Niedersachsen wählt am 15. Oktober

Dr. Joachim Bons, Kandidat für den Landtag, Linke: Wahlkampf statt Urlaub

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Fokussiert: Dr. Joachim Bons aus Göttingen im Botanischen Garten der Georg-August-Universität. Für die Linkspartei möchte der Politikwissenschaftler in den Landtag einziehen.

Landkreis Göttingen. Umringt von Gräsern, Blumen und Bäumen sitzt Dr. Joachim Bons im Botanischen Garten in Göttingen. Diese Bank am Rande des dortigen Teichs ist ein herrlicher Ort zum Entspannen.

Doch das kann Bons nicht wirklich. „Weil die nette Grüne sich dazu entschieden hat, ihre Karriere anderweitig fortzusetzen“, meint der Wissenschaftler grinsend und spielt auf den Wechsel der Landtagsabgeordneten Elke Twesten zur CDU an, der das Parlament zerschellen ließ.

Deshalb steht jetzt für den gebürtigen Düsseldorfer statt des geplanten Italien-Urlaubs ein Turbo-Wahlkampf an. Statt sich über die kurzen Abstände zwischen Bundestags- und Landtagswahl zu ärgern, krempelt der 68-Jährige lieber die Ärmel hoch. Seiner Meinung nach gibt es genug zu tun. „Wir müssen dazu übergehen, gerechte Löhne zu zahlen. Der Mindestlohn ist viel zu niedrig, weshalb ich für einen Landes-Mindestlohn von zwölf Euro eintrete. Im Zuge dessen muss auch erreicht werden, dass öffentliche Aufträge nur vergeben werden, wenn Tarif- oder Mindestlöhne gezahlt werden.“ Der in Frankenberg aufgewachsene Rentner weiß, wovon er spricht. Seit Langem ist er Arbeitslosengeld-II-Berater, kennt so die Nöte derjenigen, die kurz davor stehen, in Hartz IV abzurutschen.

„Das ist gruselig, wenn eine alleinerziehende Mutter tränenüberströmt vor einem sitzt, weil ihr alle Leistungen gestrichen wurden“, sagt der gelernte Großhandelskaufmann, der selbst lange mit befristeten Arbeitsverträgen kämpfte. „Ich wollte in Göttingen bleiben und habe nur Jobs angenommen, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren konnte.“

Verbiegen lässt sich Bons nicht, der in Göttingen auch gerne durch die Stadt spaziert. „So kann ich meine Gedanken besser sammeln, beim Radfahren ist das zu gefährlich.“ Meist sieht man den langjährigen Gewerkschaftler an der Uni, wo er – neben seiner Tätigkeit als Arbeitslosengeld-II-Berater – immer noch ein Seminar gibt, das sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Geld spielt dabei keine Rolle. Vielmehr die Überzeugung des passionierten Hobby-Fußballers. Die sorgte auch für seine Kandidatur. „Wir brauchen wieder ein angemessenes Renten-Niveau, das durch die Reichen finanziert wird, eine humane Flüchtlingspolitik und ein Auge auf die Bildungschancen der Kinder.“ Bons ist sicher, etwas zu erreichen. Trotz Turbo-Wahlkampf und Urlaubsverzicht. 

Zur Person

Dr. Joachim Bons (68) wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Göttingen. Der Hobby-Fußballer kocht jedes Wochenende, beschäftigt sich viel mit Geschichte, Kultur und Geografie. Um zu entspannen, spaziert er gerne mal durch Göttingen.

Drei Fragen an Bons

Welches Buch hat Sie zuletzt gefesselt? Die autoritäre Revolte von Volker Weiß. Bei welcher Musik entspannen Sie? Bei Folk, Oldies sowie Verdi- und Puccini-Opern. Welches ist Ihr Lieblingsreiseland? Italien, ich fahre immer wieder gerne nach Rom.

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Kommentare

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