Weniger Ackerland im Kreis

Landvolk-Geschäftsführer kritisiert Flächenverbrauch

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Der Industrie-, Wohnungs- und Straßenbau verschlingt auch im Altkreis Münden landwirtschaftliche Flächen, vor allem auf fruchtbaren Böden der Tallagen wie hier im Industriegebiet Hedemünden. Dort ist der Fahrzeugteile-Großhändler Wessels+Müller (Osnabrück) auf ein Areal von mittlerweile 16 Hektar gewachsen. Unser Foto zeigt den Baustart im Sommer 2018, mittlerweile sind die neuen Hallen fertiggestellt.

In Deutschland wird immer mehr landwirtschaftliche Nutzfläche bebaut. Dieser Trend gilt auch für den Landkreis Göttingen.

Laut Landesamt für Statistik Niedersachsen sank ihre Größe von 74 186 Hektar im Jahr 2016 auf 74 046 Hektar Ende 2018. Damit stehen der Landwirtschaft im Landkreis Göttingen 140 Hektar weniger Land zur Verfügung als noch zwei Jahre zuvor, vergleichbar ist das mit ungefähr 196 Fußballfeldern. Je größer die Ortschaften seien, desto mehr Nutzfläche werde in deren Umkreis für Neubauten verbraucht, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen.

Vor allem die Anbindung zur Autobahn 7 sei sowohl im privaten als auch gewerblichen Bereich für viele ein Grund, im Landkreis Göttingen zu bauen. „Dafür Platz hergeben muss aber vor allem die Landwirtschaft, sodass unsere Bodenfläche immer knapper wird“, sagt Hübner.

Ausgleich nütze Landwirten kaum

Zwar erhalten Landwirte Hübners Angaben zufolge sogenannte Ausgleichs- und Ersatzflächen, wenn Teile ihrer Felder bebaut werden. Das geschehe jedoch oftmals in Form von Streuobstwiesen. „Die sind für die landwirtschaftliche Produktion im Vergleich zu Ackerflächen aber praktisch verlorener Boden“, so der Geschäftsführer des Landvolks.

Damit sichergestellt wird, dass der Wert der Ausgleichsfläche dem des zu bebauenden Areals entspricht, gebe es laut Achim Hübner eine Punktewertung. Streuobstwiesen zum Beispiel seien dabei zwar mehr Punkte wert als Ackerflächen, sie würden der Landwirtschaft jedoch in Wahrheit weniger nützen. Deswegen sei es ihm zufolge auch nicht hilfreicher, dass Landwirte in der Regel für jeden Hektar bebautes Gelände sechs Hektar Ausgleichsflächen erhalten.

Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen - Archivfoto

Hübner: Bauen in der Stadt als Alternative

Da Wälder rechtlich geschützt seien und somit für eine Bebauung nicht in Frage kommen schlägt er andere Alternativen vor, die in Betracht gezogen werden sollten. Zum Beispiel gebe es seiner Meinung nach in den Städten viele brachliegende Gebiete und leer stehende Gebäude.

Letztere stünden allerdings meistens unter Denkmalschutz und könnten deshalb nicht abgerissen werden. Da sie laut Hübner aber das Stadtbild nicht verschönern, würden sowohl die Städte als auch die Landwirtschaft von einem Abriss profitieren. Er weiß jedoch: „Da stehen viele baurechtliche Probleme im Weg.“ Außerdem sei mehr-etagiges Bauen eine Möglichkeit, nutzbare Flächen in Städten und nicht auf dem Land zu schaffen.

Weitere Probleme durch Flächenverlust

Die zunehmende Bebauung von landwirtschaftlichen Nutzflächen bringt für die Landwirtschaft aber noch mehr Konsequenzen mit sich: Dafür vorgesehene Ausgleichsmaßnahmen sind für die Landwirte oft nicht zufriedenstellend und sind der Grund dafür, dass sie für die Produktion wichtiges Land verlieren. Das ziehe mehrere Probleme nach sich, sagt Achim Hübner. 

Seinen Angaben zufolge ist das Wichtigste für die Landwirte, möglichst viel zu produzieren, weil der Konsum der Menschen gleich hoch bleibe. Dieses Ziel werde durch eine geringere Nutzfläche erschwert. Gleichzeitig führe es dazu, dass ein Umstieg auf die klimafreundlichere Bio-Landwirtschaft so meist nicht rentabel sei. Der Grund dafür liege darin, dass das Anbauen von Bio-Lebensmitteln noch einmal 50 bis 60 Prozent weniger ertragreich sei als der herkömmliche Weg. „Technisch wäre ein kompletter Umstieg auf Bio-Landwirtschaft auf jeden Fall möglich, aber es lohnt sich für viele Betriebe einfach nicht“, berichtet Hübner. „Letzten Endes müssen der Weizen und die Milch ja trotzdem produziert werden.“ 

Hübner: „Fläche ist endlich“

Er fordert daher, dass die Landwirtschaft stärker entlastet wird: „Fläche ist endlich und so muss man sie auch behandeln“, lautet sein Fazit zu diesem Thema. Aktuell gibt es seinen Angaben zufolge drei größere Bauprojekte im und um den Landkreis Göttingen: Zwischen Rosdorf und Göttingen entstehe ein Industriegebiet und sowohl an der A38 südlich von Rosdorf als auch zwischen Bovenden und Nörten-Hardenberg jeweils ein Gewerbegebiet. Die Vorschläge, welche Flächen sich für eine Bebauung eignen, kommen laut Hübner von der Landesraumordnung. Diese leite sie an den betreffenden Landkreis und die Gemeinde weiter. Anschließend müsse mit dem Grundeigentümer des zu bebauenden Landes eine preisliche Einigung getroffen werden. „In der Regel fällt die aber nicht zu seinem Nachteil aus“, sagt Hübner. Er weist jedoch darauf hin, dass zwei Drittel des landwirtschaftlichen Bodens den Landwirten nicht selbst gehöre. Stattdessen müssten sie das Land pachten und würden es dann bewirtschaften.

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