissionen stark reduzieren, damit wir möglichst früh klimaneutral werden. Zeitgleich gilt es, unseren Landkreis durch einen vorsorgenden Wasser- und Hitzeplan die Entwicklung von Grünflächen im urbanen Raum und den Schutz unserer Wälder widerstandsfähig aufzustellen.

Dr. Eckhard Fascher (Die Linke): Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die Menschheit. Es muss alles getan werden, um wenigstens noch das 1,5-Grad- Ziel zu erreichen. Im Kreis muss der Klimaschutzplan angepasst werden, um eine Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Dabei gibt es keine Alternative zur Energieeinsparung und zum Ausbau regenerativer Energien..

Marcel Orth (Die Partei): Alles was nötig ist! Und das ist viel! Sehr viel! Kostenlose Erdwärme für alle und die Möglichkeit daraus Strom zu generieren ist ein guter Anfang. Die strenge Sanktionierung von Klimasündern (Grillverbot für SUV Fahrer) und ein dreistelliger CO2-Preis pro Tonne runden das Ganze ab. Alle Ausgaben des Landkreises müssen strengen Klimaschutzanforderungen genügen. (Thomas Schlenz/Bernd Schlegel/ Kim Henneking / Jens Döll /Melanie Zimmermann).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.